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„Ein Bild – und seine Geschichte“: die Veteranen des Warburger Krieger- und Landwehrverein

Liebe für Kaiser und Reich gepflegt

Warburg

Im September 1910 stellten sich 27 Mitglieder des Warburger Krieger- und Landwehrvereins dem Fotografen. Von ihnen handelt diese Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

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Veteranen des Krieger- und Landwehrvereins Warburg, September 1910: Obere Reihe (von links) Pensionär Wilhelm Heidenreich, Pensionär Johann Müller, Landwirt Josef Wüllrich, Pensionär Friedrich Nolte, Dachdecker Josef Vorschütz, Weichensteller a. D. Josef Sauerland, Rottenführer a. D. Eberhard Fischer, Stellmacher Josef Rehrmann, Betriebssekretär a. D. Andreas Schmitz. Mittlere Reihe (von links): Maler Karl Köster, Packmeister Wilhelm Zengeler, Pensionär Johann Gerwig, Steueraufseher a. D. Friedrich Advernat, Steueraufseher Wilhelm Schmidt, Kürschner Louis Püttmann, Pensionär Heinrich Sievering, Schuldiener Friedrich Stuhldreier, Arbeiter Johann Grewe. Untere Reihe (von links): Sattler Theodor Schüssler, Straßenmeister Lorenz Bernhard, Rentner Sally Löwenberg, Schuhmacher Bernhard Krefeld, Pensionär Heinrich Dönnebrink, Dachdecker Friedrich Bramm, Pensionär Franz Ludwig Wegmann, Oberzolleinnehmer Josef Lissy und Barbier Franz Jacobi. Foto: Stadtarchiv Warburg

Die Veteranen hatten an allen oder an einem der drei Kriegen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilgenommen: am Deutsch-Dänischen Krieg (1864), am Krieg gegen Österreich 1866 und am Krieg gegen Frankreich 1870/71. Geboren worden waren sie zwischen 1834 und 1850.

Der Warburger Krieger- und Landwehrverein war am 10. August 1871 gegründet worden. Seine Entstehung ist verknüpft mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die ersten Mitglieder des Vereins waren Teilnehmer dieses Krieges gewesen. Vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden im Warburger Land Kriegerfeste gefeiert. Ausgerichtet wurden sie von den Krieger- und Landwehrvereinen.

Der patriotisch-militärische Grundzug dieser Traditionsvereine wurde bewusst gepflegt. In einer amtlichen Verlautbarung von 1908 heißt es etwa über den Warburger Verein, sein Hauptzweck sei es, „die Liebe und Treue für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland bei seinen Mitgliedern zu pflegen, zu bestätigen und zu stärken sowie die Anhänglichkeit an die Kriegs- und Soldatenzeit im Sinne kameradschaftlicher Treue und emotionaler Gesinnung aufrecht zu erhalten.“

Besagtes Foto befindet sich im Bestand des Stadtarchivs Warburg. In einer handschriftlichen Unterzeile sind lediglich die Nachnamen aufgeführt. Zu diesem Foto existiert allerdings eine schmale, zeitgleich angelegte Akte, die weitere Informationen bietet. Auf dieser Basis konnten die fehlenden Vornamen ergänzt werden. Unbekannt sind die Namen der beiden Kinder, die sich wohl auf das Foto geschmuggelt haben, ein Junge im zeittypischen Matrosenanzug und ein Mädchen mit Haarschleife.

Wenn man sich das Original des Fotos anschaut, entdeckt man, dass das Bild des Veteranen rechts oben nachträglich einmontiert wurde. Es handelt sich dabei um den Betriebssekretär a. D. Andreas Schmitz, den Schriftführer des Vereins.

Dem Anlass entsprechend trägt man Uniform oder zumindest Sonntagsstaat, die Mützen des Vereins sind bei allen zu sehen. Nur drei der ehemaligen Soldaten tragen keinen Bart. An den Jacken werden die Orden und Ehrenzeichen präsentiert.

Auf dem Foto sind nicht alle vertreten, die in den Krieg hatten ziehen müssen. 1906 lebten noch 56 Teilnehmer des Krieges von 1870/71. Der letzte Kriegsteilnehmer von 1870/71 starb am 14. Juni 1932, der Dachdecker Friedrich Bramm.

Für den einen oder anderen Veteranen konnten weitere Daten ermittelt werde. Der Rentner Sally Löwenberg zum Beispiel, geboren am 14. Juli 1841, war am 1. Oktober 1860 zu den Husaren eingezogen worden. Am Krieg gegen Dänemark nahm er ebenso teil wie vier Jahre später am Deutschen Krieg. 1870/71 war er dann zur Bewachung von Gefangenen eingesetzt worden. Er starb am 17. Dezember 1915.

Der Kürschner Louis Püttmann, geboren am 16. Oktober 1843, musste am 16. Oktober 1865 seinen Militärdienst beim Jäger-Bataillon Nr. 7 antreten. Er war unter anderem Teilnehmer der Schlacht bei Gravelotte am 18. August 1870. An diesem Tag fand die größte und verlustreichste Schlacht des Krieges statt, auf deutscher Seite waren 19.962 Tote und Verwundete zu verzeichnen, auf französischer Seite 11.678 Tote und Verwundete.

Der Schuhmacher Bernhard Krefeld, geboren am 15. Juni 1836, diente ab dem 1. Oktober 1857 beim Infanterieregiment Nr. 16, nahm an allen drei Kriegen teil und starb am 17. Juni 1919.

Der Weichensteller Josef Sauerland, geboren am 31. Oktober 1836, hatte am 11. Oktober 1858 seinen Militärdienst im Westfälischen Jäger-Bataillon Nr. 7 angetreten. Er nahm an den drei Kriegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts teil.

Im Deutsch-Dänischen Krieg war er beim Auftaktgefecht am 2. Februar 1864 in der Nähe von Misunde in Dänemark dabei. Im Deutschen Krieg von 1866 siegten die preußischen Truppen am 28. Juni im damaligen Böhmen bei Münchengrätz über die Österreicher, auch Wilhelm Sauerland war dabei. Wenige Tage später, am 3. Juli 1866, war Sauerland einer der mehr als 40.000 Soldaten, die an der Schlacht bei Königgrätz teilnahmen.

Für die Teilnahme wurde er mit dem Erinnerungskreuz ausgezeichnet. Nach dieser Schlacht war Preußen endgültig die Führungsmacht in Deutschland.

Auch in den Deutsch-Französischen Krieg musste Sauerland ziehen. Er nahm an der Belagerung von Metz teil. In diesem Krieg fielen sieben Männer aus Warburg, eingezogen worden waren 104.

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