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Warburger Förster bitten private Holzbewerber um Hilfe

Buche gibt es nur mit Fichte

Warburg (WB). Die Folgen von Sturm, Trockenheit und Borkenkäferbefall kommen jetzt auch bei denjenigen an, die sich jedes Jahr ihr Brennholz selbst aus dem Wald besorgen. Die Stadt Warburg will aus den Revieren nur noch Buchenholz abgeben, wenn die Kunden in gleicher Menge Fichtenholz mitkaufen.

Jürgen Vahle

Die Buche ist für private Holzbewerber im Warburger Land das dominierende Holz. Wer es aus dem städtischen Forst beziehen will, muss in gleicher Menge Fichtenholz mit abnehmen. Beim Landesbetrieb Wald und Holz gibt es diese Regelung noch nicht. Foto: Jürgen Vahle

Forstamtmann Jürgen Engemann, bei der Stadt Warburg zuständig für die Reviere Jägerpfad sowie Assler Wald/Leuchte, ist auch nicht so recht glücklich mit der Entscheidung. »Wir haben lange überlegt, was wir machen. Aber wir haben keine Wahl und hoffen, dass die Warburger mithelfen, ihren Kommunalwald zu retten«, berichtet er.

Zustand des Stadtwaldes ist an vielen Stellen desolat

Hintergrund: Der Zustand des Warburger Stadtwaldes ist an vielen Stellen desolat. Die beiden ­Orkantiefs »Friederike« (Mitte Januar 2018) und »Eberhard« (Mitte März 2019), die anhaltende Trockenheit im zweiten Jahr und ein dauerhafter Befall von Borkenkäfern haben dafür gesorgt, dass es kaum noch gesunde Fichtenbestände gibt. Hunderte Festmeter, überwiegend Nadelholz, liegen am Grund – und müssten jetzt irgendwie vermarktet werden. Im Warburger Stadtwald handelt es sich um die dreifache Jahresmenge, im Willebadessener Stadtwald um etwa den zweifachen Jahreseinschlag.

Ein Großteil des Holzes geht nach Asien, aber die vielen Privatleute, die ihr Brennholz aus dem Stadtwald beziehen, könnten mithelfen, das Holz sinnvoll zu verwerten, berichtet Jürgen Engemann. Und das Holz sei zum Brennen bestens geeignet, versichert der Fachmann – auch wenn die Kunden im Warburger Land eigentlich nur Buche gewöhnt seien. »In Bayern wird fast ausschließlich mit Nadelholz geheizt!« Er empfiehlt eine Mischung aus Buche und Fichte zu verbrennen. Fichtenholz brennt heißer, hält jedoch nicht so lange im Ofen an – ist aber auch deutlich günstiger. Der Raummeter Buchenholz aus dem Stadtwald Warburg und aus dem mitbetreuten Willebadessener Wald kostet 45 Euro (inklusive Mehrwertsteuer), der Raummeter Fichte nur ein Drittel (15 Euro).

Nadelholz brennt einwandfrei

Beim Landesbetrieb Wald und Holz, der den Einschlag aus dem Staatswald und, noch bis Ende des Jahres, aus vielen privaten Wäldern vermarktet, gibt es keine festes Kontingent von Fichtenholz, dass abgenommen werden muss, wenn Buche bestellt wird. Allerdings, so berichtet der für die Privatwälder zuständige Florian Bitter, hätten sich bereits im vergangenen Jahr in den an den Weg gerückten Holzhaufen für die Kunden (Polter) auch Fichtenstämme in geringerer Menge befunden. Auch Bitter ist sicher: »Nadelholz brennt einwandfrei. Dass der Ofen kaputt geht, ist ein Ammenmärchen.« Dass in der Region nur Buche in den Ofen gesteckt würde, sei reine Gewohnheit.

Jürgen Engemann will übrigens nicht ausschließen, dass das Warburger Modell einige Jahre so aufrecht erhalten werden muss. »Es ist unglaublich, wie viel Nadelholz im Wald liegt.«

Über die Zukunft des Waldes ist in den vergangenen zwei Tagen auch am Hammerhof diskutiert worden.

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