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Nach Flucht aus dem Iran: Mohammad Teymouri macht Lehre zum Bankkaufmann

In Warburg zweite Heimat gefunden

Warburg (WB). Charmant und mit einem freundlichen Lächen auf den Lippen steht Mohammad Teymouri am Schalter und bedient die Kunden der Vereinigten Volksbank. Er ist glücklich und zufrieden. Das war nicht immer so. Hinter ihm liegt die Flucht aus dem Iran, wo ihm nach eigenem Bekunden die Todesstrafe droht. In Warburg hat der Iraner jetzt eine neue Heimat gefunden.

Ralf Benner

Mohammad Teymouri (24) hat nach seiner Flucht aus dem Iran in Warburg eine zweite Heimat gefunden. Der 24-Jährige macht bei der Vereinigten Volksbank eine Lehre zum Bankkaufmann. Ausbildungsleiter Thomas Göke ist mit ihm sehr zufrieden. Foto: Ralf Benner

Als einer von aktuell sieben Auszubildenden der Vereinigten Volksbank hat der 24-Jährige im September eine Lehre zum Bankkaufmann begonnen.

Beschäftigt ist er zurzeit in der Filiale des Geldinstituts in der Warburger Hauptstraße. Sein Arbeitgeber ist voll des Lobes über die Arbeit, die Mohammad Teymouri dort leistet, und auch über seine sehr guten Deutschkenntnisse.

»Es läuft super«, freut sich Thomas Göke, Personal- und Ausbildungsleiter der Genossenschaftsbank. »Wer bei uns arbeiten und Erfolg haben will, muss Bock auf Menschen haben, sich gut ausdrücken können und gerne den Kontakt zu den Kunden suchen. Das alles bringt Mohammad Teymouri mit«, erklärt der Diplom-Betriebswirt.

Deutsche Sprache in Warburg gelernt

Die deutsche Sprache hat der Iraner in Warburg erlernt. Vor vier Jahren war er aus religiösen Gründen aus dem Iran geflohen. Er hatte sich von einem Freund zum Christentum bekehren lassen.

Als Muslim gehörte er bis dahin der Glaubensrichtung der Schiiten an. »Vor fünf Jahren habe ich mich für Jesus entschieden, da war ich gerade 18 oder 19 Jahre alt«, erzählt Teymouri. Damals habe er gerade mit einem Studium begonnen. Er wollte Bauingenieur werden.

Seinen neuen Glauben konnte er elf Monate erfolgreich vor der Außenwelt geheim halten. Doch dann flog alles auf. »Ich liebe mein Heimatland, doch es war dort nicht mehr sicher genug für mich«, sagt der heute 24-Jährige. Denn Christen drohe im Iran die Todesstrafe, berichtet Teymouri.

»Lebensgeschichte hat mir imponiert«

Er flüchtete schweren Herzens aus dem Iran und musste seine Eltern, seinen sieben Jahre älteren Bruder sowie viele Freunde und Bekannte in dem Land zurücklassen. »Meine Eltern wissen, dass ich zum christlichen Glauben gefunden habe und akzeptieren es«, erklärt er. Den Kontakt zu seinen Eltern und zu seinem Bruder hält er über Telefon oder Skype aufrecht.

Einige Freunde von früher hätten sich allerdings von ihm abgewandt, weil er nun Christ sei, bedauert Teymouri. Er habe die Hoffnung, dass ihn seine Eltern eines Tages in Warburg besuchen kommen. »Ein Leben in Deutschland wäre aber nichts mehr für sie, dazu sind sie zu alt«, sagt er.

»Die Lebensgeschichte des jungen Mannes hat mir sehr imponiert. In jungen Jahren eine solche einschneidende Entscheidung zu treffen und die Konsequenzen dafür auf sich zu nehmen und zu tragen, beeindruckt mich«, sagt Ausbildungsleiter Thomas Göke anerkennend und voller Respekt.

Azubi hofft auf Asyl in Deutschland

Als Mohammad Teymouri vor vier Jahren nach Deutschland kam, landete er als Asylbewerber zunächst in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Siegen. Er war dann zwei Jahre lang in der Flüchtlingsunterkunft in Dössel untergebracht. Heute lebt der junge Mann in einer eigenen kleinen Wohnung.

Er hofft darauf, Asyl in Deutschland zu bekommen. Er verfügt derzeit noch über eine »Aufenthaltsgestattung«, wie es im Behördendeutsch heißt. Während seiner zweieinhalbjährigen Ausbildung zum Bankkaufmann werde diese Aufenthaltsgenehmigung alle sechs Monate erneuert, berichtet sein Ausbildungsleiter.

Vor etwa zwei Jahren arbeitete Teymouri zunächst als Maschinenführer beim Warburger Verpackungsspezialisten Coveris. Dann bekam er die Gelegenheit, bei der Vereinigten Volksbank ein Praktikum zu absolvieren, bei dem er einen sehr guten Eindruck hinterließ. In Kooperation mit der Arbeitsagentur schloss sich eine sechsmonatige sogenannte Einstiegsqualifikation (EQ) in dem Geldinstitut an.

Engagement in Kirchengemeinde

Und weil alles so prima lief, kann er in der Genossenschaftsbank nun eine Lehre zum Bankkaufmann machen, ziert als Auszubildender sogar die Werbeplakate (»Karrierestarter gesucht!«) der heimischen Bank. Damit sei für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt Teymouri.

In Warburg hat er mittlerweile viele Freunde gefunden. Er lebe gerne in der Hansestadt und fühle sich hier heimisch, berichtet Teymouri. In seiner Freizeit engagiert sich der 24-Jährige in der freien evangelischen Gemeinde in Warburg und betätigt sich ehrenamtlich als Übersetzer.

»Ich möchte damit nicht nur meinen Landsleuten helfen, sondern allen Geflüchteten«, sagte der Iraner. Das sei ihm sehr wichtig und auch eine Herzensangelegenheit, bekräftigt Mohammad Teymouri.

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