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Warburger Geschäfte schlagen Alarm – Bürgermeister und die Hanse wollen „gemeinsam da rauskommen“

„Händler für jeden Auftrag dankbar“

Warburg

Nach wochenlangem Lockdown befindet sich der Warburger Einzelhandel in einer schwierigen, teils dramatischen Lage. Das haben Bürgermeister Tobias Scherf, Wirtschaftsförderer Sören Spönlein sowie der Lenkungskreis der Warburger Hanse am Donnerstag in einer Pressekonferenz deutlich gemacht

Jürgen Vahle

Die Warburger Haupteinkaufsstraße ist vom Kassler bis Paderborner Tor 1,3 Kilometer lang und die Heimat von 120 Geschäften. 25 stehen derzeit leer Foto: Christian Geschke

. Scherfs Appell an die Warburger: „Die lokalen Händler sind auch im Lockdown über Telefon, E-Mail oder soziale Medien erreichbar und für jeden Auftrag dankbar.“

Zwar haben die Folgen der Corona-Pandemie noch keine Geschäftsschließung in der Hansestadt zur Folge gehabt. „Aber die werden sicher kommen“, sind sich Sören Spönlein und Wilm Pollmann, Sprecher der Gewerbetreibenden, sicher: „Geschäfte werden ohne viel Aufsehen unter der Decke sterben. Das ist die Tragik“, sagt Pollmann.

Die Krise habe den ohnehin deutschlandweit stagnierenden stationären Einzelhandel dramatisch getroffen. Branchenspezifisch gebe es zwar noch Unterschiede, aber sicher würde es 50 Prozent der Geschäfte ohne staatliche Hilfen nach Ende der Pandemie nicht mehr geben, vermutet die Warburger Hanse.

Auch die Warburger Einzelhändler fordern eine Perspektive für die Wiedereröffnung, zumal viele Regelungen ohnehin nicht nachvollziehbar seien, sagt Wilm Pollmann. Gerade in einer Pandemie könnten Einzelhändler wie in Warburg durch die überschaubare Struktur und mit guten Hygienekonzepten punkten. „Aber im Moment sind viele ratlos. Nichts läuft. Man macht nur Rechnungen auf“, ärgert sich Wilm Pollmann.

Die Unsicherheit und die Existenzangst sei das Schlimmste. „Das Wintergeschäft ist weggebrochen, die Stimmung ist schlecht, ein Ende nicht in Sicht, das Ausstiegsszenario fehlt“, fasst Bürgermeister Tobias Scherf die Lage zusammen.

Einzelhändler wie Modeexpertin Karin Jakobs aus dem Lenkungskreis der Hanse beklagen zudem, dass versprochene finanzielle Hilfen des Staates immer noch fehlten. Und selbst wenn sie gezahlt werden, deckten sie nur einen Teil der Ausgaben. „Ich müsste eigentlich jetzt schon die Ware für den Herbst ordern. Aber die Lager sind noch voll“, beschreibt sie ein weiteres Problem.

Almosen vom Staat seien aber nicht das, was die Warburger Einzelhändler wollten, unterstützt Bürgermeister Tobias Scherf. Das seien selbstständige Unternehmer, die sich über Beratung, Qualität und Regionalität der Produkte deutlich vom Onlinehandel absetzten. Und auch Wilm Pollmann glaubt, dass der Facheinzelhandel in Warburg nicht so schnell aufgeben werde, zumal die Stadt ein attraktives Einkaufsumfeld und kurze Wege zu den Geschäften biete. „Aber erst einmal müssen die Leute wieder arbeiten dürfen“, bringt es Sören Spönlein auf den Punkt.

Bürgermeister Scherf will daher alle Hebel in Bewegung setzen, damit „wir gemeinsam da rauskommen. Wir haben als Stadt ein paar Möglichkeiten zu helfen.“ Wie am Donnerstag berichtet, soll der Hauptausschuss am Dienstag beschließen, dass Einzelhändler für den Rest des Jahres öffentliche Verkehrsflächen kostenlos für Gastronomie, Warenauslage oder Werbung nutzen dürfen. Außerdem sollen an Samstagen weiter keine Parkgebühren erhoben werden. In den ersten zwei Wochen nach Ende des Lockdowns soll zudem freies Parken in der Stadt möglich sein. Man habe auch noch ein paar andere Ideen in der Hinterhand, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen sei, sagt Tobias Scherf.

Dem bereits bestehenden Problem des Leerstandes – das betrifft etwa 25 von 120 Ladenlokalen und Büros in der direkten Innenstadt – werde mit dem 110.000 Euro starken Sofortprogramm Innenstadt begegnet. Wirtschaftsförderer Spönlein hofft, dass so bis zu zehn Geschäfte wieder mit Leben gefüllt werden könnten.

Die Warburger Hanse selbst plant ob der unsicheren Lage und der mittlerweile arg geschröpften Kasse zunächst keine eigenen Events, würde sich aber an Feste wie die Oktoberwoche oder das Kälkenfest „dranhängen“, so sie denn stattfinden. Auch kleinere Aktionen, womöglich schon zu Ostern, soll es geben. Auch zu den Feierabendmärkten, von denen 2021 zunächst drei geplant sind, könne noch etwas möglich sein, sagt Sören Spönlein – und verspricht: „Zum Start am Tag X werden wir für den Standort trommeln.“

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