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Clara Schwiddessen aus Warburg-Bonenburg arbeitet als Praktikantin des Bonifatiuswerkes In Schweden

Die Rückkehr zum Fest fällt aus

Warburg

In Zeiten wie diesen haben die meisten Menschen nur einen Wunsch: Im sicheren Zuhause Weihnachten zu feiern und ein paar Tage lang nicht allzu sehr an Corona zu denken. Für die 20-jährige Clara Schwiddessen aus Warburg-Bonenburg kommt das allerdings nicht in Frage.

Jürgen Vahle

Ein bisschen Bullerbü: Clara Schwiddessen ist für sechs Monate Praktikantin in Schweden. Über die Feiertage sitzt sie aber dort fest. Foto: WB

Die Studentin absolviert im Auftrag des Bonifatiuswerkes ein Praktikum in Schweden. Ausgerechnet in dem Land, in dem es über Monate hinweg kaum Corona-Einschränkungen gegeben hatte und wo die Zahl der Infizierten und Toten rasant gestiegen ist. Und genau dort sitzt sie jetzt auch über die Feiertage fest.

Erstmals Fest ohne Familie

Natürlich hätten ihre Eltern in Bonenburg und ihre sieben Geschwister die 20-Jährige an den Festtagen gerne zu Hause gehabt. Doch das hätte eine lange Quarantäne in Deutschland – und danach auch in Schweden – bedeutet. So verbringt die junge Bonenburgerin die Weihnachtszeit erstmals ohne ihre Familie.

Allein ist sie natürlich nicht. Es gibt noch weitere junge Leute, die das Bonifatiuswerk nach Uppsala, etwa eine Stunde von Stockholm entfernt, geschickt hat. Und so wird sie mit den Mitpraktikanten aus Deutschland und Island in einem kleinen Café feiern. Mit der Familie hält sie dann über das Internet Kontakt.

Clara Schwiddessen kennen viele, die regelmäßig in die Kirche gehen. Im Pastoralverbund Warburg spielt sie in einigen Gemeinden die Orgel und hat sich in Bonenburg auch um die Messdiener gekümmert. 2018 hat sie am Hüffertgymnasium das Abitur abgelegt und studiert seither in Würzburg Germanistik, Theologie und ganz nebenbei auch noch Schwedisch.

Corona-Folgen in Schweden

Als sie vom Angebot des Bonifatiuswerkes hörte, das junge und engagierte Katholiken als Praktikanten in die Diaspora nach Skandinavien schickt, war sie natürlich sofort interessiert. Ihre Bewerbung hatte Erfolg. Und so ist die junge Frau seit Ende August an der von einem Jesuiten-Orden geleiteten Universität (Newman Institute) tätig.

Doch die Corona-Auswirkungen sind in Schweden deutlich zu spüren, berichtet die 20-Jährige. Eigentlich sollte sie an drei Tagen in der Woche in einem Stockholmer Kindergarten Drei- bis Fünfjährige betreuen. Die Einrichtung ist aber geschlossen. Auch an der Universität, wo sie den zweiten Teil ihres Praktikums verbringen darf, finden die Vorlesungen derzeit nur online statt. Und so verbringen sie und ihre Kollegen die Zeit damit, dem Hausmeister zur Hand zu gehen, bei Renovierungsarbeiten zu helfen, Räume zu streichen und im Wald Holz zu machen.

Aber Clara Schwiddessen machen auch diese Aufgaben einen Riesenspaß, zumal sie mit der grandiosen schwedischen Landschaft belohnt wird: „Es ist hier genau so, wie man sich Schweden vorstellt – Natur pur. das Lebensgefühl der Schweden ist ganz anders. Mir gefällt das und ich kann die Sprache in der Praxis anwenden.“

Rückkehr Ende Februar

Zurück nach Deutschland kommt Clara Ende Februar, um dann ihr Studium wieder aufzunehmen. Was sie mit dem Abschluss einmal beruflich anfangen will, weiß sie noch nicht. Eines weiß sie aber schon jetzt: Das Praktikum in Schweden wird für sie eine bleibende Erfahrung sein.

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken mit Sitz in Paderborn ermöglicht jährlich etwa 20 jungen Menschen, ein Praktikum in Ländern zu absolvieren, in denen die katholische Kirche nicht so präsent ist. Es werden Plätze in Ländern wie Lettland, Estland, Island, Norwegen, Dänemark oder eben in Schweden angeboten.

Die jungen Leute sollen so einen unmittelbaren Einblick in das Leben in der Diaspora bekommen. Die Bewerbungsfrist für den nächsten Stellen endet am 14. Februar. Wer sich für einen solchen Platz interessiert, kann sich im Internet informieren.

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