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Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“: das Dauermilchwerk Rimbeck und der Markenname Blanka

Die Kondensmilch macht‘s

Warburg

Von der Geschichte des Dauermilchwerks Warburg-Rimbeck, in dem unter dem Markennamen Blanka unter anderem Kondensmilch hergestellt wurde, handelt diese Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

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Verpacken von Blanka-Dosen im Dauermilchwerk Warburg-Rimbeck im August 1951. Foto: Stadtarchiv/Erich Kesting

Gerade in Betrieb gegangen war das Dauermilchwerk in Rimbeck, als diese Aufnahme in der Verpackungsabteilung entstand. In Faltkartons wurden die kleinen Dosen mit Blanka-Kondensmilch auf die Reise geschickt. Auf den Auslöser gedrückt hatte Erich Kesting, der Fotograf aus der Warburger Altstadt.

Betrieben wurde das Werk durch die Dauermilchwerke Rimbeck GmbH. Dieser Gesellschaft gehörten als Mitglieder die Molkereigenossenschaften Warburg, Lütgeneder, Borgentreich, Westheim, Canstein, die Privatmolkerei Nutt (Gehrden), die Ein- und Verkaufsgenossenschaft Westfälischer Molkereien eGmbH und die Rheinisch-Westfälische Dauermilchgenossenschaft (Essen) an. Aufsichtsratsvorsitzender war der Kreislandwirt Jacobi (Körbecke), ehrenamtlicher Geschäftsführer war Dr. Gerd Ritgen (Wormeln) und hauptamtlicher Geschäftsführer Dr. Werner Becker (Rimbeck).

Die beteiligten Molkereien lieferten die Rohmilch gekühlt in Aluminiumtanks an, die 2000 Liter fassten. Im Milchwerk wurde die Milch dann gereinigt und eingedickt, homogenisiert und in Dosen abgefüllt. Die Dosen durchliefen ein Prüfbad, um die Dichtigkeit des Verschlusses zu gewährleisten. Im Prüflager wurden sie vierzehn Tage bei einer Temperatur von etwa 26 Grad gelagert. Das Etikettieren verlief ebenfalls automatisch.

Blanka ist das erste Produkt

Das erste Produkt dieses Milchwerkes war die Kondensmilch Blanka, eine ungezuckerte, homogenisierte und sterilisierte Vollmilch mit mindestens 7,5 Prozent Fett. Erhältlich war sie in Dosen zu 170 und 450 Gramm. In einer Werbeanzeige von 1952 heißt es: „Wegen ihres reinen Geschmacks, ihrer sahnigen Beschaffenheit und ihrer angenehmen Farbe, vor allem aber auch wegen ihrer hohen Weißkraft im Kaffee, wird Blanka-Milch von den Verbrauchern, die sie einmal verwendet haben, immer wieder verlangt.“

Im Laufe der Geschichte des Dauermilchwerkes änderten sich die Eigentümerverhältnisse, der Lieferantenkreis und die Produktionspalette mehrfach. Um einige Beispiele zu bringen: 1952 war dem Werk bereits eine Trocknungsanlage zur Herstellung von Milchpulver aller Art angegliedert worden. Mitte der 60er-Jahre wurde Milch aus rund 40 ostwestfälischen und nordhessischen Molkereien verarbeitet. Beschäftigt wurden etwa 80 Arbeitskräfte.

Zu diesem Zeitpunkt wurde neben Blanka noch eine weitere Kondensmilch mit dem Markennamen „Westmilch“ hergestellt, insgesamt rund 500.000 Dosen. Weitere Produkte waren Kakao-Milch in Dosen, Vollmilch- und Magermilchpulver, Produkte für die Kälberaufzucht und für die Kälbermast („Satro“). Die Produktion von Dosenmilch erwies sich schließlich als „unrentabel“, wie die Ortschronik von Rimbeck berichtet. Deshalb wurde der Schwerpunkt ab 1966 auf Trockenmilch gelegt und 1968 eine größere Butterei erbaut.

Jahresumsatz von 144,2 Millionen DM

1971 war das Hauptprodukt die Butter „Delcado“, aber auch Speisequark, Buttermilch und Buttermilchmix wurden hergestellt. In diesem Jahr gingen aus der Rimbecker Produktion 2000 Tonnen Milchpulver nach Pakistan. 1984 hatte das Werk einen Jahresumsatz von 144,2 Millionen DM zu verzeichnen. Erzielt wurde er mit der Produktion von Sauerrahmbutter, Buttermilch, Fruchtbuttermilch, Voll- und Magermilchpulver und der Rückgabe von Magermilch an die Lieferanten.

1990 wurde aus der Fusion der Milchwerke Paderborn-Rimbeck und Münsterland die Westfälische Milchunion. Schwerpunkt in Rimbeck sollte nun die H-Milch sein. Der Fusionsprozess setzte sich noch fort: Aus dem Zusammenschluss der Milchwerke Westfalen eG und der Westmilch Milchunion entstand am 1. Januar 1998 die Humana Milchunion. Sie fusionierte 2011 wiederum mit der Nordmilch GmbH zur Deutschen Milchkontor GmbH (DMK).

2012 wurde die Butterei in Rimbeck stillgelegt. Im Juli 2017 kündigte der damalige Eigentümer des Rimbecker Werkes, der Milchkonzern DMK mit Sitz in Herford, die Schließung des gesamten Betriebes in Rimbeck für das kommende Jahr an. 70 Mitarbeiter verloren dadurch ihre Arbeitsplätze.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

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