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Kai-Uwe Schroeter stellt seine Werke ins Internet – sogar Kanadier hören zu

Ein Pastor predigt online

Borgentreich (WB). Wer eine Predigt von Kai-Uwe Schroeter hören möchte, der geht in die Kirche – oder ins Wohnzimmer, auf die Terrasse oder überall dorthin, wo man Internetzugang hat. Der evangelische Geistliche stellt seine Predigten nämlich online.

Daniel Lüns

Und Aufnahme: Pastor Kai-Uwe Schroeter sitzt zu Hause in Borgen­treich vor seinem Mikrofon. An einem riesigen Bildschirm mischt er die Aufnahme gleich ab, bevor er sie ins Internet stellt. 3000 ­Menschen pro Jahr hören dem Geistlichen zu. Foto: Daniel Lüns

Kanadier hören zu

»Manche Kollegen machen das schon viele Jahre lang«, erklärt Schroeter. Im vergangenen Jahr sei ihm schließlich klar geworden, dass sich auch die Kirche nicht aus der Digitalisierung der Welt ausklammern könne.

»Etwa ein Jahr lang habe ich dann experimentiert«, erklärt der technikaffine Pastor. Dabei habe er auch untersucht, wer auf seine Internetseite schaue, wie lange jemand verweile und was der Besucher aufrufe.

Das Ergebnis: etwa 3000 Menschen hören ihm pro Jahr zu. Und zwar nicht nur aus dem Warburger Land, sondern auch aus dem Siegerland, Baden-Württemberg und auch aus Auslandsgemeinden. Seine Hörer leben sogar in Kanada. »Wie die Menschen zu mir gefunden haben, weiß ich leider nicht.« Aber das spiele auch keine Rolle.

Aufgrund der vielen Zuhörer und positiver Rückmeldungen entschloss sich Schroeter vor ein paar Wochen dazu, sein Hobby künftig professionell zu betreiben.

Vier Jahre beim Radio tätig

Unter der Internetadresse www.onlinepredigten.de sind seine Werke zu hören. Besucher finden dort aber nicht die Predigt, die Kai-Uwe Schroeter in der Kirche gehalten hat. »Viele machen das. Aber Predigten in Kirchen leben von der Lokalität. Für Internet-Nutzer sind sie oft nichtssagend«, erklärt er.

Daher nehme er die Predigt auf, die er zuvor zur Probe zu Hause halte und in der noch kein Lokalkolorit stecke. »Vom Inhalt her ist es also die Kirchen-Predigt, aber die Art und Weise ist globaler, umfassender.«

Seine Predigten probe er ohnehin immer, zudem klappe die Aufnahme in der Regel gleich beim ersten Versuch. Daher sei mit diesem Hobby keine zusätzliche Arbeit verbunden.

Ohnehin kann der Pastor in diesem Bereich auf reichlich Vorwissen zurückgreifen: als Vikar machte er vier Jahre lang Sendungen bei Radio MK im Sauerland. Frei sprechen, richtig betonen, abmischen – für den Geistlichen kein Problem.

Theologie trifft Physik

Dennoch: einen echten Kirchenbesuch könne das Anhören einer Online-Predigt nicht ersetzen. »Aber Kirche ist Begegnung«, erklärt Schroeter. Warum solle das nicht auch im World Wide Web geschehen?

Mit seiner Persönlichkeit öffentlich sein, als Pastor sei das ohnehin obligatorisch. Daher nutze er verschiedene Medien. »Und als Pastor bin ich Überzeugungstäter. Ich möchte eine Botschaft vermitteln. Und die ist auch immer ein Teil meiner Theologie.«

In seinem Buch »Deus to go« etwa lud er zu einem theologischen Streifzug ein, auf dem Wissenschaft und Glaube zu einer großen Theorie der Wirklichkeit verbunden wurden – mit einem Abstecher in die Quantenphysik.

Im Zentrum der Hörwerke stehe zwar nach wie vor nicht die Selbst-, sondern die Christusdarstellung. Aber auch in seinen Online-Predigten erlebten die Zuhörer eben die Gedanken und Überzeugungen von »ihrem« Kai-Uwe Schroeter. »Das ist typisch ich«, fasst er der Geistliche zusammen.

Folgt ein YouTube-Kanal?

Viele Hörer schätzen das – und fragen den Geistlichen anschließend zu seinen Predigten aus. Etwa, wie man Glauben und Naturwissenschaft miteinander verbinden kann. Alles online, versteht sich.

»Die tiefsinnigsten Fragen kommen aus dem Internet. Das ist ja auch ein geschützter Raum, da sind in dem Moment nur der Fragende und ich«, sagt Schroeter. Diese Menschen, die über die Predigt hinaus nach Antworten suchen, seien religiös sehr interessiert. Auch für diese Menschen möchte Schroeter da sein.

Daher möchte der Geistliche seine Internetpräsenz künftig weiter ausbauen. »Wohin es sich entwickelt, muss ich noch sehen.« Zumindest hat er sich bereits informiert, wie viel Arbeit wohl ein Kanal auf der Videoplattform YouTube machen würde.

Fest steht aber: Das Hobby bleibt ein Hobby. In der evangelischen Kirche in Deutschland gebe es auch bereits viele Blogger. Schroeter: »Ich freue mich, dass die Kirche da so offen ist, weil man die Online-Gemeinde nicht vergessen darf.«

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