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Kinderkrankentage statt Notbetreuung: Eltern und Krankenkassen sind noch nicht informiert

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Höxter

Die Eltern im Kreis Höxter sind verunsichert. Haben sie nun die Möglichkeit, wie von der Bundesregierung schon am 5. Januar angekündigt, für die Betreuung ihrer Kinder, die aufgrund des erweiterten Lockdowns nicht zur Schule oder in den Kindergarten gehen können, Kinderkrankentage zu nehmen? Pro Elternteil sollen sich die auf 20, für Alleinerziehende auf 40, Tage erhöhen.

Ralf Brakemeier

Nicht in jeder Familie gibt es die Möglichkeit, die Betreuung der Kinder einfach selbst zu übernehmen. Für Berufstätige, die keinen Urlaub nehmen können, oder Alleinerziehende bleiben dann nur die Notbetreuung oder die zusätzlichen Kinderkrankentage, die die Bundesregierung zusichert. Foto: Ralf Brakemeier

Aber kommt diese Regelung wirklich und ist es überhaupt möglich, Krankentage zu beantragen, wenn das Kind gar nicht krank ist?

„Eine weitere Benachteiligung von Eltern und Kindern im Umgang mit den coronabedingten Einschränkungen im Schul- und Kitabetrieb“ sieht der FDP-Stadtverband Höxter. Die Liberalen beklagen, dass die neue Regelung nicht zum offiziellen Schulstart am Montag, sondern womöglich erst Ende des Monats, also zum eventuellen Ende des verschärften Lockdowns, in Kraft tritt. NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp (ebenfalls von der FDP) hatte Eltern in NRW in einem Schreiben gebeten, diese Kinderkrankentage zu nehmen, statt ihre Kinder in die Notfallbetreuung zu schicken.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, sieht darin einen Aufruf zum Versicherungsbetrug, da die Kinder ja nicht krank seien. Dem widerspricht das Gesundheitsministerium von Jens Spahn. Die zusätzlichen Kosten, die Bundesregierung rechnet mit Ausgaben in Höhe von 300 Millionen Euro, bezahlten nicht die gesetzlichen Krankenkassen, sondern würden aus Steuermitteln finanziert.

Wie gestern Nachmittag bekannt wurde, können Eltern von Kindern unter zwölf Jahren, rückwirkend ab dem 5. Januar, die verdoppelten Krankentage ohne ärztliches Attest bei ihrer Krankenkasse beantragen. Muss ein Kind aufgrund einer Schul- oder Kitaschließung zu Hause betreut werden, genüge eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung. Die finanzielle Unterstützung liegt dann bei 90 Prozent des letzten Nettogehalts.

Über diese Entschlüsse seien die Kassen allerdings noch nicht Informiert, wie Tobias Klingen, Landespressesprecher der Barmer aus Düsseldorf, dieser Zeitung am Abend mitteilte. Eine Regelung für privat Versicherte gibt es, entgegen ursprünglicher Ankündigungen, bisher nicht. Am heutigen Mittwoch will das Bundeskabinett das Vorhaben auf den Weg bringen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn teilte gestern mit: „Gleichzeitig die Kinder beschulen und von zu Hause aus arbeiten bringt gerade junge Familien in Pandemiezeiten häufig an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Deswegen wollen wir es diesen Eltern ermöglichen, sich unkompliziert und ohne finanzielle Verluste um ihre Kinder zu Hause zu kümmern.“

Im Kreis Höxter nutzen bisher wenige Eltern diese neue Möglichkeit. In der Kita „Regenbogen“ in Höxter sind gestern 15 der sonst 31 Kinder anwesend. „Das ist natürlich deutlich mehr als eine Notbetreuung“, sagt die kommissarische Leiterin Katharina Vieth. Ihres Wissens hat dort noch kein Elternteil Kinderkrankentage beantragt. Der Anteil an Berufstätigen und Alleinerziehenden sei hier recht hoch, deshalb müsse von Tag zu Tag flexibel reagiert werden. „Die Mitarbeiterinnen nehmen Überstunden und Urlaub oder schreiben im Homeoffice am Qualitätshandbuch“, berichtet Katharina Vieth. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 seien deutlich weniger Kinder in der Kita gewesen.

In der Kita „Pusteblume“ in Steinheim lassen zur Zeit bis zu 20 Eltern ihr Kind betreuen – damit sind im Schnitt gut ein Drittel der Kinder in der Kita. „Die Info zu den Kinderkrankentagen von Minister Stamp haben wir am Freitag an die Eltern weiter geleitet, aber noch stehen wir ja am Anfang“, sagt Leiterin Linda Freitag. In der „Pusteblume“ werden gerade verstärkt schriftliche Aufgaben wahrgenommen und auch die Jahresplanung gemacht.

Hier haben Eltern in der „Notbetreuung“ die Möglichkeit, die Kleinen flexibel zu bringen und auch das Modell mit reduzierten Stundenzahlen zu nutzen.

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