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Zwischen Hardehausen und Blankenrode gibt es Geschichte auf die Ohren

Die letzten Tage einer Stadt

Warburg (WB). Kann man Kinder gleichermaßen für Geschichte und Wandern begeistern? Ein Kunststück. Gelingen kann es allerdings ganz in der Nähe: im Hörmuseum zwischen Hardehausen und Blankenrode. Dorthin und mitten in das Schicksal einer im Mittelalter untergegangenen Stadt führt der zweite Teil unserer Serie „Im Herbst durch die Heimat“.

Jürgen Vahle

Nach 700 Metern Fußweg gibt es am Westtor erste Informationen über die Stadt Blankenrode, die nur 150 Jahre Bestand hatte und 1393 dem Erdboden gleich gemacht wurde. Heute sind die Ruinen überwuchert, wie auch Finn-Jonas (11) erfährt. Fotos: Jürgen Vahle Foto:

Unser nächster Ausflugstipp startet am Wanderparkplatz an der K 23 (Blankenroder Straße) zwischen Hardehausen und Blankenrode. Allein der Weg ist ein Erlebnis. Die Kreisstraße ist zwar stellenweise nicht im besten Zustand, führt aber mitten durch den Wald – und zeigt drastisch, welche Schäden Trockenheit und Borkenkäfer hinterlassen haben.

Kinderstimmen

Am Wanderparkplatz werden Besucher von den Stimmen zweier Kinder aus dem Nirgendwo begrüßt. Agnes und Konrad begleiten kleine und große Entdecker auf der gesamten Erlebnistour, die übrigens kostenlos ist. Ihre Erklärungen kommen aus Lautsprechern, die in den Bäumen versteckt sind. Der Energiebedarf wird über Solarzellen gedeckt. Das kann dazu führen, dass sie manchmal nicht richtig funktionieren, wenn es längere Zeit zu bewölkt war. Aber Wandern im Sonnenschein macht ja ohnehin mehr Spaß. Feste Schuhe sind zu empfehlen.

Start am Westtor

700 Meter geht es auf einem kleinen Weg quer durch den Wald, dann erreichen die Besucher das ehemalige Westtor der alten Stadt Blankenrode. Zu sehen ist dort zunächst nur viel Wald. Aber man darf sich nicht täuschen lassen. Die 1248 als Festung und Handelsstützpunkt angelegte Stadt des Paderborner Bischofs und des Abts des Klosters Corvey gilt als eine der spannendsten archäologischen Fundstellen im Land. Jahrelang ist dort geforscht worden. Das wird den Besuchern auf Informationstafeln erläutert. Die Erklärungen aus dem Lautsprecher sorgen dafür, dass man tief in das Leben im Mittelalter eintauchen kann.

In der vom Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge angelegte Anlage können die Besucher auf dem folgenden 2,7 Kilometer langen Rundwanderweg erfahren, wie es sich in der Stadt lebte und wie sie nach nur 150 Jahren nach einem Überfall zerstört wurde. Die letzten Bewohner, zu denen auch Agnes und Konrad gehören, flüchteten. Die Stadt wurde nie wieder aufgebaut. Die Natur holte sie sich im Laufe der Jahrhunderte zurück.

Auf dem Schutzwall

Der Weg führt immer entlang des ehemaligen Schutzwalls (später Mauer) der Stadt, zunächst vom West- zum Osttor, dann hinauf zum Burghügel, der mit dem ihm umgebenden Graben noch gut zu erkennen ist. Er liegt am Warburger Weg, was die Beziehung Blankenrodes zur alten Hansestadt an der Diemel dokumentiert. Mutige klettern hinauf und können durch die Bäume hindurch einen Blick auf das Gelände werfen.

Überwucherte Ruinen

Besonders spannend wird es gegen Ende der Strecke rund um die mit Wald überwucherten Ruinen. Erhalten geblieben ist noch der Jungfernbrunnen, um den sich eine ebenso faszinierende wie schaurige Sage dreht. Von dort aus wird der Weg etwas holpriger. Wer mit einem Kinderwagen unterwegs ist, benötigt hier einen starken Papa oder eine starke Mama, die an der ein oder anderen Stelle mit anfassen und tragen helfen.

90 Minuten unterwegs

Nach etwa 90 Minuten (Pausen sind bereits enthalten) ist man nicht nur zurück am Wanderparkplatz, sondern auch voller Eindrücke, fasziniert von der Geschichte und macht sich so seine Gedanken über das Leben im Mittelalter. Wem das zu kurz ist, der kann sich vom Hörmuseum aus auf weitere Wanderstrecken durch den Wald begeben oder seine Erlebnistour im nahen Kloster Dalheim fortsetzen. Auch dort werden in den Herbstferien Angebote für Familien gemacht.

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