Winter hat das Warburger Land fest im Griff – Räum- und Streudienste an der Kapazitätsgrenze

Bürgermeister fährt mit Trecker vor, Militärauto muss reaktiviert werden

Warburg/Willebade...

Schnee soweit das Auge reicht. Der Wintereinbruch hat den Menschen im Warburger Land auch am Montag das Leben schwer gemacht. Viele kamen zu spät oder gar nicht zu Arbeit. Stundenlange Schneefälle sorgten nahezu überall für Probleme.

Silvia Schonheim

Michael und Matthias Dübbert waren mit ihrem MAN an der Warburger Feuerwache in Bereitschaft für die schweren Fälle. Ausrücken mussten sie nicht. Foto: Jürgen Vahle

Michael Dübbert und sein Sohn Matthias hätten wohl nicht geglaubt, dass ihr „MAN KAT 1“ so schnell so gefragt ist. Die beiden Ossendorfer Feuerwehrleute haben sich das alte Militärfahrzeug vor einigen Monaten als Hobby zugelegt. Am Montag wurde es zur Lebensversicherung für Feuerwehr und Rettungsdienst.

Der 5-Tonner hat einen permanenten Allradantrieb und Abschleppstangen für militärische und zivile Fahrzeuge. Seit Sonntag standen der MAN und seine beiden Besitzer auf Bitten von Warburgs Feuerwehrchef Jürgen Rabbe bereit, um liegengebliebene Lastwagen freizuschleppen oder Rettungsdienst und Notarzt zu unterstützen, denn der MAN kommt garantiert überall durch. Bis zum Abend blieb es gottlob beim Bereitschaftsdienst.

Um trotz des Schnees im Notfall einsatzbereit sein zu können, hatten die Feuerwehrleute im Stadtgebiet Warburg mithilfe einiger Landwirte am Morgen zunächst die Zufahrten zu den Gerätehäusern freigeräumt. „Aufgrund der starken Schneefälle ist der Winterdienst überfordert“, sagt Feuerwehr-Chef Jürgen Rabbe. Bereits am Morgen mussten die Kameraden des Löschzugs West zu einem Hilfseinsatz fahren. „Der Rettungsdienst brauchte Unterstützung, der RTW konnte nicht auf den Zionsberg gelangen.“

Von 8.30 bis 15 Uhr war in Warburg eine „örtliche Einsatzleitung“ eingesetzt worden, wie Jürgen Rabbe erklärte. „Drei Leute der Feuerwehr und ein Fachberater des THW haben sich zusammengesetzt, um auf Einsätze vorbereitet sein zu können“, so der Leiter der Feuerwehr Warburg.

In Warburg und beim Löschzug West seien je sechs Feuerwehrleute in Einsatzbereitschaft versetzt worden, in Warburg zudem vier THWler – und natürlich Michael und Matthias Dübbert und ihr MAN.

Die großen Schneemengen in kurzer Zeit bereiteten auch der Straßenmeisterei in Peckelsheim (Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift) am Morgen immer stärkere Probleme. „Wir wissen nicht, wohin damit“, erklärte Martin Kleinschmidt, stellvertretender Betriebsdienstleiter. Sämtliche Straßen waren mit Schnee und Eis bedeckt, „und das, obwohl wir seit 24 Stunden im Dienst sind – mit zehn Fahrzeugen. Wir arbeiten in zwei Schichten, von 3.15 bis 15 Uhr und von 15 bis 3.15 Uhr.“

Die Schneeverwehungen würden die meisten Probleme bereiten – etwa zwischen Natzungen und Borgentreich oder in Dringenberg und Fölsen. „Wir haben einen festen Rundfahrplan. Wenn wir nach einer Fahrt dort wieder hinkommen, sieht es so aus, als wären wir nie dagewesen“, erklärt Kleinschmidt. An einigen Stellen liege der Schnee durch die Verwehungen einen Meter und höher. Das Team der Straßenmeisterei Peckelsheim ist für 320 Kilometer Straßen zuständig.

Auch in Borgentreich hatten die Räum- und Streudienste alle Hände voll zu tun. Foto: Sylvia Rasche

Jürgen Thonemann, Leiter des Warburger Bauhofs, nimmt die Schneemengen mit einer gewohnt großen Portion Humor. „Hoffnungsvoll, aber nicht ernst“, so beschreibt er die Lage im Stadtgebiet. „Bei den Schneemengen können wir gar nicht hinterher kommen“, sagt er. Er bittet die Warburger um Geduld: „Wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Der Bauhofleiter appelliert: „Bleiben Sie zuhause und versuchen Sie, das Wetter zu genießen.“

22 Mitarbeiter seien im Dienst, zusätzlich seien zwei Privatunternehmen für den Winterdienst beauftragt worden. Trotz dieser Einsatzstärke häuften sich am Montagmorgen die Beschwerdeanrufe. Jürgen Thonemann: „Der eine muss zur Arbeit und kommt nicht weg, der andere hat ebenfalls einen wichtigen Termin. Sogar einige Firmen haben angerufen und gebeten, dass wir den Parkplatz räumen. Aber das funktioniert natürlich nicht.“ Die Räumfahrzeuge hätten ihre festen Touren. Die Bürger hätten manchmal den Eindruck, der Bauhof wäre gar nicht dagewesen. „Das stimmt aber nicht. Es sieht nur nach 20 Minuten wieder so aus wie vorher.“

Entspannt war die Situation am Helios-Klinikum in Warburg. Dort mussten aufgrund des Wetters keine Operationen abgesagt werden – wie das übrigens in anderen Kliniken der Fall war. Der Reinigungsdienst sei allerdings witterungsbedingt am Montagmorgen nicht gekommen, berichtet Geschäftsführer Tobias Hindermann.

Ein Personalausfall traf viele Firmen – wie Brauns-Heitmann. Etwa zehn Prozent der Beschäftigten – zumeist aus Nordhessen oder dem Sauerland – seien zuhause geblieben, berichtet Andreas Schafmeister. „Erstaunlich viele Mitarbeiter haben den Weg zur Arbeit geschafft“, sagt der Werkleiter (Abteilung Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel). Ein Kollege sei am Montag mit dem Trecker zur Arbeit gekommen. Er konnte dann auch gleich denen helfen, die sich mit ihrem Wagen festgefahren hatten.

Bürgermeister Norbert Hofnagel (links) hat für den Weg zur Arbeit den Trecker genommen. Foto: Stadt Willebadessen

Trecker ist ein gutes Stichwort: Vor allem im Willebadessener und Borgentreicher Stadtgebiet haben Landwirte mit ihren Traktoren kräftig mitgeholfen, Schnee von den Straßen zu schaufeln. „Da muss man einfach mal Danke sagen!“, macht Willebadessens Bürgermeister Norbert Hofnagel deutlich.

Hofnagel selbst ist am Montagmorgen erst gar nicht in sein Auto eingestiegen: „Ich bin mit dem Trecker von Löwen zum Rathaus gefahren und habe ihn schön auf dem Bürgermeister-Parkplatz abgestellt“, sagt Hofnagel. Er sieht die Schneelage mit Humor: „Endlich gibt es mal ein anderes Gesprächsthema als Corona.“

Zur Mittagspause hatte Hofnagels Sohn Schlitten zum Rathaus gebracht. Mit Trecker und Schlitten im Schlepptau, zog der Bürgermeister einige Verwaltungsmitarbeiter ein paar Runden durch den Schnee. „Ein bisschen Spaß muss sein“, meint der Rathaus-Chef.

Weniger lustig war der Weg von Willebadessen aus zur Arbeit über die Egge. Die L 763 und die K 26 mussten aufgrund umgestürzter Bäume gesperrt werden. Obwohl das Team des Bauhofs in Peckelsheim am Montag mit neun Fahrzeugen im Einsatz war, um der Schneemassen Herr zu werden, konnten auch im Stadtgebiet Willebadessen nicht alle Straßen freigehalten werden. Besonders in den Bergdörfern, wo viel Schnee liegt, sei das schwierig, sagt Norbert Hofnagel.

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