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Das WESTFALEN-BLATT öffnet Türen im Advent: Krypta auf dem Burgberg und die Erasmuskapelle haben eine bald 900-jährige Geschichte

Als Warburgs Wunder die Wallfahrer lockten

Warburg

Es geht nur 13 Stufen hinab, aber tiefer kann man in die Warburger Geschichte kaum einsteigen. Für unsere Serie im Advent hat Stadtführer Hermann Behler die Tür zum ältesten Warburger Bauwerk aufgesperrt: die Krypta auf dem Burgberg.

Jürgen Vahle

Die Krypta auf dem Burgberg ist das älteste Bauwerk der Stadt. Sie ist etwa 900 Jahre alt – und fasziniert durch die schlichte romanische Bauweise. Foto: Jürgen Vahle

Und da sich an diesem vierten Advent gleich zwei Türen öffnen sollten, hat der 62-Jährige auch den dicken Metallschüssel für die über der Krypta liegende Erasmuskapelle mit im Gepäck.

Mit der Geschichte des Warburger Burgbergs und der dortigen Kirchen kann man Bücher füllen. In aller Kürze ist wohl wichtig zu wissen, dass die Krypta aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt, also etwa 900 Jahre alt ist. Da war der Gründer der Stadt, Graf Dodiko, der sich auf dem Burgberg einst niederließ, schon lange tot. Das Gelände gehörte dem Bischofsstuhl in Paderborn.

Über der Krypta gab es zunächst eine 47 Meter lange und 27 Meter breite St.-Andreas-Kirche, in der die Besatzung der Burg betete. Doch irgendwann kümmerte sich niemand mehr um das Gotteshaus, weil der Burgberg nicht mehr bewohnt war und Alt- sowie Neustadt mittlerweile eigene Kirchen besaßen. Das Gebäude stürzte ein, und auch die darunterliegende Krypta nahm Schaden. „Die Decke war undicht, es regnete hinein“, weiß Hermann Behler. So engagierte Denkmalschützer wie heute gab es damals eben noch nicht. Bis zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) zerfiel das Gebäude weiter.

52 Warburger Wunderheilungen

Dass sich der Verfall nicht fortsetzte und Besucher noch heute in die Krypta können, grenzt an ein Wunder. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mutter eines behinderten Jungen quartierte sich der Legende nach 1676 drei Tage lang in den Ruinen ein und betete dort um die Heilung des Kindes. Und siehe da: Der Junge konnte wieder laufen. „52 solcher Wunderheilungen soll es in der Folgezeit gegeben haben“, weiß Hermann Behler. Und das sprach sich rum.

Plötzlich wurde der Burgberg zum Wallfahrtsort, vor allem auch für Katholiken aus dem heutigen Hessen, was schon damals zumeist protestantisch war. Noch heute stammen ja ein Drittel der Besucher der Oktoberwoche aus Nordhessen, und auch damals zog die Stadt und ihr „Wunder vom Burgberg“ magisch an.

„Da war richtig was los in der Stadt, vor allem eine Wochen nach Pfingsten. Ein wahrer Heiratsmarkt“, beschreibt Hermann Behler. Bischof Ferdinand von Fürstenberg ließ daraufhin eine Kapelle, die einem der 14 Nothelfer, dem heiligen Erasmus geweiht wurde, über der Krypta errichten.

Kult hielt bis 19. Jahrhundert

Der Wallfahrtskult hielt bis Anfang des 19. Jahrhunderts an. Heute gibt es in Krypta und Kapelle, die zur Altstadtgemeinde gehören, noch gelegentlich Gottesdienste und andere Feiern.

Dass dieses Fleckchen Erde auf dem Burgfriedhof schon immer ein Ort der Frömmigkeit und des Gebets war und auch heute noch ist, davon ist Hermann Behler überzeugt. Wenn er bei seinen vielen Stadtführungen Besucher an diesen Ort begleite, sei immer eine gewisse Wirkung zu spüren, den der Ort auf die Menschen habe.

„Die Leute kommen hier runter. Wer in die Krypta kommt, ist ein Stück weit entrückt von der Außenwelt“, berichtet der Stadtführer. Und dies könnte sogar schon vor dem Bau der Krypta der Fall gewesen sein. Es gibt Hinweise, dass auf dem Burgberg schon in vorchristlicher Zeit zu den Göttern gebeten wurde.

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