1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Warburg
  6. >
  7. Ein Hoch auf das Laienspiel

  8. >

Start der Warburger Theatersaison: Wenn auf der Bühne alles schiefgeht

Ein Hoch auf das Laienspiel

Warburg (WB). Großen Spaß hatten die Besucher am Dienstagabend beim Stück »Chaos auf Schloss Haversham« von Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields, das im Pädagogischen Zentrum aufgeführt wurde. Es war der Beginn der neuen Theatersaison in Warburg.

Verena Schäfers-Michels

»Ein Scotch gefällig?«, fragt Butler Perkins (Wolff von Lindenau) vom Büro aus. In der Bibliothek trauern Thomas (Dirk Waanders) und seine Schwester Florence (Arzu Ermen) um Charles (Steffen Wilhelm). Die Komödie war ein gelungener Start in die Theatersaison. Foto: Schäfers-Michels

»Uns ist ein Hund entlaufen«, ging schon ein paar Minuten vor Beginn des Stückes eine Durchsage durch das Warburger PZ. »Wenn Sie ihn sehen sollten, sagen Sie uns doch bitte Bescheid.«

Ungläubige Blicke unter den Gästen und Getuschel. War da wirklich ein »Theaterhund« entwischt? Natürlich nicht, doch noch war den Zuschauern nicht bewusst, was für einen »katastrophalen Theaterabend« – so der Untertitel der Aufführung – sie erleben würden.

Im Stile von Sherlock Holmes

Der Inhalt ist eigentlich schnell erzählt: Chris (Martin Armknecht), ist der Vorsitzende der Theatergruppe »Warburg e.V.«. Er will mit seinen sieben Laienschauspielern »Mord auf Schloss Haversham« im Stile von Sherlock Holmes oder Miss Marple aufführen. Während eines heftigen Schneesturms, der die Protagonisten auf dem Schloss gefangen hält, geschehen zwei Morde, die Inspektor Carter – alias Chris – aufklären will.

Die Vorbedingungen sind ideal. Die Theatergruppe ist komplett und dank Zuschüssen haben sie auch in ein tolles Bühnenbild investieren können. Wie das Stück auf zwei Ebenen basiert, zum einen die Premiere des Stückes durch die Laienspielgruppe und zum anderen die Aufklärung des Mordes auf dem Schloss, gibt es auch in der Kulisse zwei Ebenen.

Stück und Kulisse mit zwei Ebenen

Unten die Bibliothek und auf einer hölzernen Plattform in drei Metern Höhe das Büro von Charles Haversham (Steffen Wilhelm), der zu Beginn des Stückes elegant als Leiche auf einer Chaiselongue im Mittelpunkt der Bühne drapiert liegt. Die Verdächtigen sind seine Verlobte Florence (Arzu Ermen), die ein wenig zur Hysterie neigt, ihr schneidiger Bruder Thomas (Dirk Waanders), Charles‘ Bruder Cecil (Stefan Schneider) und der Butler Perkins (Wolff von Lindau). So weit so gut.

Schon im Vorfeld hatten Inspizientin Annie (Ines Arndt) sowie Licht- und Bühnentechniker Trevor (Ivan Robert) ihre Probleme beim Kulissenaufbau. Immer wieder fielen Bücher aus den Regalen und Bilder von der Wand. Kaum glaubten sie, die Probleme behoben zu haben, kämpften die Schauspieler mit klemmenden Türen, vertauschten Requisiten und fallenden Vorhängen, was ihnen den Schweiß auf die Stirn treibt.

Humor und Slapstick stehen im Fokus

Je weiter das Stück voranschreitet, um so größer und häufiger die Katastrophen und die Lachsalven im Publikum. Wenn Stefan Schneider den Damen in der ersten Reihe zuzwinkert, anstatt auf seinen Text zu achten, muss man erst mal überlegen, ist das nun Laienschauspieler Max oder Arthur der Gärtner, der in Ermangelung eines echten Hundes eine leere Leine samt Halsband über die Bühne führt.

Das Gelächter ist groß, wenn die Pistole nicht auslöst und Dirk Waanders stattdessen »Peng! Peng!« ruft. Eine tiefsinnige Botschaft sucht man auf Schloss Haversham vergeblich, Humor und Slapstick stehen im Fokus und erlauben den Zuschauern, einfach mal das Hirn auszuschalten und sich gut unterhalten zu wissen.

Schlussendlich liegt die Bühne in Schutt und Asche, der Mord ist aufgeklärt und die Schauspieler können sich gegenseitig auf die Schultern klopfen. Sie haben durchgehalten und gekämpft bis der Vorhang fiel. Komme, was wolle.

Startseite