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Unkonventionell und feurig: »Red Priest« begeistern im Warburger Marianum

Barock trifft Gypsy

Warburg (WB). »Red Priest« haben am Samstag ein mitreißendes Meisterkonzert im Gymnasium Marianum geboten.

Peter Ernst

Barocke und vorbarocke Meister einmal anders interpretiert: Die Gruppe »Red Priest« hat am Samstag ein mitreißendes und durchaus unkonventionelles Meisterkonzert im Warburger Gymnasium Marianum geboten. Foto: Peter Ernst

Die Aufführung von barocken und vorbarocken Meistern ist eine äußerst komplexe Wissenschaft: Aus intensivem Quellenstudium, dem Nachbau von historischen Instrumenten, der Erforschung und Umsetzung historischer Spieltechniken, ja sogar dem Studium der korrekten Verzierungen sucht man dem Geheimnis und dem Zauber der rund 400 Jahre alten Musik näher zu kommen.

Barockmusik aus der Perspektive einer Gypsy-Kapelle

Beurteilte man das Meisterkonzert von »Red Priest« am Samstag nach diesen Maßstäben, so würde das Quartett nicht gut abschneiden. Aber Piers Adams, Adam Summerhayes, Angela East und David Wright geht es offenbar nicht darum, der Wissenschaft gerecht zu werden. Sie interpretierten die Musik von Telemann, Händel und Vivaldi lieber aus der Perspektive einer Gypsy-Kapelle – und das sehr zur Freude des voll besetzten Auditoriums. Statt der feinsinnigen Akkuratesse eines höfischen Ensembles gab es feurige Verve.

Freilich waren das nicht die einzigen Konventionen, die am Samstag über den Haufen geworfen wurden: So machten Adam Summerhayes und Piers Adams zwischenzeitlich auch das Parkett zu ihrer Bühne, wechselten von Violine auf Barockgitarre und von einer auf zwei Blockflöten.

Konventionen werden über den Haufen geworfen

Cellistin Angela East gab sich nicht mit der Rolle einer Basso Continuo-Cellistin zufrieden und stimmte in das virtuose Wechselspiel mit ein, während Cembalist David Wright das musikalische Flechtwerk mit aparten Harmonien würzte.

Die halsbrecherischen und dabei höchst amüsanten Arrangements entfernen sich nicht selten sehr weit von dem Original, besonders in der »rumänischen Version« von Antonio Vivaldis berühmten Violinkonzert a-Moll, das immer wieder in exotische Balkan-Folklore abdriftet.

Ein ähnliches Stilmittel bemühte Arrangeur Adam Summerhayes in der Verschränkung der Händel-Arie »Lascia ch’io pianga« mit dem Czardas von Monti – einfach unerhört köstlich. Und immer, wenn die Darbietungen in Banalität umzuschlagen drohen, prasselt schon die nächste überraschende Wendung auf die Zuhörer ein.

Red Priest faszinierte am Samstag mit einem unkonventionellen, aber gut austariertem Bühnenprogramm und einem mitreißenden Musizierstil und erntete brausenden und lang anhaltenden Applaus.

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