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Haus Hartmann in der Sternstraße 39 ist ein eindrucksvoller Backsteinbau

Führende Stellung bei Kolonialwaren

Warburg (WB). Im März 1925 präsentierten sich der Kaufmann Franz Xaver Hartmann und seine Ehefrau Elisabeth mit einem Kind vor der Eingangstür zu ihrem Geschäfts- und Wohnhaus Sternstraße 39 dem Fotografen. Wenige Monate später sollte Franz Hartmann eine ganz andere Rolle spielen. Zusammen mit Berta Milsch regierte er das Warburger Schützenvolk. Die Geschichte des Hauses, um das sich diese Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ dreht, reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück.

Im März 1925 präsentierten sich der Kaufmann Franz Xaver Hartmann und seine Ehefrau Elisabeth mit einem Kind vor der Eingangstür zu ihrem Geschäfts- und Wohnhaus Sternstraße 39 dem Fotografen. Er regierte später auch das Warburger Schützenvolk. Foto: Stadtarchiv

Der 12. November 1857 war für viele Bewohner der Warburger Neustadt ein schwarzer Tag: 16 Wohnhäuser und sechs Scheunen im Bereich Sternstraße/Marktstraße/Mittlere Straße (heute: Josef-Wirmer-Straße) fielen einem Großfeuer zum Opfer.

Darunter war auch der Vorgängerbau des heutigen Hauses Sternstraße 39.

Von Grund auf neu erbaut

Das heutige Haus an der Ecke Sternstraße/Zwischen den Städten wurde dann spätestens 1860/61 durch den Kaufman Wilhelm Anton Fischer von Grund auf neu erbaut. Von Anfang an wurde es als Geschäftshaus errichtet, das zeigen noch heute die großen Grundbogenfenster im Erdgeschoss.

Über zwei Generationen verkaufte hier die Firma F. G. Hartmann Kolonialwaren, Eisenwaren, Porzellan und Haushalts- und Küchengeräte und vieles mehr. Die Geschäftsbezeichnung „F. G. Hartmann“ stand für Franz Georg Hartmann, geboren am 11. Juni 1838 in der Eisenhoitgasse als Sohn des Schreinermeisters Johannes Hartmann.

Nach dem Besuch der Volksschule und des Progymnasiums begann Hartmann eine Lehre beim Kaufmann Urban in der Altstadt. Anschließend war er unter anderem als Reisender tätig.

Hartmann kauft Geschäftshaus 1880

1880 kaufte er das Haus und Geschäft Sternstraße 39 von Wilhelm Anton Fischer. In einem Nachruf heißt es unter anderem, sein Geschäft habe in der Kolonialwaren-, Porzellan- und Eisenwarenbranche eine führende Stellung erreicht.

Franz Georg Hartmann war mit Maria Wigand verheiratet. Aus der Ehe gingen 13 Kinder hervor. 1906 übergab er sein Geschäft an seinen Sohn Franz Xaver.

Franz Xaver Hartmann starb 1938. Das Geschäft führte seine Witwe Elisabeth, eine Tochter des Bäckers Heinrich Michels, weiter.

Witwe führt Geschäft weiter

Noch im Warburger Adressbuch von 1958 findet sich der Eintrag: „Elisabeth Hartmann, Geschäftsinhaberin, Haus und Küchengeräte“. Sie starb am 13. Juli 1967.

Der Begründer des Geschäfts war 1930 im Alter von 93 Jahren verstorben. Der am nächsten Tag im Warburger Kreisblatt abgedruckte Nachruf würdigte seine Lebensleistung auch außerhalb des Geschäftslebens mit großer Sympathie.

Nachruf auf Geschäftsgründer

52 Jahre lang war Franz Georg Hartmann Mitglied des Kirchenvorstandes der Neustädter Pfarrgemeinde gewesen. Bereits im Oktober 1918 war er mit dem päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ ausgezeichnet worden.

Noch als 80-Jähriger trug er mit anderen bei den Prozessionen den Baldachin. Der Freiwilligen Feuerwehr gehörte er als Gründungsmitglied an. Und nach wie vor engagierte er sich im Geschäft seines Sohnes, wo er die Kasse führte und für die Korrespondenz nach auswärts zuständig war.

Bild aus 1925 gewährt Einblick in das Angebot

Zwei Werbeschilder aus Email zeigen einen Ausschnitt aus dem Angebot des Geschäftes an: An der linken Hausecke wird für Küppersbusch Herde geworben, rechts neben dem Eingang für „Rahma buttergleich“.

Die beiden Schaufenster präsentieren Ausschnitte aus dem Hartmannschen Angebot aus Porzellan, Steinzeug und Glas wie Suppenschüsseln, Kaffeekannen, Teller, Servierplatte und Weingläser.

Und bei genauem Hinsehen sind an der linken Schaufensterseite zwei Heiligenfiguren zu entdecken.

Privates Bankhaus in der Sternstraße 39

Im Haus Sternstraße 39 hatte in den beiden letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das einzige private Bankhaus der Stadt seinen Sitz. Die Brüder Sally und Alex Flechtheim betrieben dort ihr Geschäft und Sally Flechtheim wohnte mit seiner Familie unter dieser Adresse.

Das Bankhaus Flechtheim wurde 1900 nach dem Tode von Alex Flechtheim an den Padersteinschen Bankverein veräußert. Sally Flechtheim verzog mit seiner Familie nach Berlin.

Das Haus Sternstraße 39 steht unter Denkmalschutz: „Durch sein Bauvolumen und die reiche Baugliederung hat der Backsteinbau eine wichtige städtebauliche Wirkung, seine Bedeutung wird durch die anspruchsvolle Innenausstattung ergänzt.“

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

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