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Schüler und Dozenten der VHS sehnen sich nach Präsenzveranstaltungen

Das Digitale und seine Grenzen

Warburg

Die Coronazahlen fallen – aber von Normalität kann noch lange nicht die Rede sein. Auch nicht beim VHS-Zweckverband Diemel-Egge-Weser. Allerdings hat das Team um Dr. Andreas Knoblauch-Flach einen Plan, wie das gerade begonnene Semester doch noch einen guten Verlauf nehmen kann. Um ihn umzusetzen, ist von allen viel Flexibilität erforderlich.

Jürgen Vahle

Dr. Andreas Knoblauch-Flach setzt notgedrungen auf Online-Kurse, hofft aber auf erste Präsenzveranstaltungen im März. Foto: Jürgen Vahle

Eines ist für den VHS-Leiter in den vergangenen Wochen sehr deutlich geworden: Längst nicht alle Lernangebote sind digital sinnvoll und machbar. Für Dr. Andreas Knoblauch-Flach sind die so genannten Webinare eher eine Möglichkeit, um „überhaupt präsent zu sein“, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung berichtet. „In der VHS zeigt sich wie beim Lernen auf Distanz in der Schule: Online hat nur eine Überbrückungsfunktion“, berichtet der VHS-Leiter. Formen des sozialen Lernens, die ja bei allen Kursen eine gewissen Rolle spielten, fielen bei Online-Kursen weitgehend weg.

Dennoch führt an den digitalen Angeboten derzeit kein Weg vorbei. Und deshalb haben sich Dr. Andreas Knoblauch-Flach und Ulrich Wille (VHS Beverungen) auf die Suche nach einem geeigneten Internet-Tool gemacht, mit dem Video-Seminare relativ problemlos möglich sind. Und sie sind fündig geworden. Die VHS nutzt jetzt das Open-Source-Programm „fairteaching“, das die VHS zwar etwas Geld kostet, aber für die Schüler problemlos nutzbar sei. „Man muss kein Programm auf den eigenen Computer laden, es ist web-basiert und funktioniert auf allen Endgeräten“, berichtet Ulrich Wille. Auch der Datenschutz sei gewährleistet.

In den vergangenen Wochen vor dem Semesterstart sind zahlreiche Dozenten geschult worden, damit sie das Programm anwenden können und wissen, wo die Probleme beim Online-Lernen sind. „Ein ordentlicher Mehraufwand für insgesamt 26 Online-Kurse“, berichtet Dr. Knoblauch-Flach. Mittlerweile gibt es dafür aber eine erstaunlich große Bandbreite an Angeboten, und „es läuft stabil“, wie Ulrich Wille betont.

Neben klassischen Kursen zu Fremdsprachen und Computerwissen kommen mittlerweile auch Sportangebote hinzu, die man zunächst gar nicht für möglich gehalten hätte: Tabatha, Yoga oder zuletzt ein Feldenkrais-Seminar. „Die Dozenten bitten die Schüler, ihre Kameras so einzustellen, dass sie die Übungen verfolgen und korrigieren können. Das klappt ganz gut“, berichtet Dr. Andreas Knoblauch-Flach.

Manche Angebote könnte die VHS auch gar nicht machen, wenn es nicht die Online-Möglichkeiten gebe. Beispielsweise die Reihe „wissen live“, bei der sich mehrere Volkshochschulen zusammenschließen und namhafte Dozenten buchen, die ihre Vorträge dann in einem Videoraum halten und anschließend – wie in einem Fachvortrag vor Publikum – auch befragt werden können.

Doch für die Dozenten und die VHS-Leitung steht fest: Nichts geht über Präsenzkurse. Und deshalb sollen die auch so schnell wie möglich wieder angeboten werden. Alle Hoffnungen ruhen darauf, dass das ab 1. März wieder möglich ist. Sicherheits- und Hygienekonzepte gibt es noch aus dem Vorjahr.

Auch eine Art offiziellen Semesterstart soll es geben. Das so genannte VHS-Forum ist für den 21. März in der Schützenhalle Peckelsheim vorgesehen. Als Dozent konnte der bekannte Philosoph Wilhelm Schmidt verpflichtet werden. Der Autor mehrere Bücher über Gelassenheit und Lebenskunst wird sein neues Werk präsentieren, in dem er sich mit dem Begriff Heimat auseinandergesetzt hat.

Auch wenn sich alle nach Präsenzkursen sehnen: Nach Corona wird einiges digital bleiben. Davon sind Dr. Andreas Knoblauch-Flach und Ulrich Wille überzeugt. Bestimmte Kurse und Lerninhalte (wie sehr spezielles Computer oder Wirtschaftswissen) sei auf diese Weise sehr gut in die Fläche zu kriegen. „Online-Lernen ist hier für den ländlichen Raum eine gute Möglichkeit, um nicht abgehängt zu werden“, macht Dr. Andreas Knoblauch Flach deutlich. Doch für die meisten der etwa 5500 Schüler pro Semester steht fest: Auge in Auge lernt es sich doch am besten.

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