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Josef Schwiegershausen baut Krippen – Vor 20 Jahren sprang der Funke über

Heilige Familie kommt in Warburg-Scherfede unter

Warburg (WB). Wie das Jesuskind gebettet wird, das entscheidet Josef Schwiegershausen. Der 71-jährige Scherfeder ist nämlich passionierter Krippenbauer. Bei ihm findet die Heilige Familie an Heiligabend stets ein passendes Dach über dem Kopf. Und das seit etwa 20 Jahren.

Daniel Lüns

Ein Blick ins heimische „Lager“: Josef Schwiegershausen baut 15 bis 20 Krippen pro Jahr. Je nach Ausführung arbeitet der Scherfeder ­zwischen zehn und 15 Stunden an einem Stück. Viele von ihnen sind sogar beleuchtet. Foto: Daniel Lüns

„Holz ist meine Leidenschaft. Schon seit Kindesbeinen an“, erinnert er sich. Beruflich hatte der gelernte Großhandelskaufmann, der zuletzt als Lagerist gearbeitet hatte, mit dem Werkstoff jedoch kaum etwas zu tun. „Ich habe mir alles selbst beigebracht.“ Hier eine aufwendige Schnitzerei, dort ein mannshohes Vogelhäuschen. Aber bis zu den ersten selbstgemachten Krippen sollte noch Zeit vergehen.

Gern gesehener Gast auf vielen Weihnachtsmärkten

Der Funke sprang vor etwa 20 Jahren über. Da besuchte der Scherfeder in Bad Arolsen eine Krippenausstellung. Seitdem brennt seine Leidenschaft lichterloh. Und bei vielen Ausstellungen und Weihnachtsmärkten in den Kreisen Höxter und Paderborn und dem Hochsauerlandkreis sind er und seine Werke nicht mehr wegzudenken.

Wer an seinen Ständen entlang stöbert, findet Krippen in verschiedensten Ausführungen. Beliebt sind die urigen Stücke, die der 71-Jährige aus großen Wurzelballen baut. Dünnere, knorrig gewachsene Äste und Wurzeln sorgen ebenfalls für eine urige, heimelige Atmosphäre unterm Weihnachtsbaum. Krippen im bayerischen Stil wiederum bestehen aus einem wuchtigen Hauptgebäude mit großem Dach und Balkonen – und sogar kleinen selbst modellierten Räumen aus Gips.

10 bis 15 Stunden Arbeit stecken in jedem Stück

Etwa 10 bis 15 Stunden Arbeit stecken in jedem Stück – je nach Ausstattung, Dekoration und Aufwand. Zudem müssen die ganzen Bestandteile erst einmal beschafft werden. Sperrholz für Rückwände lässt sich noch leicht besorgen. Mehr Aufwand machen die Bestandteile der Eichenkrippen.

Die tragenden Stützen und das Dach schneidet sich Schwiegershausen zurecht, „die Teile für die Verkleidung oder die Schindeln spalte ich selbst“. Auf eigene Faust kümmert sich der 71-Jährige auch um die Beschaffung der Wurzelballen. Die sucht er im Wald.

Wurzelballen kommen aus dem Wald

„Dafür habe ich eine Genehmigung“, erklärt er. Eine Handkarre hilft dabei, die bis zu sieben Kilo schweren Klötze wegzuschaffen. „Manche Stücke bekomme ich auch von Bekannten.“ Noch aufwendiger ist das Beschaffen der dünneren, knorrig gewachsenen Äste und Wurzeln. „Die bringe ich aus dem Urlaub in Bayern mit“, erklärt der 71-Jährige. Dafür nehme er sogar einen speziellen Rucksack und eine Säge mit.

Sind alle Teile zusammengetragen, beginnt die eigentliche Arbeit. „Die Grundfläche für die Wurzelkrippen muss ich mit der Motorsäge zurechtschneiden. Die Ballen sind einfach zu groß. Manche messen im Längsschnitt 1,20 Meter“, sagt der Baumeister. Aus den dicksten Knollen entstehen sogar zwei Krippen. „Aus Sperrholzplatten mache ich die Bodenplatte samt Einfassung. Darauf wird der Oberbau geschraubt.“

Liebevoll dekorierte Krippen

Liebevoll dekoriert werden die Stücke natürlich auch. Den Boden bildet ein Beet aus Moos, das aus den Wäldern des Eggegebirges stammt. Auch Flechten und Kiefernzapfen finden Platz. Die Futterkrippe wird mit Heu bestückt. Fast alle Stücke bekommen eine Beleuchtung. Ist die Krippe fertig, dann wird sie mit Leben gefüllt: Die Figuren ersteht der 71-Jährige im Internet.

Dort trifft er auch auf seine Konkurrenz. „Jeden Tag werden alleine bei eBay-Kleinanzeigen etwa 150 Krippen neu eingestellt – für Preise zwischen fünf und 5000 Euro“, sagt Josef Schwiegershausen. „Ich schaue mir die Modelle an. Mittlerweile habe ich meinen Stil zwar gefunden. Aber wenn ich eine schöne Idee sehe, übernehme ich das auch.“

Mit dem Input geht es dann gleich wieder in die heimische Werkstatt. Denn Krippen bauen, das kann Josef Schwiegershausen das ganze Jahr über. Auch im Sommer, wenn andere bei 35 Grad im Freibad sind. Schließlich muss ja einer dafür sorgen, dass das Jesuskind an Heiligabend ein passendes Dach über dem Kopf findet.

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