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In den Seniorenhäusern der Hospitalvereinigung helfen fünf Ruheständler bei Corona-Schnelltests

Die Rentner kehren zurück

Höxter

Als Gregor Politycki vor einem Jahr in Rente ging, wollte er vor allem Eines: Den Ruhestand genießen. Doch dann kam Corona. „Da war klar, dass ich helfen würde“, sagt der 64-Jährige. Seit Anfang Dezember ist der ehemalige Leiter des Seniorenhauses Beverungen auf Minijob-Basis wieder bei seinem alten Arbeitgeber angestellt und macht Corona-Abstriche bei Besuchern, Mitarbeitern und Bewohnern des Seniorenhauses St. Nikolai in Höxter.

Marius Thöne

Gregor Politycki (64) nimmt bei seiner Ehefrau Elisabeth (62) einen Abstrich. Die beiden Rentner helfen auf Minijob-Basis im St.-Nikolai-Seniorenhaus und nehmen Corona-Testungen bei Besuchern, Mitarbeitern und Bewohnern vor. Foto: Marius Thöne

„Ich hätte es auch ehrenamtlich gemacht, aber auch aus versicherungstechnischen Gründen muss alles seine Ordnung haben.“ Für den Beverunger ist das Seniorenhaus in der Kreisstadt kein unbekanntes Terrain. Hier hat er vor 45 Jahren, als hier noch das Höxteraner Krankenhaus war, seine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert. „Das ist ganz interessant, ich habe hier in den vergangenen Tagen auch schon einige Höxteraner getroffen, die ich von früher kenne“, sagt Politycki, der in der Weserstadt aufgewachsen ist.

Im Seniorenhaus St. Nikolai werden jede Woche die 113 Bewohner, 129 Mitarbeiter, 30 Gäste der Kurzzeit- und Tagespflege sowie etwa 400 Besucher auf Corona getestet. Speziell für Besucher gilt: Rein kommt nur, wer negativ getestet ist. „Das verlangt vor allem Geduld“, sagt Einrichtungsleiterin Bianca Butterwegge. Denn es dauert gut 20 Minuten bis das Testergebnis vorliegt.

In einem Raum im Erdgeschoss des Seniorenhauses ist das Abstrichzentrum eingerichtet. An zwei Tischen wird den Besuchern mit einem Wattestäbchen durch Rachen und Nase gefahren. Gregor Politycki und die anderen Helfer legen sich dazu eine spezielle Schutzausrüstung an, sie besteht aus einer FFP2-Maske, einer Brille, einem grünen Kittel und Einmalhandschuhen. Wenn der Abstrich gemacht ist, wird der so genannte Antigen-Schnelltest ausgewertet. Nach 15 Minuten liegt das Ergebnis in der Regel vor. „Bei der Durchführung der Schnelltests handelt es sich um eine zusätzliche Aufgabe für unser Fachpersonal. Es ist uns ein Anliegen, unsere Mitarbeiter in dieser ohnehin schon sehr stressigen Zeit nicht noch zusätzlich mit den Testungen zu belasten. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, ehemalige Mitarbeiter zu rekrutieren“, sagt KHWE-Unternehmenssprecherin Isabell Waschkies.

Bianca Butterwegge berichtet, dass gleich am ersten Tag zwei Besucher positiv getestet worden seien. „In einem Fall wurde das Ergebnis in einem weitergehenden PCR-Test bestätigt, in dem anderen Fall nicht“, berichtet Bianca Butterwegge und macht damit auch auf ein Problem der Schnelltests aufmerksam. Sie hätten „nur eine sehr vage“ Aussagekraft. Fachleute schätzten ihre Genauigkeit auf gut 60 Prozent.

Trotzdem hält Butterwegge es für richtig, regelmäßig zu testen. „Besser, als die Seniorenhäuser wieder zu schließen, gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit“. Dennoch verlangten die regelmäßigen Abstriche ihrem Team und ihr einiges an zusätzlicher Arbeit ab. „Wir sind also sehr froh, dass uns die Rentner unterstützen. Wir können jede helfende Hand brauchen“, sagt die Chefin.

Zwei weitere dieser helfenden Hände gehören Elisabeth Politycki. Die 62-Jährige war bis zu ihrem Eintritt in die passive Phase der Altersteilzeit im Sommer Einrichtungsleiterin in einem Seniorenheim in Bad Lippspringe. Auch sie kennt das Seniorenhaus in Höxter noch aus Krankenhauszeiten. Ihr Mann und sie haben sich dort kennengelernt. „Man hilft, wenn man gebraucht wird, und auch hier können wir unsere Zeit miteinander verbringen“, sagt die gelernte Krankenpflegerin.

Den beiden Ruheständlern ist klar, dass auch sie zur Risikogruppe gehören, halten die Ansteckungsgefahr ob der Schutzausrüstung aber für relativ gering. „Mich wird kein Besucher während des Abstriches direkt anhusten“, ist sich Politycki sicher.

Er und die anderen vier ehemaligen Mitarbeiter, die aus dem Ruhestand in die Seniorenhäuser der Hospitalvereinigung zurückgekehrt sind, sind vor ihrem Einsatz vom Betriebsarzt im Abstreichen geschult worden. Sie sind im Einsatz im Seniorenhaus Brakel, in Bökendorf in Steinheim und im Seniorenzentrum St. Nikolai (zwei).

In Beverungen und Höxter sind darüber hinaus zwei externe Mitarbeiter für die kurzfristige Unterstützung eingestellt worden. „Eine von ihnen ist eigens aus der Erziehungszeit zurückgekommen“, berichtet Bianca Butterwegge, die ebenfalls Testungen vornimmt, darüber hinaus auch Pflegedienstleiterin Irina Masurin und die Mitarbeiter des sozialen Dienstes.

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