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Warburger Zusteller haben sich nach Schwierigkeiten zu Wochenbeginn auf die Schneemassen eingestellt

Auf Schneeketten geht die Post ab

Warburg (WB)

Etwa 3500 Pakete und 14.000 Briefe verlassen täglich das Verteilzentrum der Deutschen Post an der Warburger Industriestraße. Doch Anfang der Woche war dort Stillstand. Schneesturm Tristan hatte ganze Arbeit geleistet.

Jürgen Vahle

Heinz-Georg Rinteln, Warburger Teamleiter bei der Post, prüft die Schneeketten und zieht den Stecker der trotz der Kälte problemlos laufenden E-Scooter. Foto: Jürgen Vahle

Am Montagmorgen waren weder Briefe aus den Oberzentrum Kassel noch Pakete aus Staufenberg bei Gießen angeliefert worden. Die Autobahnen waren für Lastwagen gesperrt worden. Und selbst wenn die Sendungen schon in Warburg gewesen wären: Die mehr als 30 Autos der Post hätten bei 40 Zentimeter Neuschnee gar nicht ohne weiteres ausrücken können. Ausnahmezustand auch beim sonst so zuverlässigen Zustelldienst. Und die mehr als 30 Postboten in Warburg kämpfen nach wie vor mit dem Winterwetter.

Eiskalt erwischt wurden sie allerdings nur am Montag. Mittlerweile hat sich die gelbe Flotte auf die Gegebenheiten eingestellt. Zwei Drittel der Fahrzeuge sind mit Schneeketten ausgerüstet worden. Viele Boten ziehen einen so genannten Fersengleitschutz über – Spikes für die Schuhe, mit denen man aber Auto fahren darf. Wind- und wetterfest gekleidet sind die Postboten ohnehin immer, inklusive warmen Sicherheitsschuhen.

Doch am Montag haben die von Warburg aus belieferten Orte, neben der Hansestadt auch Diemelstadt, Volkmarsen, Calden oder Breuna, gar keine Post bekommen. Eine absolute Seltenheit. „Unsere Mitarbeiter waren auch am Montagmorgen alle pünktlich da. Aber es gab ja nichts zu verteilen“, berichtet Dominik Strümper, stv. Zustellstützpunktleiter in Warburg. Um aber zumindest am Dienstag wieder einsatzbereit zu sein, wurde ordentlich Schnee geschippt und vor allem die Autos für den nächsten Tag von der weißen Pracht befreit. Den Rest erledigte dann ein privater Räumdienst.

Am Montag ging nichts. Die Briefe und Pakete waren gar nicht erst angeliefert worden, ausrücken hätte die Flotte bei den Schneemassen ohnehin nicht. Foto: Deutsche Post

Die Eiseskälte der vergangenen Tage ist für die Postboten weniger ein Problem. Fehlende Abstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge in den Straßen schon eher. „Die meisten Parkbuchten sind durch Schneeberge blockiert. Da bleibt uns oft nichts anderes übrig, als auf der Straße zu halten“, berichtet Dominik Strümper. Das sorge natürlich immer wieder auch für Hupkonzerte oder böse Blicke der nachfolgenden Autofahrer. „Aber was sollen wir machen?“, fragt Strümper – und bittet um Verständnis in dieser „auch für uns angespannten Situation“.

Rund 700 Haushalte muss ein Zusteller pro Tag ablaufen. Derzeit besuchen die Mitarbeiter aber nur die Häuser, bei denen die Zuwege und die Treppen auch geräumt sind. „Sonst ist das einfach zu gefährlich“, sagt Strümper. Und die nach wie vor hohe Menge an Zustellungen auch kaum zu schaffen. 110 Pakete liefert jeder Bote täglich aus. Und da sind die Amazon-Sendungen schon gar nicht mehr dabei. Der Versandriese liefert neuerdings in Warburg selber aus.

Dennoch: Derzeit benötigt ein Zusteller für seinen Bezirk etwa ein Drittel mehr Zeit, die er oder sie natürlich auch bezahlt bekommen. Und in der Regel sei der Arbeitstag spätestens nach 9 Stunden und 15 Minuten beendet, derzeit geht es aber auch gelegentlich an die gesetzliche Höchstarbeitsdauer von 10 Stunden und 45 Minuten. „Wir haben hier halt gerade Verhältnisse wie sonst nur im Sauerland“, sagt der stv. Stützpunktleiter.

In dem von Warburg aus organisatorisch betreuten Zustellgebiet – das nicht nur den Altkreis Warburg, sondern eine riesige Fläche bis nach Willingen und kurz vor Fulda umfasst, sind insgesamt 350 Zusteller tagtäglich unterwegs. Gottlob sei in den ersten Tagen des Super-Winters fast alles glatt gegangen. Zwei Stürze habe es zwar gegeben, aber keine Verkehrsunfälle. Und daher geht auch in den kommenden Tagen die Post weiter auf Schneeketten ab.

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