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Als der „tolle Christian“ in Wormeln nichts Wertvolles fand

Waldprozession wird 400 Jahre alt

Warburg-Wormeln

Nach dem Schützenfest steht in Wormeln die traditionelle Waldprozession am Sonntag nach Fronleichnam an. Und die soll in diesem Jahr etwas ganz Besonderes werden. Hintergrund: Sie wird 400 Jahre alt.

Von Hannah Even

Die Wormelner Waldprozession ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Dorftradition. Sie führt die Gemeinde durch den Wormelner Wald. Das Foto zeigt die Waldprozession im Juni 1996. Foto: Elmar Thöne

„Die Waldprozession ist seit jeher mehr als ein bloßes Beisammensein“, macht der Wormelner Ortsvorsteher Roberto Fiesseler deutlich. Nachdem in den vergangenen beiden Jahren die Waldprozession coronabedingt ausfallen musste, steht sie nun wieder als fester Bestandteil des Ortslebens am Sonntag nach Fronleichnam, 19. Juni, auf dem Programm.

Schon seit Jahrhunderten hat die Waldprozession einen festen Platz in der Wormelner Geschichte. „Traditionen bieten Sicherheit, sind vertraut und verbinden“, sagt Roberto Fiesseler. Erstmals in diesem Jahr wird ein Planwagen mit Pferden eingesetzt, um so den älteren Bewohnern eine Gelegenheit zu bieten, an der Prozession teilzunehmen, berichtet Kirchenvorstand Peter Even. Im Anschluss an die Prozession folgt ein Mittagessen mit Getränken und Cocktails im Pfarrgarten. Für die Kleinen wird eine Hüpfburg aufgebaut. Nachmittags werden noch Kaffee und Kuchen angeboten. Da alle Angebote kostenlos sind, möchten die Wormelner Messdiener um Spenden für die Ukrainehilfe bitten.

Wertvolles an der Heiligen Eiche versteckt

Nach örtlicher Überlieferung geht die Waldprozession auf ein Ereignis des Jahres 1622 zurück. Historischer Hintergrund dieser nunmehr 400-jährigen Tradition sind die Angriffe Christian von Braunschweigs (der "tolle Christian" genannt) im Warburger Land, berichtet Kirchenvorstand Even. In der Hoffnung auf reiche Beute wurde 1622 auch das Zisterzienserinnen-Kloster in Wormeln von den protestantischen Truppen Christians angegriffen.

Da aber die wertvollen Altargegenstände der Erzählung zufolge aus Angst vor Plünderungen bei der Heiligen Eiche im Wormelner Wald versteckt worden waren, fanden die Söldner nichts von Wert. Infolge dieser Ereignisse hat sich die Waldprozession etabliert und so macht sich die Kirchengemeinde auch in diesem Jahr wieder auf den Weg in den Wormelner Wald. Auch wenn von der sogenannten Heiligen Eiche nur noch die Flurbezeichnung übrig geblieben ist, erinnern die einzelnen Prozessionsstationen bis hin zum Wald an die Menschwerdung Jesu Christi.

Noch ältere Tradition

Der erste Teil der Waldprozession entspricht dabei sogar noch einer deutlich längeren Tradition, da er dem Weg der damaligen Kirchweihprozession entspricht, die erstmals im 1465 in einer Urkunde erwähnt wurde. „Die Waldprozession prägt besonders unser Wir-Gefühl in Wormeln“, erklärt Roberto Fiesseler. So würden auch die Teilnahme des Schützenvereins und das Zusammensein nach der Prozession zur Stärkung der Dorfgemeinschaft beitragen.

Nach einer Frühmesse, die um 8.30 Uhr beginnt, wird in Begleitung des Wormelner Schützenvereins und des Musikvereins Germete bei trockener Witterung die insgesamt dreistündige Prozession über etwa vier Kilometer begangen. „Der Weg ist hierbei sicher auch das Ziel – nämlich auf dem Weg durch die Wormelner Gemarkung und die aufblühende Natur die Schönheit von Gottes Schöpfung zu feiern und zu bewahren“, führt Peter Even aus. Die Kirchengemeinde lädt alle Einwohner und Interessierten zur Teilnahme ein.

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