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Weg zwischen Petri-Stiege und Hüffertstraße nach berühmtem Neurologen benannt

Hermann Oppenheim Denkmal gesetzt

Warburg (WB). Mit Hermann Oppenheim hat jetzt ein berühmter Sohn der Stadt Warburg eine große, aber späte Ehrung erfahren: Der Verbindungsweg zwischen der Petri-Stiege und der Hüffertstraße ist nach dem 1858 in Warburg geborenen Neurologen benannt worden. Er trägt nun dem Namen »Hermann-Oppenheim-Weg«.

Ulrich Schlottmann

Mit dem Durchschneiden eines Bandes ist der Hermann-Oppenheim-Weg eröffnet worden (von links): Prof. Dr. Heiko Bewermeyer, Bürgermeister Michael Stickeln, Klinikgeschäftsführer Christian Thiemann, Bernd Huesmann, Vorsitzender des Vereins der Ehemaligen und Förderer des Marianum, und Prof. Axel Karenberg, Präsident der Gesellschaft für die Geschichte der Nervenheilkunde, Foto: Schlottmann

Die Anregung zu der Wegbenennung hatte der Warburger Neurologe Prof. Dr. Heiko Bewermeyer gegeben. Unterstützung erhielt er vom Verein der Ehemaligen und Förderer des Gymnasium Marianum, an dem Oppenheim 1877 sein Abitur abgelegt hatte. Umgesetzt haben die Idee die Stadt Warburg und das Klinikum Warburg, auf deren Grundstück sich der Weg befindet.

Titel »weltbekannter Neurologe« ist berechtigt

In seiner Festrede zur Eröffnung des »Hermann-Oppenheim-Weges« unterstrich Prof. Axel Karenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für die Geschichte der Nervenheilkunde, dass der Titel »weltbekannter Neurologe« auf dem Erklärtäfelchen des Straßenschildes seine Berechtigung hat. Die Internationalität der Patienten in seiner Berliner Klinik, seine globale Strahlkraft als Ausbilder und die Weltgeltung des von ihm verfassten Lehrbuches, das noch heute als Standardwerk gelte, belegten dies. Die Vorwegnahme einer psychosomatischen Medizin und die Analyse der posttraumatischen Belastungsstörungen kennzeichneten ihn als einen Wegbereiter der modernen Neurologie, sagte Karenberg.

Als Jude und als nicht immer einfacher Charakter habe Oppenheim aber auch Kränkungen hinnehmen müssen. So seien ihm eine Professur und ein Lehrstuhl verwehrt geblieben.  Nach 1933 seien seine Leistungen und Verdienste mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Dies habe sich nach 1945 bruchlos fortgesetzt. Erst seit den neunziger Jahren nehme Oppenheim in der Medizingeschichte wieder den Platz ein, der ihm zukomme. »Die Straßenbenennung, 160 Jahre nach seiner Geburt in Warburg und 100 Jahre nach seinem Tod, darf als angemessene und hoch verdiente Anerkennung angesehen werden«, meinte der Festredner.

Denkmal für einen großen Sohn Warburgs

Heiko Bewermeyer zeichnete den jüdischen Hintergrund Oppenheims nach, der nach seinen Worten aus einer sehr religiösen Warburger Familie stammte. Bewermeyer ließ Oppenheim gedanklich einen Weg nehmen von seinem Elternhaus in der Altstadt bis zur Petri-Stiege – vorbei am jüdischen Friedhof, auf dem seine Eltern beerdigt sind, und vorbei am Emil-Herz-Platz, der seinen Neffen würdigt. »Hermann Oppenheim war in Warburg bislang zu wenig bekannt und geschätzt«, sagte Bewermeyer. Nun habe ein »großer Sohn Warburgs und weltbekannter Neurologe ein dauerhaftes Denkmal erhalten«.

Ein Brücke zu aktuellen gesellschaftlichen Vorkommnissen schlug Bernd Huesmann, früherer Leiter des Gymnasium Marianum: »In Verbindung mit dem Emil-Herz-Platz und dem jüdischen Friedhof kann der Hermann-Oppenheim-Weg vielleicht etwas dazu beitragen, dass wir uns in Warburg des jüdischen Erbes unserer Stadt bewusst bleiben und allen Anfeindungen gegen die jüdische Minderheit in Deutschland energisch entgegentreten.«

Bürgermeister Michael Stickeln sprach allen Dank aus, die sich für die Benennung des Weges nach Hermann Oppenheim eingesetzt hatten. Mit der Beschilderung des Weges werde die Erinnerung an den aus Warburg stammenden Nervenarzt und seine beachtlichen beruflichen Leistungen nachhaltig bewahrt.

Oppenheim-Reflex ist Standarddiagnose

Hermann Oppenheim habe wichtige Grundsteine für die neurologische Patientenversorgung in Krankenhäusern gelegt, erinnerte Klinikgeschäftsführer Christian Thiemann. Die ungebrochen hohe wissenschaftliche Bedeutung des Arztes machte Thiemann daran fest, dass der sogenannte Oppenheim-Reflex heute noch zur Standarddiagnose bei Neurologen zählt. Dabei streicht der Arzt mit Daumen und Zeigefinger kräftig die Schienbeinvorderkante herunter. Kommt es dabei zu einer Spreizung der Zehen, kann das bei Erwachsenen auf eine krankhafte Störung hinweisen, bei Babys ist es normal. Er habe das an sich selbst ausprobiert, berichtete Thiemann: »Bei mir war alles in Ordnung!«

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