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Oktoberwoche fällt wegen Corona zum ersten Mal aus – Urtyp noch nicht produziert

Diese Absage tut richtig weh

Warburg (WB). Die 72. Warburger Oktoberwoche ist abgesagt worden. Das haben die Stadtwerke Warburg am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Grund für die Absage sei die Corona-Pandemie. Es ist eine Entscheidung, die den Verantwortlichen sehr schwer gefallen ist.

Daniel Lüns

Die beliebte Warburger Oktoberwoche – hier ein Archivfoto vom Auftritt der Höhner 2019 vor tausenden Besuchern im Bierzelt – fällt aus. Das haben die Organisatoren nun bekannt gegeben. Sie freuen sich nun auf eine Oktoberwoche 2021. Foto: Ralf Benner

Das Verbot für das Feiern von Großveranstaltungen sei zwar zunächst bis zum 31. August befristet und die Oktoberwoche liege damit außerhalb dieses Zeitraumes. Sie sei „aber unter den jetzigen und sicher auch noch weitaus länger geltenden Bedingungen ebenfalls nicht durchführbar“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Auflagen können nicht eingehalten werden

Demnach könnten die Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen auf dem Festgelände, in den Festzelten und in der Gewerbeausstellung – „realistisch betrachtet“ – nicht eingehalten werden. Damit fällt die Warburger Oktoberwoche in ihrer mehr als 70-jährigen Geschichte erstmals aus.

Für Michael Stickeln wäre es seine letzte Oktoberwoche als Bürgermeister der Hansestadt gewesen. „Das kann man sich als Warburger gar nicht vorstellen, dass das Fest abgesagt wird“, sagt er. „Ich bin Warburger. Ich kenne die Oktoberwoche von Kindesbeinen an. Aber dennoch müssen wir das Wohl aller über unsere Vorfreude stellen. Das Virus ist definitiv noch nicht besiegt.“

Die Entscheidung sei den Verantwortlichen für die Durchführung der Warburger Oktoberwoche sehr schwer gefallen. Man habe lange miteinander diskutiert. Am Mittwoch aber sei dann die Absage beschlossen worden. „Solange es keine wirksamen Medikamente und keinen Impfstoff gibt, ist das Infektionsrisiko bei einer solchen besucherintensiven Veranstaltung nicht kalkulierbar“, betont der Bürgermeister.

Ein Ende des traditionsreichen Festes sei diese Absage aber keinesfalls. „Die Erfolgsgeschichte der Oktoberwoche macht eine Pause. Aber sie endet nicht. An der Vorfreude auf die Oktoberwoche 2021 ändert das nichts“, sagt Stickeln. „Vielleicht wird das dann sogar eine noch fröhlichere Feier, weil man dann sieht, dass das Fest nicht selbstverständlich ist.“ Er selbst werde immer ein treuer Gast des Festes sein.

Schausteller und Vereine zwar enttäuscht – aber verständnisvoll

Der Erste Beigeordnete Klaus Braun ist als Geschäftsführer der Stadtwerke Warburg quasi der offizielle Veranstalter der Oktoberwoche. Als die Entscheidung am Mittwoch gefällt wurde, seien die Schausteller und Vereine informiert worden, erklärt er.

„Einerseits reagierten die Menschen mit großer Enttäuschung, andererseits aber durchaus auch mit Verständnis“, sagt Braun. „Wir haben allen angeboten, die geschlossenen Verträge auf die nächste Oktoberwoche zu übertragen.“ Denn ein verkleinertes Fest zum Beispiel wolle man nicht feiern.

„Stellen Sie sich die Oktoberwoche mal mit eineinhalb Metern Abstand im Festzelt vor. Oder mit Tanzverbot. Selbst wenn man so eine ‚Oktoberwoche light‘ durchführen könnte, so würde sie negativer in Erinnerung bleiben, als wenn wir sie verschieben“, erklärt Braun. Zudem hätte man die Besucherzahlen der Vorjahre wohl nie erreicht.

Zur Oktoberwoche kommen normalerweise etwa 400.000 Besucher. Allein die Gewerbeschau zählte im vergangenen Jahr etwa 43.000 zahlende Besucher. „Die Resonanz auf die Gewerbeschau war bisher sehr gering. Die hätten wir wohl ohnehin absagen müssen“, berichtet Klaus Braun. Ähnlich sehe es vor dem Hintergrund der Corona-Krise auch bei der Festschrift aus. Die wäre in diesem Jahr wahrscheinlich nicht erschienen. „Ich persönlich fühle mich bei alledem nicht gut. Aber wir haben im Sinne der Bürger und Besucher gehandelt.“

Für die Warburger Brauerei hat die frühe Absage des Festes zwei Seiten. „Das ist mit Abstand die wichtigste Einzelveranstaltung, die wir beliefern“, erklärt Franz-Axel Kohlschein, der gemeinsam mit Cousin Michael die Brauerei leitet. Entsprechend hoch seien daher nun die Einbußen. Positiv sei aber der Umstand, dass die Produktion des beliebten Urtyps noch nicht begonnen hat. Das wäre im Juni geschehen. Kohlschein wertet die frühe Absage daher als „sehr verantwortungsvoll“.

Ein Kommentar von Daniel Lüns

Die Absage der Oktoberwoche tut richtig weh. Bis zuletzt hatten Bürger und Organisatoren diskutiert und gehofft. Am Ende aber siegte Corona – wie so oft in diesem Jahr. Die Verlierer sind Schausteller, Gastronomie und Einzelhandel. Vor allem aber trifft diese Absage eine ganze Region. Oktoberwoche, das ist viel mehr als Kirmes, Veranstaltungen oder Gewerbeschau. Oktoberwoche ist ein Gefühl. So werden wir die Leichtigkeit und Lebensfreude vermissen, die das Warburger Land jedes Jahr im Oktober erfasst hat. Trotz alledem ist die Absage vernünftig. Eine Corona-Oktoberwoche wäre nicht das Fest gewesen, das wir alle so schätzen und lieben gelernt haben. Dann gehen wir lieber auf Nummer sicher – und feiern im nächsten Jahr.

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