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Bundesweite Aktionswoche – Diakonie in Warburg bietet Beratung an

Kinder vor Überschuldung schützen

Warburg (WB). Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung stellt in dieser Woche (25. bis 29. Mai) Kinderrechte in den Mittelpunkt. Das Motto der Aktionswoche lautet: „Chancenlose Kinder? – Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung“. In der aktuellen Corona-Krise ist dieses Motto aktueller denn je.

Mit diesem Motiv wird für die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung geworben. In diesem Jahr stehen die Kinderrechte im Mittelpunkt. Auch die Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter in Warburg beteiligt sich an der Aktionswoche. Foto:

Schuldnerberater arbeiten in der Regel mit Erwachsenen zusammen. Kinder kommen ab und zu in Begleitung ihrer Eltern, meistens dann, wenn keine Betreuung gewährleistet ist.

„Wir können meist nur ahnen, wie sich die Überschuldungssituation materiell und vor allen Dingen psychisch auf Kinder auswirkt“, sagt Evelyn Vornweg von der Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter in Warburg.

Wie wirkt das auf ein Kind, wenn sich Eltern häufig über Geld streiten? Was empfinden Kinder für eine Not, wenn eine Wohnungsräumung oder Energiesperre droht oder durchgeführt wird?

Kinder seien diesen Situationen noch hilfloser ausgesetzt als die Erwachsenen. Evelyn Vornweg: „Sie verstehen oft nicht, weshalb die Eltern verzweifelt sind und beziehen die Situation auf sich.“

Kinder durch Armut oft ausgegrenzt

Abgesehen von den Krisensituationen sind Kinder aus überschuldeten Familien oft arm. „Sie unterliegen damit den Ausgrenzungen, die arme Familien treffen. Kino- oder Zoobesuche, sich mit Freunden im Schwimmbad treffen – das ist oft nicht im Haushaltsbudget drin“, weiß die Schuldnerberaterin der Diakonie. Die Teilnahme an Kindergeburtstagen sei nicht möglich, „das Geld für ein Geschenk fehlt.“

Corona-Krise verschärft Situation

Die Corona-Krise trage zur Verschärfung der Ausgrenzung bei. „So verfügen zum Beispiel Kinder aus Haushalten, die auf Arbeitslosengeld angewiesen sind, nicht immer über einen Computer, um während der Schulschließungen Aufgaben zuhause bearbeiten zu können“, sagt Evelyn Vornweg.

„Wir Schuldnerberater begrüßen daher, dass die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) den Fokus ihrer bundesweiten Aktionswoche auf die Kinder in überschuldeten Familien legt“, betont Vornweg.

„Wir erleben immer wieder, wie überfordert Familien und vor allem Alleinerziehende mit der Sicherstellung von Unterhalt für ihre minderjährigen Kinder sind.“ Unterhaltsklagen einzureichen, Kindergeld, Kindergeldzuschlag, Unterhaltsvorschuss sowie Bildungs- und Teilhabepakete bei verschiedenen Behörden zu beantragen, sei kompliziert, erklärt die Schuldnerberaterin.

Hier fordert die AG SBV eine Vereinfachung und eine einfache grundlegende finanzielle Absicherung für Kinder, die dem Entwicklungsstand angepasst ist und den Forderungen des Bundesverfassungsgerichtes entspricht.

Überschuldete Patchworkfamilien besonders benachteiligt

Besonders benachteiligt sind häufig überschuldete Patchworkfamilien. Bei der Berechnung von Sozialleistungen werden alle Einkünfte der Lebensgemeinschaft auf die Hilfe angerechnet. Im Zwangsvollstreckungsrecht kann der Schuldner dies nicht geltend machen. Hier werden nur leibliche oder adoptierte Kinder bei einer Pfändung berücksichtigt. Da Stiefkinder nicht berücksichtigt werden, ist das Existenzminimum dieser Familien häufig nicht gesichert.

„Diesen Widerspruch verstehen weder Klienten noch wir Berater, denn alle Kinder sitzen ja am Tisch und wollen versorgt werden“, betont Evelyn Vornweg. Sie unterstützt daher die Forderung, Sozialrecht und Vollstreckungsrecht so anzupassen, dass alle Kinder geschützt sind.

„Auch Kinder können schon überschuldet sein, zum Beispiel durch Rückforderungsansprüche von Sozialbehörden, ein überschuldetes Erbe oder wenn Kaufsüchtige Verträge auf den Namen von Kindern abschließen“, erklärt Vornweg.

Es gibt zwar eine gesetzliche Regelung für den Haftungsschutz bei Minderjährigen, aber die Betroffenen müssen mit 18 selbst aktiv werden, um diesen Schutz zu erhalten.

Hier sollte zumindest eine Verschuldung durch das Sozialrecht von vornherein ausgeschlossen sein, so die Forderung der AG SBV.

Hilfe kommt über Telefon oder per E-Mail

Auch in der Corona-Krise kann die Schuldnerberatung der Diakonie Paderborn-Höxter in Warburg erreicht werden. Hilfe kommt über Telefon und Mail: Telefon: 05641/788813 oder vornweg@diakonie-pbhx.de.

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