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Lehrer Rüdiger Koch  läuft 733 Kilometer und sammelt 16.550 Euro 

Daseburger wandert und wettet in Chile

Warburg/Dortmund.

Welch ein Finale:  Mit Irokesen-Schnitt, gekleidet in ein Hasenkostüm spielt Rüdiger Koch auf einer Spielzeug-Panflöte ein 20-minütiges „Konzert“ auf dem Plaza de Armas in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. Der gebürtige Daseburger hatte zu diesem Zeitpunkt doppelten Grund zur Freude. Als er sich Ende März auf eine Wanderung durch Chile begeben hatte, wollte er 500 Kilometer schaffen und dabei 6000 Dollar (5800 Euro) für die Organisation Techo-Centroamérica in Guatemala sammeln.

Von Astrid E. Hoffmann

Rüdiger Koch löst auf dem Plaza de Armas in Santiago de Chile eine der letzten Wetten seiner Wanderung ein. Mit Irokesen-Frisur und im Hasenkostüm spielt er auf einer Panflöte ein „Konzert“. Dabei musste er sich seinen Standplatz erst einmal gegen die anderen Straßenkünstler erkämpfen. Foto: Rüdiger Koch

Es sind schließlich 733 Kilometer geworden, und er hat die beachtliche Summe von 17.292 Dollar (16.550 Euro) durch die Einlösung der skurrilsten Wetten generiert. Für das Panflöten-Konzert gab es satte 500 Euro.

Die Wette, ein Warburger Pils aufzutreiben, war ihm schließlich mit einigen Helfern und gekonnten Schachzügen geglückt. „Letztlich saß ich in einer Kneipe in Santiago de Chile und habe ein Warburger Pils bestellt und bekommen, es war wahnsinnig viel Aufwand, aber es ging um 100 Euro. Und Aufgaben wie diese waren es, die meine Wanderung für mich so interessant gemacht haben“, sagt der Dortmunder Lehrer.

In einer Kneipe in Santiago bestellte und bekam Rüdiger Koch ein Warburger Pils – Wette gewonnen. Foto: Rüdiger Koch

162 Menschen hatten Geld für gelaufene Kilometer oder auch Pauschalbeträge gespendet. 63 Wetten wurden dem Gymnasiallehrer zu unterschiedlichen Summen angeboten. Er hat alle angenommen und nur vier nicht einlösen können. So fuhr er kurz vor seiner Zielankunft in Santiago noch einmal mit dem Bus nach Coñaripe. Dort war er ganz am Anfang der Tour gewesen.

63 Wetten zu unterschiedlichen Summen

Ein Hund war dort für einige Tage sein Begleiter gewesen. Diesen sollte er nun wiederfinden, lautete die Wette. Er suchte zweieinhalb Tage nach „Paulito“, lief dabei noch einmal 80 Kilometer und fand ihn, aber leider nicht mehr lebend. Auch die erste Wette um den Hund, ihm „sitz“ beizubringen, war gescheitert.

Mit Helfern von Techo Centroaméricader hat Rüdiger Koch eine Bibliothek in der Comunidad Concepción in Palecia  gebaut. Foto: Rüdiger Koch

Derzeit ist Rüdiger Koch in Guatemala Stadt und hilft bei dem Techo-Projekt mit. Das von ihm generierte Geld wird für den Bau von drei Häusern mit Regenwassertanks und Filtersystem sowie einer Bibliothek verwand.

Die Häuser sind so stabil, dass sie starkem Wind standhalten, und sie sind vor Überschwemmungen sicher. Die Familien, die dort einziehen werden, wohnen derzeit in Wellblechhütten auf dem blanken Erdboden. Sieben Personen auf fünf Quadratmeter sind normal.

Sieben Personen auf fünf Quadratmetern

Die drei Häuser sind Teil des Projektes in der Comunidad El Durazno, Amatitlán in Guatemala. Insgesamt entstehen dort 35 Häuser, auch durch Spenden großer Firmen. Die Bibliothek wird in der Comunidad Concepción in Palecia als Erweiterung zu einer Schule gebaut.

„Das Ziel ist, nachhaltig zu erreichen, dass mehr Kinder Zugang zu Bildung bekommen und die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Neunzig Prozent der Kinder aus den ersten Schuljahren verlassen die Schule, weil sie zumeist in der Landwirtschaft, mitarbeiten müssen“, berichtet der 37-Jährige.

Das komplette Baumaterial wird an einem Wochenende angeliefert und am nächsten, wenn genug Helfer vor Ort sind, verbaut. Bei der Bibliothek kommen dann noch drei Tage für Malerarbeiten hinzu. Wichtig ist, dass die Familien, von Anfang eingebunden sind.

Helfer und Familien arbeiten, kochen und essen gemeinsam. Reibungslos geht das alles auch nicht von statten, da wird schon mal der LKW mit dem Material in Guatemala Stadt von der Polizei aufgehalten, weil er zu schwer sein soll.

„Doch so schnell die Ordnungshüter kamen, so schnell sind sie dann auch verschwunden“, berichtet Koch. Auch die Bürokratie sorgt für Verzögerungen, weil Formulare fehlen oder Vorgänge nicht weitergeleitet wurden. Dennoch bleiben die Menschen gelassen.

Rüdiger Koch vor der Bibliothek, die als Erweiterung zu einer Schule gebaut wurde. Die Malerarbeiten an dem neuen Gebäude haben drei Tage gedauert. Foto: Rüdiger Koch

„Man kann nicht alles perfekt machen. Man braucht guten Willen, dann wird es schon irgendwie gut“, zitiert er einen Dorfbewohner. „Es ist schon schön zu sehen, dass mit dem Geld, welches ich erwandert und erwettet habe, etwas Gutes entsteht und Menschen geholfen werden kann, die diese Hilfe wirklich brauchen.

Trotzdem ist alles sehr ambivalent, wenn theoretische Ahnung auf konkrete Realität trifft. Man weiß gar nicht, mit welchem Problem man anfangen soll, weil es einfach so viele gibt“, sagt Rüdiger Koch.

Sicher ist, wenn er nach den Sommerferien wieder in der Schule in Dortmund ist, wird „Armut in Lateinamerika“, dies gehört zum Lehrplan, von ihm mit viel mehr persönlicher Erfahrung in der Schulstunde behandelt. Außerdem will Rüdiger Koch die Arbeit von Techo Centroamérica weiterhin in irgendeiner Form unterstützen.

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