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„Ein Bild – und seine Geschichte“: Drei Großprojekte prägen ab 1923 die Entwicklung der Warburger Hüffert

Hospital, Schule und Sportplatz entstehen

Warburg

In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde diese Flugaufnahme gemacht. Sie zeigt die Hüffert in Warburg. Um sie geht es in der letzten Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

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Die Warburger Hüffert aus der Luft betrachtet. In den 1930er-Jahren wurde diese Aufnahme gemacht. „Flugzeugaufnahme Warburg, Krankenhaus und Marienschule“ steht darunter. Foto: Stadtarchiv Warburg

20 Jahre zuvor hätte man fast ausschließlich auf Gärten und Felder geblickt. Ab 1923 wurde dann gebaut. Drei Großprojekte für die Bereiche Bildung, Gesundheit und Sport entstanden in nur wenigen Jahren: Das Krankenhaus und die Hüffertschule ab 1923 sowie der Sportplatz 1927/28.

Augenscheinlich war der Pilot an einem Sommertag unterwegs, denn auf einigen der Felder stehen Getreidegarben zum Trocknen zusammengestellt. Ansonsten wurden die Hüffert und ihr angrenzender Bereich noch rein landwirtschaftlich genutzt, außerdem sind einige zum Teil von Hecken gesäumte Gärten zu erkennen. Den Schützenplatz säumen Baumreihen, am Stiepenweg steht das Haus Dr. Potthast.

Im frühen 20. Jahrhundert war es eng geworden in der Neustadtschule. Neben den Volksschulkindern wurde hier der Unterricht für mehr als 150 Schülerinnen der höheren Töchterschule erteilt, die 1919 von den Armen Schulschwestern übernommen worden war. Ein Neubau war unumgänglich.

Schulgebäude war 1927 fertig

Die Stadt stellte den Baugrund zur Verfügung. Zuerst wurde das Schwesternhaus gebaut. Am 19. Juli 1924 weihte es der Paderborner Bischof Caspar Klein ein, am gleichen Tag wurde der Grundstein für die Kapelle gelegt. Sie konnte am 2. Juli 1925 geweiht werden. Das Schulgebäude war im Oktober 1927 fertiggestellt. Die Schule trug nun den Namen „Marienschule“ und war als öffentliche Schule anerkannt. Das Warburger Kreisblatt lobte den stattlichen Bau in seiner Berichterstattung über die Einweihung als „eine Zierde der Stadt“. Mehr als 200 Schülerinnen konnte man zählen.

Eine Haushaltungsklasse war angegliedert worden, später folgte noch ein Kindergarten. 1947 zum Mädchengymnasium umgestaltet, erhielt das inzwischen koedukative Hüffertgymnasium einen 1978 eingeweihten Neubau.

Das erste Warburger Krankenhaus war 1837 im heutigen Corvinushaus an der Sternstraße eröffnet worden. Am 2. Februar 1922 fiel der Grundsatzbeschluss der Warburger Stadtverordneten für den dringend notwendigen Neubau. Bürgermeister August Dissen hatte eine staatliche Förderung von bis zu 30 Prozent erreichen können. Im Spätherbst 1923 begann man mit den Erdarbeiten. Im Herbst 1924 war der Rohbau fertiggestellt.

Baustelle lag länger still

Da neue Kredite aufgrund der Zeitumstände nicht oder nur schwer zu beschaffen waren, lag die Baustelle über längere Zeit weitgehend still. Aber am 19. November 1926 war es dann endlich so weit: Die ersten Patienten konnten ihre Krankenzimmer beziehen und die Urkunde für den Schlussstein wurde eingemauert.

In der Urkunde heißt es: „In Erinnerung an das älteste Hospital der Stadt, das St.-Petri-Hospital, welches im Dreißigjährigen Kriege 1622 durch Christian von Braunschweig zerstört, und in Anbetracht der Tatsache, dass ein den heutigen Verhältnissen entsprechendes Hospital in unmittelbarer Nähe der Stelle jenes Hospitals nach 300 Jahren wieder errichtet wird, wird dem neuen Hospital der Name St.-Petri-Hospital beigelegt und Kirche und Hospital unter den Schutz des Apostelfürsten - des heiligen Petrus - gestellt.“

92 Meter lag war der Neubau. Das Krankenhaus umfasste neben den Patientenzimmern und zwei Operationssälen unter anderem eine Isolierstation, eine Kapelle mit 144 Sitzplätzen und eine Klausur für die Barmherzigen Schwestern. Im Dachgeschoss waren Zimmer für Senioren untergebracht. Das Krankenhaus wurde weitgehend von heimischen Handwerkern errichtet. Die für den Bau notwendigerweise aufgenommenen Darlehen hatten Zinssätze von bis zu neun Prozent und belasteten den städtischen Haushalt noch sehr lange.

Bettenhaus entsteht ab 1970

Ein siebengeschossiges Bettenhaus entstand ab März 1970. Im Zuge dieser Maßnahme wurde die Straßenführung verändert und die Petristiege, im Foto unten links zu erkennen, verfüllt. 2014 wurden der Altbau, das Bettenhaus und das Schwesternwohnheim abgerissen. Die alte Kapelle ist noch erhalten und die Petristiege wieder aktiviert.

Als Sportplatz für die Schulen und die Vereine hatte lange Zeit der Schützenplatz gedient. Nach der Inbetriebnahme des unmittelbar benachbarten Krankenhauses wurde ein neuer Ort gesucht, um Lärmbelästigungen für die Patienten zu vermeiden. Im Sommer 1927 wurde dann mit den Arbeiten südlich des Stiepenweges begonnen. Finanziert wurde die Maßnahme weitgehend aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge.

Die Einweihungsfeier begann am 29. September 1928 mit der Enthüllung des „Turnvater-Jahn-Gedenksteins“, der noch heute am Sportplatz steht. Eröffnet wurde an diesem Wochenende auch die unmittelbar benachbarte Jugendherberge, die im ersten Halbjahr 1928 errichtet worden war und heute längst verschwunden ist.

WB-Reihe wird zum Buch

Ein Bild – und seine Geschichte“: Viele Wochen lang hat das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit dem Warburger Stadtarchiv jeden Samstag ein altes, oft vergilbtes Foto oder ein Gemälde aus dem Fundus im „Stern“ gezeigt. Dazu gab es die erstaunlichen , manchmal kuriosen , oft auch traurigen Geschichten zu den Bildern. Heute lesen sie den letzten Teil dieser Reihe.

Entstanden war die Idee zu der Artikelreihe im März 2020, als der erste Corona-Lockdown auch das Warburger Land traf. Um in Zeiten ohne Feste, Veranstaltungen und politische Debatten interessanten Stoff für Sie, liebe Leserinnen und Leser, präsentieren zu können, wurde diese lokalhistorische Serie in die Planung mit aufgenommen – und fand guten Zuspruch.

Viele Briefe, E-Mails und Facebook-Kommentare haben wir bekommen. Darunter waren Lob, manchmal Kritik, gelegentlich kleine Korrekturen zu den Sachverhalten, die teils mehrere hundert Jahre zurückliegen. Allen Fürsprechern und Kritikern ein herzliches Dankeschön.

Angelegt war die Serie auf exakt ein Jahr oder 52 Wochen. Doch Ihr Lob und Ihre Kritik hat uns veranlasst, das Projekt mit der heutigen Ausgabe nicht vollends enden zu lassen. In Zusammenarbeit mit der Hansestadt Warburg und dem Warburger Museumsverein ist geplant, die 52 Folgen der WB-Serie in einem Buch zu veröffentlichen. Stadtarchivar Franz-Josef Dubbi, der auch Autor der Texte war, steckt bereits tief in der Arbeit.

Erscheinen soll das Buch zu „Ein Bild – und seine Geschichte“ im Frühsommer und dann an verschiedenen Verkaufsstellen in der Stadt erhältlich sein.

Auch wenn diese Serie zu Ende geht: Die Warburger Stadtgeschichte wird auch in Zukunft immer wieder wichtiger Bestandteil der Berichterstattung Ihrer Heimatzeitung sein. Denn das bald 1000 Jahre alte „Rothenburg Westfalens“ hat einfach zu viel zu bieten.

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