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Leiter der Warburger Wehr wünschen sich Sondersignale – Diverse Konzepte in NRW

Ein Blaulicht für den Privatwagen

Warburg (WB). An der Landfurt ist für Jürgen Rabbe Schluss. Der Leiter der Feuerwehr Warburg eilt am 8. Januar 2015, damals noch als Stellvertreter von Josef Wakob, zum Brand in der städtischen Notunterkunft am Kuhlemühler Weg. Weiter kommt Rabbe nicht, da er mit seinem Privatwagen fährt – und weder Blaulicht noch Martinshorn nutzen kann.

Daniel Lüns

Ohne Blaulicht ist der Suzuki Jimny von Jürgen Rabbe (rechts), Leiter der Feuerwehr Warburg, ein ganz normales Auto. Rabbe und seine Stellvertreter Reiner Vössing (links) und Markus Müller wünschen sich daher mobile Sondersignalanlagen für ihre Privatwagen. Denn Einsätze kommen schneller, als man denkt: Müller musste kurz vor dem Fototermin selbst mit der Wehr ausrücken. Foto: Daniel Lüns

Die Kollegen aus Rabbes Heimatort Ossendorf haben das Problem nicht: Obwohl später gestartet fahren sie mühelos bis zum Einsatzort durch und treffen dort noch vor Rabbe ein – Weil sie im Feuerwehrauto mit Blaulicht sitzen. Seit diesem Einsatz wünscht sich die Wehr, dass ihr Leiter und seine Stellvertreter im Notfall auch am Privatwagen ein Blaulicht nutzen können. Stadt und Kreis sind dafür, die Bezirksregierung Detmold aber lehnte das bisher ab, schildert Rabbe.

Rechte sichtbar machen

Rabbe geht es darum, die Helfer erkennbar zu machen und sie schneller und sicherer zum Unglücksort zu bringen. Denn in Zeiten eng gesteckter Hilfsfristen sei jede Minute kostbar. Zudem hätten Feuerwehrleute auf dem Weg zum Einsatz ohnehin diverse Rechte. Auch im Privatwagen. So dürften sie – unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten – etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten oder im Parkverbot stehen.

„Wir haben die Rechte. Wir können sie aber nicht zeigen“, sagt Rabbe. Für solche Fälle gibt es etwa Dachschilder mit der Aufschrift „Feuerwehr im Einsatz“. Die hätten sich manche Helfer auch besorgt, sagt Rabbe: „Aber die sind klein und schlecht lesbar.“ Zudem seien sie kaum bekannt.

Bierkiste im Dienstwagen

In Warburg gibt es den Posten Einsatzleiter vom Dienst (EVD). Er ist im Notfall der erste Ansprechpartner. Rabbe und seine Stellvertreter, Markus Müller und Reiner Vössing, wechseln sich mit diesem Dienst im Wochentakt ab. Für ihre Aufgabe nutzen sie den Kommandowagen (KdoW) der Wehr. Der hat Blaulicht und Horn, aber eben fest verbaut, sagt Rabbe: „Wir haben die Freigabe der Verwaltung, den Wagen im EVD auch privat zu nutzen. Aber das ist ein moralischer Aspekt, der da drückt.“

Ein Bierkistenkauf mit dem Feuerwehrauto könne da schon seltsam aussehen. Auch die Fahrt zur Arbeit. Zudem fresse der Wagenwechsel viel Zeit. Erst Recht aufgrund von Corona, da das Auto nun vor jedem Wechsel desinfiziert werden müsse. „Wünschenswert wäre eine kreisweite Lösung. Was Warburg betrifft, betrifft ja auch die anderen neun Städte.“

Ideen anderer Feuerwehren

Die geschilderte Situation ist nicht neu. Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen haben bisher verschiedene Konzepte entwickelt, um darauf zu reagieren.

So zum Beispiel auch ein direkter Nachbar, die Feuerwehr Marsberg (Hochsauerlandkreis). Sie hat keinen KdoW. Damit der Leiter der Wehr dennoch zügig voran kommt, hat er im Privatwagen ein mobiles Blaulicht und Horn. „Gerade wenn es auf die Autobahn geht, ist das sehr sinnvoll“, erklärt Josef Straub, Leiter der Feuerwehr Marsberg. Er würde es begrüßen, wenn auch seine Stellvertreter so etwas bekämen.

Josef Straub, Leiter der Feuerwehr Marsberg, hat ein mobiles Blaulicht und ein mobiles Martinshorn im Auto. Foto: Feuerwehr Marsberg

Straub bekam zudem eine Kopie eines Erlasses des Landes NRW, wonach auch Autos privater Halter, die als Einsatzkraftfahrzeuge in den Fahrzeugpark einer Einheit eingebunden sind und ihr planmäßig zur Verfügung stehen, Blaulicht und Horn bekommen können. Eingeführt wurde das Modell unter Straubs Vorgänger, Alfons Kleffner. Die Sondersignale kaufte das Ordnungsamt.

Zivile Einsatzfahrzeuge

Auch bei der Feuerwehr Salzkotten (Kreis Paderborn) gibt es Fahrzeuge in Zivil mit einem aufgesetzten Blaulicht. Sie sehen aus wie Privatwagen, sind es aber nicht. „Das sind drei Kommandowagen, die sich die Wehrführung und der Einsatzleitdienst teilt“, erklärt Tobias Rupprecht, Leiter der Feuerwehr Salzkotten.

In Salzkotten nutzen Tobias Rupprecht (rechts) und seine Vertreter Christoph Schlünz (links) und Friedhelm Knust drei Kommandowagen (KdoW). Sie sehen aus wie Privatwagen, sind es aber nicht. Foto: Feuerwehr Salzkotten

Die Dienstwagen sind gut ausgerüstet, aber eben nicht beklebt. Rupprecht ist froh, dass die Feuerwehr drei Kommandowagen nutzen kann. „Ganz am Anfang haben wir auch nur einen Wagen gehabt. Das war ein Krampf“, erklärt er und verweist etwa auf den Zeitverlust beim Wagentausch.

Stadt meldet Wagen an

Einen anderen Weg geht die Feuerwehr Hörstel (Kreis Steinfurt). Als vor Jahren ein neuer KdoW her musste, schlug Jörg Wernsmann, Leiter der Feuerwehr Hörstel, der Stadt etwas vor: Er kauft sich, in Abstimmung mit der Verwaltung, einen Wagen und wartet ihn auch. Die Stadt verankert das Auto im Fahrzeugkonzept als KdoW, meldet den Wagen an und ist der Halter. So geschah es.

Der Privatwagen von Jörn Wernsmann ist über die Stadt angemeldet. So nutzt der Leiter der Feuerwehr Hörstel Sondersignale. Foto: Feuerwehr Hörstel

Seitdem nutzt Wernsmann im Auto Sondersignale. Die Kilometer, die er dienstlich fährt – etwa 15 Prozent der Gesamtmenge – werden nach dem Landesreisekostengesetz vergütet. Das Konzept wird in Hörstel seit fast zehn Jahren gelebt. „Man spart vor allem Zeit“, bilanziert Jörg Wernsmann. So könne er im Notfall gleich zum Einsatz fahren – und müsse sich nicht erst aus dem Gerätehaus einen Wagen holen.

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