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NRW-Minister Laumann zu Gast im Seniorenzentrum St. Johannes in Warburg

„Kein brutaler Lockdown mehr“

Warburg (WB). „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch einmal einen solch brutalen Lockdown geben wird. Das wäre wirtschaftlich auch nicht mehr tragbar“, zeigte sich Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, am Freitag beim Besuch des Warburger Seniorenzentrums St. Johannes zuversichtlich. „Wir müssen jetzt lernen, mit dem Virus in irgendeiner Weise zu leben“, so Laumann.

Ralf Benner

NRW-Minister Karl-Josef Laumann (3. von rechts) zu Gast im Seniorenzentrum St. Johannes. Mit dabei (von links) CDU-Stadtverbandschef Hubertus Kuhaupt, Schwester Birgit Kaltmeier (Gesellschafterin Sankt Johannes), CDU-Wahlkreiskandidat Stefan Rehrmann, CDU-Bürgermeisterkandidat Tobias Scherf, Matthias Goeken (MdL) sowie Thomas Berens (Geschäftsführer St. Johannes). Foto: Ralf Benner

Der 63-jährige Spitzenpolitiker war auf Einladung von Tobias Scherf, CDU-Bürgermeisterkandidat für Warburg, in die Hansestadt gekommen, um gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mit Vertretern aus Politik und Gesundheitswesen über drängende Fragen und Probleme im Gesundheitswesen zu diskutieren.

Er nutze die Gelegenheit auch, um mit den Mitgliedern des Bewohnerbeirates der Einrichtung über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen.

Einrichtungsleiter kritisiert fehlende Unterstützung

„Sie sind der erste behördliche Vertreter, der uns seit dem Corona-Ausbruch in unserer Einrichtung besucht hat“, freute sich Geschäftsführer Thomas Berens über den hohen Gast aus Düsseldorf. Wie berichtet, hatte es im Seniorenzentrum unter Bewohnern und Pflegern eine Vielzahl an Corona-Fällen gegeben. In der Einrichtung war dann auch sehr intensiv getestet worden.

In der einen oder anderen Situation habe er sich seitens der Behörden mehr Unterstützung gewünscht, machte Berens sehr deutlich.

Anne Rodenberg

Die Bewohner und Pfleger des Seniorenzentrums sind mittlerweile wieder genesen. „Wir sind hier sehr stolz auf das, was wir in dieser schweren Zeit gemeinsam geschafft haben“, berichtete Anne Rodenberg, Wohnbereichsleiterin der Pflegeeinrichtung Franz-Jordan-Haus, die zum St. Johannes gehört, dem NRW-Gesundheitsminister.

Laumann hörte sich mit großer Anteilnahme und sichtlich bewegt ihre Schilderungen an.

Schilderungen aus Sicht der Pflegekräfte

Eindrucksvoll berichtete sie dem Minister, unter welchen körperlichen und seelischen Belastungen die Pflegekräfte in der Einrichtung arbeiten mussten, wie die Bewohner unter den strikten Corona-Schutzvorschriften gelitten hätten. Ausdrücklich dankte sie den Angehörigen für das Verständnis, das diese den Pflegekräften in dieser schlimmen Situation entgegen gebracht hätten.

Kritik übte Rodenberg dagegen an der mitunter mangelhaften Kommunikation mit den Gesundheits- und Ordnungsämtern. Zu Beginn der Corona-Pandemie habe es auch zu wenig Schutzausrüstung und Masken gegeben, beklagte sie.

Minister zeigt Verständnis

Der Minister zeigte Verständnis für die von Pflegekräften und Heimleitung vorgebrachte Kritik.

„Die Corona-Bekämpfung ist ein dynamischer Prozess. Das Gesundheitssystem hat seit Beginn der Pandemie sehr viel dazu gelernt“, erklärte Karl-Josef Laumann.

Einiges müsse noch aufgearbeitet werden. Dazu gehöre auch, dass bei aller kommunalen Zuständigkeit ein Ministerium wissen müsse, was vor Ort passiert. Das sei auch eine wichtige Erkenntnis aus der Pandemie.

Lehren aus der Krise ziehen

„Dass unser Gesundheitssystem daran zu scheitern droht, weil Fünf-Cent-Artikel wie OP-Masken nicht verfügbar sind, darf nicht mehr passieren,“ bekräftigte der Minister. „Globalisierung hat Grenzen. Wir dürfen uns nicht von China oder der Türkei abhängig machen, wenn es um Schutzausrüstung geht“, sagte Laumann. Das sei eine weitere wichtige Lehre aus dieser Krise, erklärte er.

Karl-Josef Laumann

Bislang habe die Landesregierung alles sehr gut hinbekommen. So werde bei der Pflege immer großräumig getestet, wenn etwas passiert. „Das haben wir auch im Griff“, erklärte Laumann. „Derzeit haben wir bei mehr als 2000 Heimen im Land in 22 Pflegeeinrichtungen infizierte Bewohner.“

Zum Abschluss seines Besuches im Seniorenzentrum ließ sich Karl-Josef Laumann von Geschäftsführer Thomas Berens auch noch das „St. Johannes TV“ erläutern, das erst seit einigen Tagen in Betrieb ist.

Live-Bilder in die Zimmer der Bewohner übertragen

Mit einer Videokamera können zukünftig Live-Bilder von Veranstaltungen der Pflegeeinrichtung direkt in die Zimmer der Bewohner übertragen werden. Die Idee sei während der coronabedingten Einschränkungen für die Bewohner entstanden und mit mehreren Tausend Euro großzügig vom Erzbistum Paderborn unterstützt worden, erklärte Berens.

Von dieser Teilhabe der besonderen Art sollen alle Bewohner des Seniorenzentrums auch nach Corona profitieren können.

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