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Laubach erinnert an seine wechselvolle Geschichte – Fest am Sonntag

Hoffnung auf ein neues Leben

Warburg/Diemelstadt (WB). Laubach, das sind sieben Häuser, 30 Einwohner und jede Menge Tiere. Der kleine Flecken zwischen Wethen und Rhoden blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. »70 Jahre Aufsiedlung Laubach«: Das wird am Sonntag, 1. September, gefeiert.

Astrid E. Hoffmann

Die Laubacher wollen an diesem Sonntag, 1. September, auf ihre wechselvolle Geschichte zurückblicken. Viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge fanden von 1949 an nahe dem Rhodener Graben eine neue Bleibe. Zum 70. Jahrestag der so genannten Aufsiedlung gibt es nun ein Fest. Auf dem Hof Guntermann wird die Geschichte Laubachs mit vielen Fotos und auch Postkarten präsentiert werden. Foto: privat

Von 10 Uhr an wollen die Laubacher die Historie ihres Ortes vorstellen und auch zeigen, was dieses Stückchen Erde von je her geprägt hat: die Landwirtschaft. Diese war der Broterwerb für die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, die 1949 nahe dem Rhodener Graben eine neue Bleibe fanden.

Für viele war Laubach nach dem Verlust der Heimat das Sprungbrett in ein neues Leben. Seit 1948 haben etwa 290 Personen eine Zeit lang dort gelebt. Inzwischen gibt es viele neue Einwohner in Laubach, aber auch noch Nachfahren der ersten Siedler. »Wir haben alle Menschen eingeladen, die eine persönliche Verbindung zu Laubach haben«, erklärt Richard Lehmann vom Festkomitee.

Festprogramm

Mit einem Freiluft-Gottesdienst geht es um 10.15 Uhr los. Um 11.30 und um 15 Uhr gibt es Führungen durch die ehemalige Domäne. Um 13 Uhr werden auf dem Biohof Pieper Schafe geschoren. Von 14 Uhr an wird Weizen gemäht und gebindert. Hafer wird mit dem historischen Dreschkasten gedroschen. In die Kartoffeln geht es um 16 Uhr.

Die Arolsener Imker stellen sich vor. Wie Wolle verarbeitet wird und wie es in einer Töpferei zugeht, auch das verrät der Festtag den Gästen. Für Kinder gibt es einen Streichelzoo.

Mitglieder aus allen Laubacher Familien gehören zum Festkomitee und bereiteten gemeinsam den 70. Jahrestag vor. Foto: Astrid E. Hoffmann

Und natürlich wird nicht nur wie in alten Zeiten gearbeitet, es werden auch an allen Ecken Getränke und Speisen geben. »Das Fest ist ein großes Gemeinschaftsprojekt und stärkt unsere Gemeinde«, sagt Richard Lehmann.

Blick in die Geschichte

Um 1652 wurde eine Meierei beim Laubacher Teich mit Blick auf Rhoden errichtet. 1688 verpfändete Fürst Georg Friedrich von Waldeck die landesherrliche Meierei Laubach an die Witwe Marie Sophie Freiin von Spiegel, Herrin zu Schweckhausen, und ihre Söhne. Laubach bleibt etwa 100 Jahre im Spiegelschen Besitz.

Gutshof wird 1811 an die Stadt Rhoden verkauft

Nach 1786 geht Laubach an Prinz Georg von Waldeck, der den Gutshof 1811 an die Stadt Rhoden verkauft. Laubach wird an Theodor Görg und später seinen Sohn Hermann Görg verpachtet. 1941 liefen die Pachtverträge für die Domäne mit der Familie Görg aus.

Zufluchtsort für Flüchtlinge und Vertriebene

Die »Hessische Heimat« wurde neuer Eigentümer und so wurde Laubach schon ab 1945 für viele Flüchtlinge und Vertriebene erster Zufluchtsort.

»Nach einem wechselvollen und nicht immer glücklichen Jahrzehnt, sollte das Restgut Laubach 1948 durch den Oberregierungspräsidenten in Kassel aufgelöst werden. Für den verbleibenden Rest von etwa 500 Morgen sollten sechs Siedlerstellen geschaffen werden«, berichtet Richard Lehmann, dessen Großvater 1950 nach Laubach kam.

Im Dezember 1949 war es soweit. Fünf Großfamilien aus Schlesien, Nord-Mähren, Österreichisch-Schlesien und von der Wolga zogen in das große Herrenhaus (20 Zimmer) und lebten dort bis die diversen Wirtschaftsgebäude in Wohngebäude umgebaut waren.

Die verschiedenen Kulturen rückten zusammen. Sie alle kamen aus der Landwirtschaft und wussten den Flecken Erde zu bewirtschaften. Schon 1950 bauten sie einen Festwagen und zogen unter dem Motto »Alle unter einen Hut, dann wär‘s gut« beim Rhodener Viehmarkt mit.

Zum 70. Jahrestag der so genannten Aufsiedlung (Parzellierung von Gütern) grüßt mitten im Ort eine Kuh. »Uff der Laubach«, wie der Waldecker sagt, ist am Feiersonntag für Fahrzeuge gesperrt. Parkplätze gibt es hinter dem Abzweig von der Kreisstraße 1 von Wethen oder Rhoden oder direkt von Rhoden kommend je auf einer Straßenseite.

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