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Das WESTFALEN-BLATT öffnet Türen im Advent: Mario Schömitz muss in Willebadessen hoch hinaus

Der Turm der Technik

Willebadessen

Der 132 Meter hohe Fernmeldeturm im Eggegebirge westlich von Willebadessen ist ein beachtliches Bauwerk, das selbst aus der Ferne gut zu erkennen ist. Aus der Nähe wirkt der Stahlbetonturm noch imposanter.

Alice Koch

In schwindelerregender Höhe arbeitet IT-Systemelektroniker Mario Schömitz auf dem 132 Meter hohen Funkturm in Willebadessen. Foto: Alice Koch

Was sich aber hinter der dicken Stahltür mit der Aufschrift: „Betreten der Gefahrenbereiche nicht ohne Schutzmaßnahmen“ verbirgt, wissen nur wenige.

Einer, der es weiß, ist Mario Schömitz, der uns in diesem Teil der Serie „Wir öffnen Türen im Advent“ Einblicke in den Turm gewährt.

Er ist IT-Systemelektroniker der Firma ams – Radio und Media Solutions und für die Wartung und Kontrolle der Antennen und Satellitenschüsseln auf dem Sendeturm zuständig, die extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt sind.

Während vielen Menschen schon auf einem Zehn-Meter-Sprungturm im Schwimmbad schwindelig wird, ist er erst bei Höhen, die das Zehnfache messen, so richtig in seinem Element.

Doch bevor der Aufstieg beginnt, muss noch das Equipment gecheckt werden. „Die Sicherheit hat oberste Priorität“, betont Mario Schömitz, während er seine Ausrüstung anlegt.

Dazu zählt neben Fallschutzgurten, Sicherheitshelm mit Schutzvisier, Spezialschuhen, Handschuhen und Funkausrüstung auch ein Overall, der gegen Wind und Kälte schützt. Denn gerade in dieser Jahreszeit herrschen in luftiger Höhe extrem kühle Temperaturen und mitunter eisige Böen.

Ein weiterer wichtiger Ausrüstungsgegenstand ist das hochsensible Strahlenmessgerät, das einen Warnton abgibt, sobald es gefährlich wird und die Techniker der elektromagnetischen Strahlung, die von den Rundfunkantennen und Satellitenschüsseln ausgeht, zu nahe kommen.

Dann ist Vorsicht geboten, denn im schlimmsten Fall kann zu starke elektromagnetische Strahlung aus nächster Nähe beispielsweise zu Krebserkrankungen oder dauerhaftem Erblinden führen. Diese Gefahr ist auch in Willebadessen gegeben, denn dort wird die Frequenz von Radio Hochstift in einer Stärke von 4000 Watt gesendet.

Werden Wartungsarbeiten am Turm durchgeführt, wird der Sender sicherheitshalber abgestellt.

Nachdem die Ausrüstung, die insgesamt etwa 20 Kilogramm wiegt, korrekt angelegt ist, kann der Aufstieg beginnen. Die ersten drei Stockwerke bis auf 55 Meter Höhe können noch bequem mit dem Fahrstuhl zurückgelegt werden.

Der Blick in den riesigen kreisrunden Raum im ersten Stock ist verwirrend: Hier trifft modernste Technik auf nostalgisch anmutende Bakelit-Telefone mit Wählscheibe, die vermutlich bei der Errichtung des Turms im Jahr 1989 installiert wurden. Daneben stehen etliche Serverschränke und Technik-Racks.

Überall blinken zahllose Lämpchen, und man möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn man versehentlich eines der unzähligen Kabel herauszieht.

Weiter hoch in den Turm geht es über eine 20 Meter hohe steile Stahltreppe, bevor der Aufstieg richtig beschwerlich wird, denn der Weg in die Spitze im Inneren des engen Turmes führt über eine Stahlleiter – 60 Meter senkrecht gen Himmel.

Damit die Sicherheit gewährleistet ist, sind die Leitern in der Mitte mit einer Sicherungsschiene, in die der so genannte Läufer eingerastet wird, ausgestattet.

„Falls man versehentlich den Halt verliert, sperrt der Läufer sofort und verhindert einen Absturz“, erklärt Mario Schömitz. Oben angekommen entschädigt ein atemberaubender Blick über das Eggegebirge und die Börde für die Strapazen des Aufstiegs. Ein etwa fünf Meter breiter Ring aus Stahlgittern, der einmal rund um den Turm führt, ermöglicht eine grandiose Rundumsicht.

Der Turm in Willebadessen gehört zu den höchsten, die Mario Schömitz besteigen und warten muss.

Das Arbeiten mit festem Stand auf einem der insgesamt acht Ringe des Fernmeldeturmes erscheint dabei noch annähernd komfortabel.

Für einige Wartungsarbeiten muss aber die schmale Leiter an der Außenseite des Gebäudes bestiegen werden. „Das ist dann schon ein mulmiges Gefühl, weil ich beide Hände zum Arbeiten brauche und in 130 Metern Höhe frei in meinem Klettergeschirr hänge“, verrät der 47-jährige Vater von zwei Söhnen.

Erschwert werden die Arbeiten oft durch extreme Windgeschwindigkeiten und das leichte Schwanken des Turmes, das in dieser Höhe deutlich zu spüren ist. „Unter diesen Bedingungen zu arbeiten, ist nichts für schwache Nerven und Menschen, die nicht schwindelfrei sind“, fügt er lachend hinzu. Auch wenn er viel Routine mitbringt, klettere die Angst immer mit, verrät er. „Aber für mich ist es eine persönliche Herausforderung, diese Angst zu überwinden, und belohnt werde ich mit einer unbeschreiblichen Aussicht an Plätzen, wo sonst niemand hinkommt.“

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