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FSC-Waren sind bei Firmen gefragt – Endkunde hat wenig Interesse

»Bio«-Label der Holzprodukte

Warburg (WB). Das »Bio«-Label der Holzprodukte ist im Kommen: Die Nachfrage nach FSC-zertifizierten Holz- oder Papierprodukten und damit dem schonenden Umgang mit Wäldern steigt. Viele Waldbauern scheuen die Zertifizierung jedoch. Am Hammerhof in Scherfede haben Fachleute nun über das Thema diskutiert.

Daniel Lüns

FSC-zertifiziertes Holz aus heimischen Wäldern – diesem Thema haben sich Fachleute am Hammerhof gewidmet (von links): Elmar Seizinger (FSC Deutschland), Roland Schockemöhle (Regionalforstamt Hochstift), Martin Loebs (Sonae Arauco Deutschland), Rudolf Hansknecht (Wald und Holz NRW), Ulrich Greive und Alexander Gege (Otto Group) und Ralf Dobinsky (Josef Schulte GmbH). Foto: Daniel Lüns

Zu diesem Treffen hatte im Rahmen eines Waldinformationstages das Regionalforstamt Hochstift eingeladen. Es ist zuständig für die Kreise Höxter und Paderborn und damit für etwa 80 000 Hektar Waldfläche. 45 000 Hektar dieser Fläche werden vom Regionalforstamt bewirtschaftet. Etwa 60 Prozent dieser Gebiete sind nach den Richtlinien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Die Bestände, die zum Staatswald gehören, sind es zu 100 Prozent.

Höhere Preise nur bei kleinen Mengen

Durch das Label ist zum Beispiel nachweisbar, dass die Bestände nicht mit Pestiziden behandelt werden. »Viele Waldbauern sehen aber den Mehrwert der Zertifizierung nicht«, erklärte Roland Schockemöhle, Leiter des Forstamtes. Pro Festmeter Holz könnten zwar etwa 40 Cent bis einen Euro mehr verdient werden, »noch sind wir aber nicht in der Lage, für FSC-zertifiziertes Holz auch großflächig höhere Preise zu erzielen«, sagt Schockemöhle. Die höheren Preise ließen sich bisher nämlich bei eher kleineren Mengen erzielen.

Dabei ist das Interesse an FSC-zertifiziertem Holz durchaus vorhanden. Das bekräftigte etwa Alexander Gege, der bei der Otto-Gruppe für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist. Die Otto-Gruppe sei der größte Online-Möbelhändler Deutschlands. Aktuell bestünden 46 Prozent der verkauften Möbel aus FSC-zertifiziertem Material, erklärte Gege. Bis 2020 solle die Quote bei 100 Prozent liegen. Bei dem Papier für Kataloge solle der Wert bis 2020 von 34 auf 50 Prozent ansteigen.

Firmen sehen ökologische Verantwortung

Auf diese Weise wolle die Unternehmensgruppe ihrer ökologischen Verantwortung gerecht werden. »Unser Ziel ist es, die ökologische Schadwirkung unter wirtschaftlichen Aspekten zu verringern. Und FSC ist für uns dabei der beste Standard bei vertretbaren Mehrkosten«, sagte Alexander Gege. Kein großes Thema sei das Zertifikat jedoch bisher für den Endkunden. »Die Kollegen von otto.de etwa merken, dass die Nachfrage nach FSC-Produkten da ist. Aber sie ist noch überschaubar. FSC an sich ist noch kein Kaufkriterium.« Dies sei bisher vor allem der Preis.

Das Unternehmen Sonae Arauco Deutschland mit Sitz in Nettgau (Sachsen-Anhalt) verkauft Holz-Rohplatten. »Die Platten für das Billy-Regal von Ikea zum Beispiel kommen aus unseren Fabriken«, erklärte Martin Loebs, Leiter des Holzeinkaufs. Sonae Arauco Deutschland könne bestätigen, dass Firmen FSC-Produkte immer stärker nachfragen. Aktuell trügen etwa 20 Prozent der Ware das Siegel. Die Sägewerke arbeiteten mit Holz im Radius von »nur« etwa 100 Kilometern – da sei es nicht immer einfach, auch an das Ausgangsmaterial zu kommen.

Auch Ralf Dobinsky von der Josef Schulte GmbH aus Delbrück konnte Erfahrungen zum Thema FSC-Ware beisteuern. Das Unternehmen stellt aus Wellpappe Verpackungen her. »Damit sind wir in der Branche einer der wenigen«, sagte Dobinsky. Die Firma habe das Thema bei seinen größten Kunden ins Gespräch gebracht – und nach positiver Rückmeldung umgesetzt. Von den Label-Produkten sei jedoch nicht jeder Kunde angetan. Das liege vor allem am Mehrpreis von bis zu 20 Prozent.

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