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Förster Max Gottschalk hilft bei Aufforstung auf den Waldflächen der Familie Schuchard

3500 Bäume für Gut Neu-Calenberg

Warburg

Heftige Stürme, viel zu wenig Regenfälle und Schädlingsbefall haben in den heimischen Wäldern große Schäden angerichtet und insbesondere Fichten zu Fall gebracht. Nun muss an vielen Orten aufgeforstet werden.

Astrid E. Hoffmann

3500 Pflanzen wurden auf fünf verschiedenen Waldflächen – zusammen etwa 1,3 Hektar – der Familie Schuchard in Calenberg gesetzt. Foto: Karl-Heinz Wiemers

„Achtzehn Prozent unserer Waldfläche waren Fichtenbestand“, sagt Alexandra Schuchard vom Gut Neu-Calenberg. Die Familie Schuchard betreibt einen landwirtschaftlichen Betrieb und bewirtschaftet auch einige Waldflächen. „Für uns hat sich zunächst die Frage gestellt, was können wir überhaupt pflanzen, um die Flächen wieder aufzuforsten“, berichtet die 23-Jährige. Mit Förster Florian Bitter von Holz und Wald NRW wurde die Planung gemacht, sein Nachfolger als Revierleiter, Max Gottschalk, begleitete nun die Umsetzung.

3500 Pflanzen wurden auf fünf verschiedenen Waldflächen der Familie Schuchard in Calenberg, deren Größe zusammengerechnet ungefähr 1,3 Hektar, also 13.000 Quadratmeter, ergibt, von einer regionalen Baumschule an drei Tagen gesetzt. Das klingt nach einer schnellen Lösung, ist es aber nicht.

Von Stürmen umgewehte, durch Trockenheit abgestorbene und vom Borkenkäfer zerfressene Bäume – neben den Fichten waren auch Buchen betroffen – mussten erst einmal aus dem Wald geholt werden. Danach kam ein Kettenbagger mit Mulchvorrichtung zum Einsatz, dieser bereitete den Boden für die Pflanzung vor.

Fünf Flächen bepflanzt

Für jede der fünf Flächen war je nach Lage, Gelände, Bodenbeschaffenheit und vorhandenem Baumbestand ein individueller Pflanzplan erstellt worden. So wurde etwa eine Fläche mit Elsbeeren, Traubeneichen und Hainbuche bestückt. „Es handelt sich dabei um heimische Arten, die Trockenheit vertragen können“, sagt Förster Max Gottschalk.

Dabei wurden die Elsbeeren an den Rand gesetzt. Drei Eichen und eine Buche wechseln sich in den Reihen jeweils ab. Zwischen den Bäumchen sind in der Reihe jeweils ein Meter, zwischen den Reihen zwei Meter Abstand. Damit wird gewährleistet, dass jede Art genug Platz zum Wuchs hat und sich die Pflanzen bei ihrem Streben nach Licht gut in die Höhe entwickeln.

Die so aufgeforstete Fläche ist mit einem Horngatter eingezäunt. Damit werden die jungen Bäume vor Wildtieren geschützt, die hier einen gedeckten Tisch finden. „Rehe sind immer auf der Suche nach eiweißreichen Trieben, und frische Bäume sind ein Leckerbissen für sie“, weiß Revierleiter Max Gottschalk.

Plätze werden eingezäunt

Nicht alle Stellen im Wald eignen sich aber für das Einzäunen mit dem Gatter aus unbehandeltem Holz, welches übrigens später wieder entfernt wird. Bei einer solchen Stelle wurde eine Trupppflanzung vorgenommen. Eine Eiche steht in der Mitte, es umschließt diese ein Ring mit acht Eichen, dann folgt ein weiterer Ring mit zehn Eichen. In jeder der vier Himmelsrichtungen steht außen eine Hainbuche. „Die Hainbuche wird nicht so hoch wie die Eiche und hat somit eine dienende Funktion“, sagt Gottschalk.

Förster Max Gottschalk und Alexandra Schuchard stehen vor einem mit Horngatter eingezäuntem Areal, in dem eine Aufforstung mit Elsbeeren, Traubeneichen und Hainbuchen erfolgt ist. Foto: Astrid E. Hoffmann

Bei der Eiche ist zunächst ein acht bis zehn Meter hoher astfreier Stamm gewünscht, denn der Baum ist am Ende auch Nutzholz. Die Hainbuche sorgt für Schatten und gewährleistet die Astfreiheit der Eiche im unteren Teil. Die Bäume dieser Anpflanzung stehen in Kunststoffröhren, so genannten Wuchshüllen. Diese bieten Schutz vor Verbiss und speichern auch Wärme.

Auf einer weiteren Fläche sind noch Lärchen und Douglasien vorhanden, die fehlenden Fichten wurden durch Rotbuchen ersetzt. Rotbuchen und Weißtannen, im Quadrat gesetzt, bilden das vierte Areal. In einem weiteren vom Horngatter umzäunten Areal befinden sich Vogelkirschen, auch als Wildkirsche bekannt, mit Walnussbäumen im Verband. Der Walnussbaum ist neu, die Tiere freuen sich über die Nüsse.

Naturverjüngung aktuelles Thema

Alexandra Schuchard hat gerade ihrer Bachelorarbeit im Studiengang Forstwissenschaften eingereicht und sich dabei mit dem Thema Naturverjüngung beschäftigt. Ein aktuelles Thema, nicht nur im elterlichen Wald. „Für uns ist so eine Aufforstung auch ein Risiko, denn wir wissen nicht, ob sich alles wie gewünscht entwickelt. Wir haben hier kalksteinhaltige Böden, da ist Trockenheit ein großes Problem“, erklärt die Studierende.

Die preislich günstigste der verwendeten Baumarten, ist die Weißtanne mit 0,65 Euro pro Setzling, die teuerste ist die Walnuss für 2,80 Euro. Jede Pflanze wird anfangs mit einem Stock gestützt und damit auch markiert. Dazu kommen die Wuchshüllen und die vier Meter breiten Horngatterteile, die zu einem Schutzzaun mit Querstreben aufgebaut werden.

Die exakte Bepflanzung erleichtert die anschließend regelmäßig nötige Pflege. „Im Frühjahr wird freigeschnitten, was den Wuchs bedrängt“, erklärt Alexandra Schuchard. Es ist eine zeit- und kostenintensive Arbeit, von der alle Menschen profitieren, denn Bäume sind wichtig für das Klima.

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