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Albert Witter (86) aus Warburg erhält den Diamantenen Meisterbrief

Kunstwerke aus Holz geschaffen

Warburg (WB). »Einen Diamantenen Meisterbrief überreichen zu können, dass ist schon sehr selten. Damit einen Holzbildhauermeister zu ehren, ist noch seltener«, sagte der Obermeister der Tischlerinnung Höxter-Warburg und überreichte den großen gerahmten Brief an Albert Witter aus Warburg.

Astrid E. Hoffmann

Holzbildhauermeister Albert Witter (links) bekommt den Diamantenen Meisterbrief vom Obermeister der Tischlerinnung Höxter-Warburg, Josef Fuhrmann, überreicht. Foto: Astrid E. Hoffmann

In der Chronik des WESTFALEN-BLATTE stand am vergangenen Mittwoch geschrieben: »Albert Witter jun. besteht seine Meisterprüfung im Holzbildhauer-Handwerk. Er ist damit der einzige Meister dieser Branche im Kreis Warburg.« An dieser Tatsache habe sich auch sechzig Jahre später im Kreis Höxter nichts geändert, weiß Josef Fuhrmann.

Maschinen erst vor drei Jahren verkauft

»Die Holzbildhauerei ist ein ganz individuelles Handwerk, doch die Nachfrage nach Stilmöbeln fing schon in den 1960er-Jahren an nachzulassen«, führte Fuhrmann weiter aus. Dies erkannte auch der junge Meister Albert Witter und machte neun Jahre nach seiner Meisterprüfung eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.

Er wurde schließlich Lehrer in der Holzwerkstatt des damaligen Laurentiusheimes, heute Heilpädagogisches Therapie- und Förderzentrum. Mit Geduld und dem Wissen eines Meister vermittelte er seinen Schülern, wie aus einem Stück Holz ein Gebrauchsgegenstand, ein Dekorationsartikel oder Möbelstück mit Ornamentik werden kann.

Der heute 86-Jährige hatte noch bis vor drei Jahren seine eigene Werkstatt. »Irgendwann muss doch einmal Schluss sein, ich habe alle Maschinen verkauft, aber meine Eisen habe ich noch«, sagt Albert Witter. Er meint damit seine handgeschmiedeten Schnitzmesser mit gedrechselten Handgriffen. Die Drechslerkunst gehört schließlich zu seinem Berufsbild.

1959 die Meisterprüfung abgelegt

Albert Witters Vater war Tischlermeister in der Unterstraße in Warburg. Seine Söhne Albert und Fritz legten gemeinsam ihre Meisterprüfung am 9. Oktober 1959 vor der Handwerkskammer in Bielefeld ab. Bruder Fritz Witter widmete sich dem Möbelbau, Albert Witter zog es zur Bildhauerei.

»Unser Nachbar Hermann Kirschner war ein Bildhauer aus Thüringen, dort ging ich als Kind gern und oft hin«, erinnerte sich Albert Witter. Daraus entwickelte sich der Wunsch, nicht nur Möbel zu schreinern, sondern ihnen ein ganz besonders stilvolles Aussehen zu verleihen. Vom Entwurf bis zum Endprodukt war damals alles Handarbeit – und so glich auch kein Stück dem anderen.

Gelernt hatte er bei einem Holzbildhauer in der »Möbelstadt« Steinheim, mit dem Gesellenbrief in der Tasche arbeitete er danach zwei Jahre in einer Stilmöbelfabrik in Bremerhaven. Nach dem Bestehen der Meisterprüfung machte sich Albert Witter im Elternhaus selbstständig.

Mit 35 Jahren nochmal neu begonnen

»Wenn man früher ein Möbelstück brauchte, ging man zum Tischler, doch bald begann die Massenproduktion und das schlichte Design setzte sich durch«, erklärte Josef Fuhrmann den Wandel in diesem Handwerk. Albert Witter begann mit 35 Jahren noch einmal neu, er wurde nach dreijähriger Ausbildung Lehrer im HPZ.

»Eigentlich konnte ich dort viel mehr machen, denn ich verfügte über alle Maschinen und hatte alles Gestaltungsmöglichkeiten«, sagte der Bildhauermeister. Seine Schüler waren stets stolz, wenn sie aus einem Stück Holz etwas geschaffen hatten, wie zum Beispiel ein Holzbrett in Apfelform. 22 Jahre war Holzbildhauermeister Albert Witter beim HPZ, dann ging es in den Ruhestand.

Seit 60 Jahren pflegt er sein Hobby, etwa das Angeln im Warburger Angelverein. Dem Männerchor Warburg gehört er ebenfalls an, dort sing er den zweiten Bass. Bei Ausflügen besucht er gerne Schlösser und Kirchen, denn dort trifft Albert Witter auf sein Kunsthandwerk.

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