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Rat: Stadt soll erst städtebauliches Gesamtkonzept für die Innenstadt umsetzen

Geplantem Café-Bau droht das Aus

Warburg (WB). Mit großer Mehrheit hat der Warburger Stadtrat am Dienstagabend auf Antrag der CDU überraschend ein städtebauliches Gesamtkonzept für die Innenstadt auf den Weg gebracht. Hintergrund ist die Debatte um das von Architekt Karl-Heinz Cornelius geplante Café, welches das Ehepaar Lütkemeyer als Investor auf dem Neustadt-Marktplatz errichten möchte. Die Pläne für eine Bebauung des Marktplatzes sind damit offenbar zunächst vom Tisch.

Ralf Benner

Diese Pläne des Architekten Karl-Heinz Cornelius für das neue Marktplatz-Café weiter zu verfolgen, dafür hatte sich der Bezirksausschuss zunächst ausgesprochen. Nach der jüngsten Ratssitzung ist eine Bebauung des Platzes wohl vom Tisch. Foto:

Gleichwohl hat der Rat noch keine abschließende Entscheidung in der Angelegenheit Marktplatz-Café getroffen, da sich die bau- und denkmalrechtlichen Belange noch in Abstimmung mit den zuständigen Behörden befänden. Auch mit der Petition gegen das geplante Café will sich der Rat erst in seiner nächsten Sitzung am 3. März befassen. Eine schriftliche Stellungnahme der LWL-Denkmalpflege in Münster läge der Stadt noch nicht vor. Telefonisch habe ihm Dr. Christoph Heuter aber signalisiert, dass der LWL die vorliegende Planung für das Café so wohl nicht mittragen werde, teilte Stickeln in der Sitzung mit.

„Ein Café in dieser Art und Weise wollen wir nicht“

Alle im Rat vertretenen Fraktionen sprachen sich in der Sitzung unisono gegen einen Neubau auf dem Marktplatz aus. „Ein Café in dieser Art und Weise wollen wir nicht“, stellte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Hubertus Kuhaupt fest. „Es ist für uns selbstverständlich, den Marktplatz zu erhalten“, sagte Patrick Engelbracht (SPD). „Wir würden es begrüßen, wenn eine Bewirtschaftung des Marktplatzes aus einem der umliegenden Gebäude erfolgen würde“, ergänzte Wolfgang Gumm, Fraktionsvorsitzender der Bürger Union.

Nach Einschätzung von Bürgermeister Michael Stickeln sei es ohnehin so, dass seitens der Stadt Pläne für eine Bebauung des Marktplatzes nun nicht weiter verfolgt würden, solange kein Innenstadtkonzept vorliegt. So jedenfalls interpretiert Stickeln im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT den Antrag der CDU, den der Rat mehrheitlich angenommen hat. Walter Kerken (Die Linke) stimmte dagegen.

Bündnis 90/Die Grünen enthalten sich

Die drei Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich ihrer Stimme. „Wir werden aber weiterhin alles daran setzen, um die Etablierung eines Cafés mit Außengastronomie in einem der angrenzenden Immobilien zu ermöglichen, um dem Wunsch vieler Bürger Rechnung zu tragen“, versicherte Stickeln. Derzeit würden bereits entsprechende Gespräche mit den Eigentümern der Gebäude geführt.

Die Stadt hat vom Rat nun den Auftrag bekommen, ein Planungsbüro mit der Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Innenstadt zu beauftragen. Inspiriert von dem positiven Prozess zur Weiterentwicklung der „Lauren­tiushöhe Warburg“ zu einem inklusiven Quartier sollen die Bürger nach Vorstellung von Hubertus Kuhhaupt (CDU) an der Erarbeitung des Konzeptes in Form von Werkstatt-Gesprächen beteiligt werden. Einen Zeitplan für die Erstellung nannte die CDU nicht. Angedacht sei, das Vorhaben „mittelfristig“ umzusetzen, so Kuhaupt.

Strittige Fragen sollen geklärt werden

Durch das Innenstadtkonzept sollen viele strittige Fragen, etwa zu bau- und denkmalrechtlichen Belangen oder zum Verkehrsaufkommen in der Kernstadt, grundsätzlich geklärt werden, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Willi Vonde betonte. „Es ist unerträglich, wenn sich bei jedem Vorhaben in der Innenstadt eine Stimme aus München oder Erfurt zu Wort meldet, die hier mitmischen will, aber nicht hier lebt“, erklärte Vonde.

Bündnis 90/Die Grünen begrüßten die Aufstellung eines Gesamtkonzeptes für die Innenstadt. „Wir haben das ja schon immer gefordert“, erklärte Fraktionsvorsitzende Hilla-Zavelberg-Simon Eine Ratsperiode werde die Umsetzung eines solchen Konzeptes allerdings sicherlich brauchen, gab sie zu bedenken. Aus Sorge, damit würden alle Pläne für ein Café am Neustadt-Marktplatz auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt, enthielten die Grünen sich bei der Abstimmung ihrer Stimme, wie Hilla Zavelberg-Simon dieser Zeitung nach der Sitzung erläuterte.

Wirtschaftsförderer nimmt Stellung

Sören Spönlein, Wirtschaftsförderer der Stadt, nutzte die Sitzung für eine Stellungnahme. Er wehrte sich gegen den Vorwurf der Marktbeschicker, sie seien im Vorfeld nicht über die Pläne für das Marktplatz-Café informiert worden. Diese seien drei Wochen vor der Sitzung des Bezirksausschusses über das Vorhaben umfangreich aufgeklärt worden, sagte er. Ihnen sei zugesagt worden, dass der Wochenmarkt auf dem Platz bleibt. „Als neuer Anlaufpunkt sollte das Café auch zur Stärkung des Wochenmarktes dienen“, so Spönlein. Er bezeichnete das Verhalten der Marktbeschicker als „Widerwillen gegen Veränderung“.

Irritiert zeigte sich Spönlein, der in seiner Rede zudem die Wirtschaftlichkeit eines Cafés im Infocenter in Frage stellte, auch von den jüngsten Äußerungen des Architekten Karl-Heinz Cornelius. Tatsache sei, dass der Stadt und dem Bezirksausschuss nur eine Planung, die des oberen Marktplatzes, vorgelegen habe: „Eine Alternativplanung gab es nicht.“ Der Standort Hauptstraße/unterer Marktplatz sei von Cornelius favorisiert worden. Die Verwaltung habe lediglich den Hinweis gegeben, dass dadurch bis zu sechs Parkplätze wegfallen könnten. Die Stadt habe aber Planungen zu keinem Zeitpunkt eine Absage erteilt.

Ein Kommentar von Ralf Benner

Es ist in einer Demokratie nie zu spät, eine Entscheidung zurückzuziehen, wenn sich Mehrheiten in der öffentlichen Debatte ändern. Das hat die CDU-Mehrheitsfraktion in der Ratssitzung am Dienstagabend getan. Nachdem sich der Bezirksausschuss zunächst dafür ausgesprochen hatte, die Planungen für eine Bebauung des Neustadt-Marktplatzes mit einem Café weiter zu verfolgen, wobei die Standortfrage offen blieb, haben die Christdemokraten nun ihre Meinung geändert.

Eine Bebauung ist damit wohl vom Tisch. Auf Eis gelegt, bis es ein Gesamtkonzept für die Innenstadt gibt. Die Erfahrungen, die die CDU in der Debatte um das Pennig-Haus machen musste, die Petition und nicht zuletzt die Liste mit 862 Unterschriften gegen den Café-Bau haben dazu beigetragen. Nun sollen strittige Fragen, die vor der Kommunalwahl für Ärger Sorgen könnten, grundsätzlich durch ein Innenstadtkonzept geklärt werden. Gut so.

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