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Entweihte Kirche St. Albert Magnus in Ostheim bekommt eine neue Nutzung

Gin-Destille thront auf dem alten Altartisch

Warburg/Ostheim

Gin wird aus Wacholderbeeren gemacht. Und die wachsen rund um Liebenau-Ostheim reichlich. Ein Faible für diesen Schnaps hatte Kai Seidenhefter schon immer. „Irgendwann im Leben kommt man an einen Punkt, da ist genau die richtige Zeit, noch einmal etwas Neues zu beginnen“, sagt der heute 57-Jährige.

Astrid E. Hoffmann

I Foto: Astrid E. Hoffmann

Das hat er gemeinsam mit einem Freund 2016 getan und eine Destillerie aufgebaut. Inzwischen liefert die Firma „Diemelstrand“, deren Geschäftsführerin seit August 2020 Tochter Eike Seidenhefter ist, deutschlandweit ihre Produkte aus. Und im nächsten Jahr wird in der ehemaligen katholischen Kirche in Haueda produziert.

Kai Seidenhefter, Tobias Radler, Eike Seidenhefter und Andy Couling stehen hinter der Firma „Diemel­strand Distillers“, deren Markenzeichen die Wacholderdrossel, auf englisch „fieldfare“, ist. Beim Etikettieren und Verpacken helfen zwei Studenten.

Wie so oft, entstand die Idee bei einem Plausch in lockerer Runde. 2016 wurde erst in der heimischen Küche, dann in einer Gartenlaube experimentiert, schließlich ergab sich die Möglichkeit, die Alte Schmiede in Ostheim zu mieten. Dort wird derzeit noch produziert, aber der Umzug nach Haueda ist in vollem Gange.

Die dortige katholische Kirche St. Albert Magnus wurde 2018 entweiht und stand zum Verkauf. Kai Seidenhefter stellte dem Bistum Fulda sein Nutzungskonzept vor – und bekam den Zuschlag.

„Zwei Kirchenbänke stehen den Besuchern weiterhin zur Verfügung, dort wird es keinen Konsumzwang geben“, erklärt der 57-Jährige. Jeder kann also weiter zwanglos das Gebäude besuchen, in dem die Kommunion oder Hochzeit gefeiert wurde. Natürlich werden auch die Buntglasfenster, die derzeit von OSB-Platten geschützt werden, erhalten. „Der Katholik wird sich wiederfinden, wenn er uns besucht, dass gehört zum Konzept“, betont Kai Seidenhefter.

Die 1957 erbaute Kirche wird nun Produktionsstätte. Die große 380-Liter-Destille hat schon ihren Platz auf dem ehemaligen Altartisch gefunden. Die weiteren Gefäße werden erst aufgebaut, wenn die Renovierungsmaßnahmen abgeschlossen sind. „Wir haben um das Gebäude Büsche und Bäume zurückgeschnitten, der gesamte Platz soll gepflastert und für Veranstaltungen genutzt werden“, berichtet Geschäftsführerin Eike Seidenhefter.

Derzeit werden die Kirchenbänke abgeschliffen, der Altarraum wird noch gestrichen, die ersten Regale sind aufgebaut. Viele Ideen zur Gestaltung des Innenraumes sollen über die Winterzeit umgesetzt werden. Wie der Einbau einer Lounge auf der Empore, wo sich jetzt noch die elektrische Orgel befindet, und der Bar an einer Längsseite des Hauses. Da haben die „Distillers“ klare Vorstellungen. „Wir können hier richtig gute Aktionen umsetzen, Verköstigungen, später auch Kaffee und Kuchen bereit halten, alles ist möglich“, freut sich die 20-Jährige.

Besonders zu Gute kommt den Unternehmern, dass die Kirche über einen Anbau verfügt, in dem sich eine ausgestattete Küche und sanitäre Anlagen befinden. In Sichtweite liegen die Kanuanlegestelle und der Diemelradweg. Auch der Schmetterlingssteig tangiert die Kirche, beste Voraussetzungen für Einkehrer.

Der Gin aus Ostheim wird über den Handel vertrieben, er wird mit viel Liebe zum Detail hergestellt, ständig wird etwas Neues ausprobiert. „Wir gehen durch die Feldmark, sehen Kräuter, die zum Produkt werden können und erfreuen uns selbst an der Natur“, sagt Kai Seidenhefter.

Die Vielfalt der Kräuter eignet sich besonders für die Nischenprodukte, die in geringer Menge produziert werden und sich auch hervorragend zum Kochen eignen. Es gibt viele Routinearbeiten, aber auch die Momente des Ausprobierens, dazu kommt die Zusammenarbeit mit jungen Menschen, das liegt Kai Seidenhefter am Herzen.

Zur neuen Heimstätte gibt es mit der „St. Albert‘s Distillery Kollektion“ feine Kräuter- und Fruchtgeiste mit Bärlauch, Oregano, Liebstöckel oder Minze und mehr. Der Glüh-Gin war schon im Vorjahr beim Altstädter Weihnachtsmarkt ein Geheimtipp.

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