Renaturierung zwischen Kanuclub und Kläranlage vorgestellt – Stadt Warburg hat die Flächen bereits in ihrem Besitz

Neues Diemelprojekt auf dem Tisch

Warburg

Zwei große Renaturierungsprojekte hat der Diemelwasserverband bereits vor der Brust. Ein drittes kommt mittelfristig hinzu. Das soll die Diemel entlang des Kuhlemühler Weges betreffen und den Fluss an dieser Stelle zu einem Naturidyll machen.

Jürgen Vahle

Sieht idyllisch aus, ist aber keineswegs natürlich. Daher soll die Diemel am Kuhlemühler Weg in den kommenden Jahren renaturiert werden Foto: Jürgen Vahle

Nach der bereits geplanten Einrichtung eines Äschen-Laichgebietes zwischen Wrexen und Scherfede sowie der Renaturierung des Flusses zwischen Ossendorf und Germete, die im nächsten Frühjahr beginnen soll, haben Experten der Bezirksregierung auch eine Renaturierung des Flusses zwischen dem Kanuclub und der Kläranlage angeregt. In der jüngsten Sitzung des Diemelwasserverbandes, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Rhoden stattfand, ist das Projekt bereits vorgestellt worden. Beim Verband geht man von einer Umsetzung in frühestens zwei bis drei Jahren aus.

Wer die Diemel zwischen Kanuclub und Kläranlage betrachtet, der könnte von einem schönen, naturnahen Gewässer ausgehen. Doch der Schein trügt, wie Gewässerökologin Sina Ergezinger und Geoökologin Beatrice Blome von der Bezirksregierung berichten. Die Diemel habe an dieser Stelle ein „erhebliches ökologisches Defizit“ und entspreche auch nicht dem Leitbild, wie sich Flüsse natürlich entwickeln sollten. Zu steile Ufer, eine schlechte Sol­struktur des Grundes, keine Wechsel aus schnellen und langsamen Fließbereichen. Vor allem fehlen die typischen Fische für solche Flüsse – wie beispielsweise die Äsche. Aber auch wichtige Insekten wie die Stein- und Köcherfliege und ihre Larven gibt es an der Diemel in diesem Bereich nicht.

Fluss hat ökologische Defizite

Die ökologischen Defizite des Flusses hatte das Landesamt für Naturschutz schon vor einigen Jahren festgestellt – und die Bezirksregierung auch entsprechende Pläne erarbeitet. Die sind jetzt noch einmal von Sina Ergezinger und Beatrice Blome überarbeitet und neu vorgestellt worden.

Der Diemelwasserverband und die Stadt Warburg waren in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht untätig. Im Zuge eines Flubereinigungsverfahrens ist es gelungen, die für eine Renaturierung des Flusses benötigten Wiesen zwischen Kuhlemühler Weg und dem Radweg zwischen der Eversburg und Dalheim zu erwerben oder gegen andere zu tauschen. Einer Renaturierung stehen nun zumindest keine Grundstücksfragen mehr im Wege, wie das an anderen Stellen des Flusses der Fall sei, berichtet Markus Busche, Förderberater Wasserwirtschaft der Bezirksregierung.

Was die Experten der Detmolder Behörde jetzt vorgelegt haben, ist zunächst im Status einer Ideenskizze. Das Ziel ist aber bereits klar definiert: „Die Diemel soll arbeiten können“, wie es Markus Busche beschreibt.

Verschiedene Planungsvarianten

Verschiedene Planungsvarianten würden nun erarbeitet, in denen die Diemel eine andere Struktur erhalten soll. Eine Mischung aus Stromschnellen und Kolke (wassergefüllte Vertiefungen) soll es geben. Überströmte Kiesbänke und tote Baumstämme als Barrieren sollen hinzukommen. Denkbar sei auch eine Nebenrinne zum eigentlichen Flussbett, die eine neue Heimat für Amphibien werden könnte. Die Ufer müssten so abgeflacht werden, dass der Fluss sich ausbreiten könne. „An vielen Stellen ist die Diemel ein verbautes Gewässer“, bewertet Geoökologin Beatrice Blome die Situation. Schon der Rückbau der Steineinfassungen könne an vielen Stellen etwas bringen. „Auch mit kleinen Maßnahmen kann man viel für die Natur erreichen“, ist sie sicher.

Markus Busche schätzt, dass die Renaturierung in diesem Bereich mit einem vergleichsweise geringen Kostenaufwand realisierbar ist. Das soll nun in den weiteren Planungen auch in Euro und Cent beziffert werden.

Bei den beiden anderen Renaturierungsprojekten ist der Diemelwasserverband schon weiter. Das neue Äschenhabitat zwischen Wrexen und Scherfede, das vor einem Jahr erstmals vorgestellt worden ist, kostet 425.000 Euro und wird vom Land Hessen getragen. Bei der im kommenden Frühjahr beginnenden Renaturierung zwischen dem zur Gemarkung Ossendorf gehörenden Segelflugplatz und der Germeter Diemelbrücke werden ähnlich hohe Kosten erwartet, die weitgehend das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt.

Daten und Fakten

Im Diemelwasserverband haben es sich die Anrainerkommunen und Privatleute entlang des Flusses von Westheim bis zum Viadukt bei Lamerden länder- und städteübergreifend zur Aufgabe gemacht, die EG-Wasserrahmenrichtlinie für die Diemel umzusetzen und den Fluss auf einer Länge von 31 Kilometern in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Die EG-Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass alles Fließgewässer bis 2027 in einem solchen Zustand zu bringen sind. Dazu zählt auch, dass Fische bis zu ihren Laichgebieten problemlos flussaufwärts ziehen können. Dazu sind in den vergangenen Jahren schon mehrere Fischtreppen gebaut worden.

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