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Mehr als 2100 Menschen finden Hilfe im Beratungszentrum des Caritasverbandes für den Kreis Höxter

Die Probleme werden vielfältiger

Brakel

Mehr als 2100 Menschen aus dem Kreis Höxter haben im vergangenen Jahr Beratung, Unterstützung und Hilfe im Beratungszentrum Brakel gefunden.

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Steffani Schröder-Czornik, Leiterin des Beratungszentrums Brakel, und Caritas-Vorstand Thomas Rudolphi haben zusammen mit ihrem Team Bilanz gezogen.. Foto: Karl-Martin Flüter

Deutlich wurde, dass die Problemlagen der Klienten vielschichtiger werden und die Bedeutung der Prävention in den Beratungsdiensten zunimmt. Das Beratungszentrum Brakel ist eine Einrichtung des Caritasverbandes für den Kreis Höxter.

Fünf Dienste unter einem Dach: Das war auch 2019 eine der Stärken des Beratungszentrums. „Wir kennen uns gut und die Zusammenarbeit zwischen den Diensten funktioniert“, sagt Steffani Schröder-Czornik. Die Ärztin leitet das Beratungszentrum mit seinen Beratungsdiensten Sozialpsychiatrischer Dienst, Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche, Sucht- und Drogenberatung, Frühförderung und Beratung und Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Außenstellen befinden sich in Höxter, Steinheim (derzeit geschlossen), Beverungen, Bad Driburg und Warburg.

Der Sozialpsychiatrische Dienst, den Steffani Schröder-Czornik ebenfalls leitet, nimmt eine Pflichtaufgabe wahr, die sonst Sache des Gesundheitsamtes ist. Die Caritas im Kreis Höxter ist mit dem Beratungszentrum der einzige freie Träger eines solchen Dienstes in NRW. Die Mitarbeitenden nehmen Kontakt zu Menschen in einer psychiatrischen Einrichtung auf und begleiten sie oft über Jahre – und das sehr erfolgreich.

„19 Prozent der in Frage kommenden Patienten werden im Kreis Höxter erreicht, landesweit sind es nur 15 Prozent“, freut sich Caritas-Vorstand Thomas Rudolphi. Im Schwerpunkt der Arbeit stehen Depressionen, gefolgt von Angststörungen.

Die Komplexität von Problemen, wegen der Klienten ins Beratungszentrum kommen, wird auch im Dienst „Beratung von Eltern, Kindern und Jugendlichen“ deutlich. „Kinder sind oft Symptomträger der Familien“, sagt die Leiterin Naznine Soundarjee. In der Beratung ist der Anteil der Grundschulkinder an allen Klienten von 15 auf 26 Prozent aller Fälle angestiegen. „Eine intensive Zusammenarbeit mit der Familie ist wichtig. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und ihre Kinder“, betont Soundarjee, denn sie müssten häufig unter Rahmenbedingungen leben, „die ihnen die notwendigen Ressourcen vorenthalten.“

Die größte Gruppe der Klienten in der Suchtberatung (51 Prozent) war von einer Alkoholabhängigkeit betroffen. Auf den zweiten Platz kommen die ratsuchenden Konsumenten von illegalen Drogen mit 41 Prozent der Fälle. Nutzer illegaler Drogen werden, nachdem sie aufgefallen sind, frühzeitiger in die Drogenberatung vermittelt. Bei alkoholkranken Menschen finden gravierende Auffälligkeiten erst nach vielen Jahren des Konsums statt.

„In der Sucht ist die Leugnung groß, Betroffene suchen erst spät die Drogenberatung auf“, sagt Adelheid Miß-Litfin, die Leiterin des Dienstes. Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, hat der Dienst die Präventionsangebote verstärkt. In Schulen und Jugendfreizeitstätten, bei Projekttagen oder suchtvorbeugenden Aktionen geht es vor allem um die Zielgruppe der Heranwachsenden.

Frühzeitig aktiv zu werden ist auch die Aufgabe der Frühförderung und Beratung, die 2019 ein neues Projekt für Kinder entwickelte: wasserbasierte Frühförderung im Therapiebecken der Heilpädagogischen Kindertagesstätte St. Raphael. „Das ist eine therapeutische Maßnahme für Kinder, die über andere therapeutische Maßnahmen nicht mehr erreicht werden konnten oder für die das Element Wasser als basale Stimulation zu einer veränderten Körperwahrnehmung beiträgt“, sagt Marie-Luise Bonsch, die Leiterin des Dienstes.

Der Schwerpunkt der Ehe-, Familien- und Lebensberatung lag bei Eltern mit minderjährigen Kindern, die Paarprobleme haben. Wie in den Jahren zuvor kamen immer mehr Über-Sechzigjährige in die Beratung. In dieser Altersgruppe nehmen neben gesundheitlichen Problemen auch Beziehungsprobleme zu. Der von Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde geleitete Dienst steht in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn.

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