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Martina Schwiddessen spielt seit 40 Jahren die Orgel in Ikenhausen

Eine Organistin mit Herz

Willebadessen/War...

Zum 40. Mal hat sich jetzt der Tag gejährt, an dem Martina Schwiddessen zum ersten Mal die Orgel in der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Willebadessen-Ikenhausen spielte. Für ihre jahrelange Treue wollten ihr der Kirchenvorstand, Küsterin Luise Leifeld und Ortsvorsteher Frank Scheele „einfach nur Danke“ sagen, wie sie betonen.

Verena Schäfers-Michels

Am 2. Januar 1981 spielte Martina Schwiddessen zum ersten Mal die Orgel in Willebadessen-Ikenhausen. Schwiddessen kennt alle ihre kleinen Macken und Eigenarten und weiß, wie das gute Stück behandelt werden muss. Foto: Verena Schäfers-Michels

An die Tasten des Kircheninstruments kam die 59-jährige aus Warburg-Bonenburg auf Umwegen. Von 1971 bis 1974 erhielt sie Klavierunterricht bei Volksschullehrer Ignaz Volmary. Als ihre älteren Brüder 1974 das Orgelspielen aufgaben, wurde sie als jüngere Schwester gefragt, ob sie das Amt übernehmen wolle.

Aber ich kann doch gar nicht Orgel spielen“, habe sie zunächst geantwortet, doch diese Ausrede galt nicht. „Einfach machen und üben“, war die Antwort. Schwester Davida, eine Vinzentinerin in Bonenburg, gab ihr eine Einführung in das Orgelspielen, ging aber bald in ein Schwesternaltenheim, sodass die junge Organistin sich selbstständig weiterbilden musste.

Im Jahr 1975 wurde das „Sursum Corda“, das katholische Diözesangesangbuch, durch das neue Gotteslob ersetzt. Diese Neuerung stellte die damals 14-Jährige vor ungeahnte Herausforderungen. „Die alten Liedtexte, die jeder kannte, hatten neue Melodien bekommen“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Ich spielte nach den Noten die neuen Lieder und die Gemeinde sang zu den alten. Damals dachte ich kurz: jetzt werfe ich alles hin.“

Schwiddessen spielt weiter

Aber das tat sie nicht. Sie spielte weiter und hielt sich an den Rat eines Freundes der Familie, der selbst Orgel spielte: „Wenn du mit dem Herzen spielst, gleicht das alles aus, was du nicht gelernt hast.“

Erst kürzlich sagte ihr Bruder Karl-Heinz Graute, der Pfarrer im Lübbecker Land ist, zu ihr, welchen Unterschied es mache, ob ein Orgamat digital für die melodische Hintergrundakustik sorge, oder ein Mensch in die Tasten drücke. „Da ist dann einfach Seele drin.“

Unter Pastor Dr. Arnulf Vagedes, der von 1980 bis 1984 die Gemeinde Bonenburg leitete, kam Martina Schwiddessen als feste Organistin nach Ikenhausen. Damals war die Gemeinde kirchlich an Bonenburg angegliedert, heute gehört sie zum Pastoralverbund Willebadessen. Zudem half sie in anderen Gemeinden aus, löste 2002 Marius Thöne als Organist in Bonenburg ab und spielt seit 2013 auch in Rimbeck.

Sternsinger-Aktion belebt

Auch die Sternsinger-Aktion belebte sie in Ikenhausen und Bonenburg. Ortsvorsteher Frank Scheele dankte Martina Schwiddessen für den Einsatz im Ort. Für die Blumenteppiche, die sie für die Fronleichnamsprozessionen auslegt und ihre jahrzehntelange Treue.

Scheele ist wie Küsterin Luise Leifeld und Pater Josef Klingele, die ihr zum Jubiläum gratulierten, ein jahrelanger Weggefährte von Martina Schwiddessen. „Ich habe die verschiedenen Geistlichen kennengelernt und auf den Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen vieler Einwohner gespielt. Ja, ich würde sagen, man wächst zu einer Familie zusammen“, so Schwiddessen.

Mit Tochter Clara hat die achtfache Mutter jemanden gefunden, der als Organistin in ihre Fußstapfen tritt. „Sie ist viel besser als ich“, lobt Martina Schwiddessen das Mädchen, das gerade ein Auslandsjahr in Schweden absolviert.

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