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Gedenkstein in Warburg erinnert noch heute an die Kriegsgefangenen

Mahnmal aus Muschelkalk

Warburg (WB). In unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ ist nun ein Foto aus dem Jahr 1969 zu sehen. Es zeigt das Mahnmal für die Kriegsgefangenen am Burggraben, im Hintergrund ist das Schuhhaus Mue zu sehen.

1969, als diese Aufnahme entstand, befand sich das Mahnmal für die Kriegsgefangenen noch vor dem Schuhhaus Mues. Wegen der Verbreiterung der Straße und des Bürgersteigs wurde er später neben den Delphinbrunnen gesetzt. Foto: Stadtarchiv Warburg

Auf der Tagesordnung des Warburger Hauptausschusses vom 4. Juni 1955 stand auch ein Anliegen des Kreis- und Ortsverbandes der Heimkehrer. Der Verein bat darum, ein Mahnmal zur Erinnerung an die noch in Kriegsgefangenschaft Befindlichen aufzustellen. Der Warburger Bildhauer Alois Sauerland hatte bereits eine Skizze und einen Kostenvoranschlag vorgelegt. Gefertigt werden sollte es aus Muschelkalk, seine Kalkulation belief sich auf 470 DM ohne Transport und Aufstellung.

Zwei hochgereckte Hände, an den Handgelenken gefesselt

Der Entwurf zeigt im oberen Teil des Gedenksteins im Relief zwei hochgereckte Hände, die an den Handgelenken eine Fessel tragen. Die linke Hand steht höher, die Handflächen sind einander zugewandt. Der Sockel trägt die zweizeilige Inschrift „Vergesst uns nicht“. Die Gesamthöhe betrug 1,35 Meter.

Am 14. Juni entschied dann der Rat bei zwei Enthaltungen von 22 Stimmen, dass das Denkmal nördlich des Hauses Kienel vor dem Grundstück der Neustädter Kirchengemeinde aufgestellt werden solle, ganz so, wie es der Bauausschuss am 10. Juni befürwortet hatte. Damit war ein Standort an der Ecke Burggraben/Paderborner Tor gewählt worden. Diskutiert wurde auch die Aufstellung auf dem heutigen Gebrüder-Warburg-Platz. Mit dem Hinweis darauf, dass in diesem Bereich zu starker Verkehr herrsche und dass zudem darüber nachgedacht werde, dort einen Parkplatz anzulegen, war dieser Standort verworfen worden.

Fraktion der Unabhängigen sorgt für Blumenschmuck

Alois Sauerland konnte sich nun an die Arbeit machen. Der Verband der Heimkehrer von Kreis und Stadt Warburg übernahm den Transport des Gedenksteins, die Ausschachtungsarbeiten für das Fundament und die Aufstellung. Am 25. Juni übernahm der Rat die Kosten für die Herstellung des Denkmals auf die Stadt. Die Fraktion der Unabhängigen sicherte zu, für den Monat August für Blumenschmuck zu sorgen.

Am Sonntag, dem 26. Juni, fanden dann die Feierlichkeiten statt. Nach Presseberichten war zu dieser Feier die Warburger Bevölkerung zahlreich erschienen. Anwesend waren auch Landrat Happe, Bürgermeister Böhlen, Stadtdirektor Pauly, Mitglieder des Rates und der Feuerwehr und des Bürgerschützenvereins. Für die katholische Pfarrgemeinde der Neustadt war Dechant Dr. Kruse gekommen, für die evangelische Gemeinde Pastor Degener aus Herlinghausen. Fritz Heß, Vorsitzendes örtlichen Heimkehrerverbandes, übergab das Mahnmal dann an Rat und Verwaltung der Stadt Warburg.

Deutlich wurde, dass das Mahnmal nicht nur an aus dem Kreis Warburg stammende Gefangene gemahnen sollte, sondern für alle galt, die sich noch hinter Stacheldraht befanden.

Adenauer thematisiert in Moskau die Kriegsgefangenenfrage

Der aus Dortmund angereiste Vorsitzende des Heimkehrerverbandes verwies bei der Feier darauf, dass der Bundeskanzler bei seinen in Moskau anstehenden Verhandlungen die Kriegsgefangenenfrage vordringlich behandeln wolle.

Dieses Versprechen setzte Dr. Konrad Adenauer erfolgreich in die Tat um. Zwischen dem 7. Oktober 1955 und dem 16. Januar 1956 kamen 9626 deutsche Häftlinge aus sowjetischen Gefangenenlagern wieder in die Heimat zurück, mehr als zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges.

Heute steht der Gedenkstein am Delphinbrunnen, ein wenig nach hinten Richtung Burggraben gerückt. Seinen Standort musste er vermutlich deshalb wechseln, weil die Straße und der Bürgersteig am Burggraben modernisiert wurden.

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