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Michael Dorau, Leiter der Warburger Petrus-Damian-Schule, in den Ruhestand verabschiedet – Feierstunde wegen Corona nur in kleinem Kreis

Akzente gesetzt und mit den Schülern „gelebt“

Warburg

Michael Dorau, seit 2017 Leiter der Petrus-Damian-Schule in Warburg, ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Seit 1994 war Dorau an der Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung tätig. Die Schulleitung übernimmt fortan Patrick Knüttel. Ihm zur Seite steht Heike Wigge.

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Verabschiedung in der Petrus-Damian-Schule (von links): der scheidende Schulleiter Michael Dorau, Heike Wigge und Patrick Knüttel (neue stellvertretende Schulleitung und Schulleitung) sowie Elmar Schäfer, Vertreter des Schulträgers. Foto: Dirk Linnenberg

Wegen der Corona-Pandemie konnten nur wenige Kollegen an der Verabschiedung ihres scheidenden Schulleiters teilnehmen. Patrick Knüttel stellte in seiner Laudatio einen Grundsatz heraus, der Dorau durch dessen gesamtes Lehrerleben begleitet habe: „Du kamst in die Schule, um mit den Schülern zu leben“.

Gemeint sei: Die Kinder so annehmen, wie sie sind, eine Beziehung zu ihnen aufbauen und gestalten, ihnen helfen, einen Weg im Leben zu finden. Und daraus dann fachliche Lernfortschritte zu ermöglichen. „Das war zu jeder Zeit dein schulisches Credo“, wandte Knüttel sich direkt an Michael Dorau.

Als Vertreter des Schulträgers, der Jugendhilfe im Erzbistum Paderborn, stellte Elmar Schäfer die Arbeitsweise von Dorau heraus, mit der dieser die Petrus-Damian-Schule geprägt habe. „In deinen ersten Arbeitstagen an dieser Schule wurde im Lehrerzimmer getuschelt: So ein Lateiner und Historiker – ob der hier wohl richtig sein könne? Du warst richtig und hast seit deiner Zeit als Klassenlehrer ein Technik-Profil auf- und ausgebaut“, nannte Schäfer ein Beispiel für dessen handlungsorientierten und motivierenden Unterricht.

Dorau habe stets ein vorrangiges Ziel verfolgt: „Die Schüler faszinieren und mitnehmen auf eine Lern-Reise mit Kopf, Herz und Hand“. Das könne nur jemand leisten, der seine Sache aus Überzeugung mache. „Es war Dir ein Anliegen, den Kollegen Freiräume zur pädagogischen Entfaltung zu lassen, für Gemeinschaft und Zusammenhalt zu sorgen und immer wieder Neues anzupacken“, betonte Schäfer. Sein Fazit: „Du hinterlässt ein gut aufgestelltes Haus.“

„Deine Lebens- und Arbeitsphilosophie speist sich aus dem Anglerlatein und aus der 2000 Jahre alten Philosophie eines Stoikers namens Seneca der Jüngere“, stellte Doraus Vorgänger im Amt des Schulleiters, Michael Brockmeier, in seiner Videobotschaft heraus. Dorau habe stets eine hohe Präsenz in der Förderschule gezeigt und gelebt.

Den Abschiedsgruß des Kollegiums überbrachte die Vorsitzende des Lehrerrats, Silvia Arens. Doraus Kollegen hatten Holzpfähle bemalt und gestaltet und ihrem Chef so ganz individuelle Wünsche und Botschaften mit auf den Weg gegeben.

Dorau war 1994 zur Petrus-Damian-Schule gekommen. Zuvor hatte der Wahl-Germeter, 1955 in Herste geboren, zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. Im Anschluss holte er das Abitur nach und studierte die Fächer Latein und Geschichte an der Uni in Münster mit dem Abschluss des Ersten Staatsexamens für das Lehramt der Sekundarstufe II.

Nach dem Referendariat an einem Gymnasium im lippischen Blomberg arbeitete Dorau als Sachbearbeiter und Bezirksbeauftragter einer Versicherung. 1994 schließlich kam Dorau zur Schule an der Warburger Landfurt, zunächst als Lehrer. Er studierte von 1996 bis 2000 berufsbegleitend Sonderpädagogik. Ab 2008 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Schulleiters, bevor er 2017 das Leitungsamt übernahm.

Dorau zeigte sich sichtlich bewegt von den lobenden Worten. „Ich habe das immer gern gemacht“, fasste er sein Wirken an der Petrus-Damian-Schule zusammen. Dass ihm die Arbeit, vor allem in der Leitung, stets Freude gemacht habe, dazu habe nicht zuletzt die kons­truktive Zusammenarbeit mit dem Träger und der staatlichen Schulaufsicht beigetragen.

Dabei machte der Pädagoge jedoch keinen Hehl daraus, dass ihn die aktuelle Lage besonders schmerze: „Durch Corona ist noch immer alles anders. Viele Menschen, die mir am Herzen liegen, sind heute nicht hier. Wir sehen uns ein anderes Mal“, machte er Hoffnung.

Er hob besonders das hohe Maß der erlebten Kollegialität hervor und schloss – nicht ohne ironischen Unterton – mit einem Rat an die Anwesenden, aber auch an sich selbst für die Zukunft als Rentner, den er einmal von seiner Cousine mit einer Postkarte erhalten hatte: „Hab Mut, etwas Neues anzufangen. Mach Blödsinn. Mach Quatsch. Tu dir keinen Zwang an. Und: Sei du selbst.“

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