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Warburger Hundeschule im Lockdown – Kaum Chance auf Welpenerziehung

Halter sind auf sich allein gestellt

Warburg

„Hallo Hundefreunde, leider muss auch ich wieder meinen Betrieb wegen Corona einstellen. Kurse darf ich bis auf weiteres nicht stattfinden lassen“, ist online auf der Homepage von „Gillas Hundetraining“ zu lesen. „Ein Desaster“, wie Inhaberin und Hundetrainerin Gilla Klocke-Krull betont.

Alice Koch

Seit 2003 betreibt Gilla Klocke-Krull in Warburg eine Hundeschule. Sie hofft, dass sie möglichst bald das Training wieder aufnehmen kann. Foto:

Seit 2003 betreibt die ausgebildete Hundetrainerin ihre Hundeschule an der Anton-Böhlen-Straße in Warburg. Dort bietet sie normalerweise Problemhund-Therapie, Junghundetraining und Welpenstunden an. Dass es Hundeschulen Aufgrund der Corona-Verordnung verwehrt wird, Unterricht auf ihren Plätzen anzubieten, sei von allem für Welpen fatal.

Welpen müssen sozialisiert werden

Gerade zur Frühlingszeit kämen unzählige Welpen zur Welt. Sie sollten in den kommenden Monaten an das alltägliche Leben herangeführt werden. „Welpen sozialisieren sich nicht selber. Sie müssen nicht nur lernen, den Menschen als Chef zu akzeptieren, sondern sich auch anderen Hunden gegenüber richtig zu verhalten“, erklärt Klocke-Krull, die selber vier Hunde hat.

Fehle der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen, könne dies später sehr häufig zu Problemen führen. Was die jungen Hunde in ihrer Prägephase nicht gelernt haben, lässt sich auch nicht mehr aufholen. „Hat sich der Welpe ein falsches Verhalten eingeprägt, ist dieses eingebrannt wie bei einer CD und lässt sich auch nicht mehr löschen“, erklärt die Hundetrainerin.

Aber nicht nur die Vierbeiner lernen in ihrer Hundeschule das richtige Verhalten, auch die Menschen brauchen oft Hilfestellungen im Umgang mit ihrem Hund. „Häufig setzen sie falsche Signale, ohne es zu bemerken und wundern sich über die Reaktion des Tieres“, weiß Gilla Klocke-Krull. Eine falsche Kommunikation könne langfristig zu Problemen führen.

„Das ist ein Sicherheitsaspekt“

Dass auch Hundeschulen vom Lockdown betroffen sind, kann die 55-Jährige aus Pandemiesicht zwar nachvollziehen. Für Hundebesitzer sei das aber eine Katastrophe. „Viele Menschen, die Probleme mit ihrem Hund haben, stehen derzeit größtenteils alleine da. Je nachdem, wo das Problem liegt, ist dies auch ein Sicherheitsaspekt“, macht Klocke-Krull deutlich. „Man muss sich im Klaren darüber sein, dass Hundeschulen kein Freizeitspaß sind“, betont die Hundetrainerin. Als Dienstleisterin leite sie Menschen darin an, ihre Hunde sicher zu führen und auch sinnvoll zu beschäftigen.

Aber sie sieht noch ein weiteres Problem: „In der Corona-Krise haben sich viele Leute einen Hund angeschafft, ohne zu wissen, wie man mit ihm umgeht“, stellt sie fest. Deshalb vermutet sie, dass sie mit Anfragen überhäuft wird, sobald sie wieder öffnen darf. Auch befürchtet sie, dass viele Hunde nach der Pandemie im Tierheim landen werden, weil sie ständig kläffen, fremde Menschen anspringen, nicht ohne Bellen an anderen Hunden vorbeigehen, aggressiv reagieren oder für ihre Halter „einfach zu schwierig“ sind.

Für die Zeit des Lockdowns eine Hilfestellung per Video anzubieten, hält Gilla Klocke-Krull für wenig zielführend. „Ich möchte die Menschen da abholen, wo sie stehen. Dazu muss ich sie gemeinsam mit ihrem Hund erleben, um den Umgang miteinander beurteilen zu können und die Signale zu deuten, welche die Menschen oft unbewusst ihren Tieren geben“, erläutert die Hundetrainerin.

Pläne für das Jahr 2021

Sie hat für dieses Jahr noch große Pläne. Mitte des Jahre öffnet sie eine Hundepension an der Scherfeder Straße in Rimbeck. Diese soll Platz für neun Übernachtungshunde sowie etwa sechs Tagesplätze bieten. „Nach der Pandemie werden die Leute wieder in den Urlaub fahren und möchten ihren Hund gut untergebracht wissen“, ist sich Gilla Klocke-Krull sicher.

Außerdem würden die Menschen dann weniger im Homeoffice arbeiten, sodass sie tagsüber eine Betreuung für ihren Vierbeiner bräuchten. „Der genaue Zeitpunkt der Eröffnung steht noch nicht fest. Das hängt von der Entwicklung der Pandemie ab“, bedauert Gilla Klocke-Krull, die gerade erst eine Corona-Infektion mit Krankenhausaufenthalt überstanden hat.

Das ist auch der Grund, warum sie ihre Hundeschule – wenn es wieder erlaubt ist – erst Mitte März wieder öffnen wird: Sie möchte sich erst wieder „richtig fit“ fühlen, um sich voll und ganz um ihre Kunden kümmern zu können – die vier- und die zweibeinigen.

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