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Nach 80 Jahren: ein eigenes Schulhaus für die evangelischen Kinder

Platz für 150 Schüler geschaffen

Warburg (WB). 1824 wurde die evangelische Kirchengemeinde Warburg gegründet. In einem Dachgeschossraum des ehemaligen Dominikanerklosters, dem heutigen Gymnasium Marianum, war die evangelische Schule untergebracht, die von rund 30 Kindern besucht wurde. 80 Jahre später wurde das erste eigenständige Schulhaus gebaut – von der diese Folge der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ erzählt.

Die evangelische Volksschule, erbaut 1903/04. Links im Hintergrund angeschnitten die separat stehende Toilettenanlage. Die Aufnahme zeigt die Südseite der Schule, die 1954 wieder abgebrochen und an gleicher Stelle großzügig neu gebaut wurde. Foto: Stadtarchiv

Im 19. Jahrhundert wuchs die evangelische Gemeinde – und damit auch die Schülerzahl. 1901 waren bereits 128 Kinder in der Schülerliste verzeichnet. Ein neuer Schulraum musste her, das verlangte auch die Regierung in Minden. In Warburg entschloss man sich zum Neubau auf einem Gartengrundstück an der Menner Straße (heute: Papenheimer Straße), ungefähr dort, wo die Falkschule steht. Erbaut wurde das Schulhaus vom Warburger Maurermeister Eduard Rose (1885-1942). Berechnet war der neue Schulraum für rund 150 Schüler.

Dachgeschosswohnung für den Schuldiener

Im Erdgeschoss lagen drei Klassenräume, im Dachgeschoss eine Wohnung, bestehend aus Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer und Kammer. Unterkellert war allein der mittlere Teil des Baus. Das Lehrpersonal wohnte nicht in der Schule, die Dachgeschosswohnung war für den Schuldiener beziehungsweise Hausmeister vorgesehen. Am 12. November 1904 konnte die Bauabnahme erfolgen.

Ursprünglich war die Schule sowohl von der heutigen Straße Paderborner Tor und von der Menner Straße aus zugänglich. 1933 wurde die Treppe zur Menner Straße hin abgerissen. Der Zugang war nun allein vom Paderborner Tor aus möglich.

Deutlicher Platzbedarf

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten die Volksschulen erst wieder am 28. August 1946 ihre Pforten öffnen. Wie in allen Warburger Schulen, machte sich auch in der evangelischen Volksschule ein deutlicher Platzbedarf bemerkbar. Die Schülerzahl hatte sich gegenüber der Vorkriegszeit mehr als verdoppelt.

Evakuierungen, Flucht und Vertreibung hatten die Einwohnerzahl von Warburg deutlich ansteigen lassen. Zudem mussten die evangelischen Kinder aus dem Hauptdurchgangslager Dössel ihrer Schulpflicht an der evangelischen Schule genügen, sei es auch nur für die kurze Zeit ihres Aufenthalts bis zur endgültigen Zuweisung zu einem Wohnort.

Schulbaracke unweit der Schützenhalle

Im Herbst 1948 wurde deshalb nördlich der Schützenhalle eine ehemalige Militärbaracke aufgebaut, die drei Klassenräume enthielt. Im Sommer war es in der Baracke brütend heiß, im Winter eiskalt. Ein Vermerk des damaligen Schulleiters der evangelischen Schule schildert die Lage: „Unsere Schuljugend ist durch den Aufenthalt in der Schulbaracke gesundheitlich aufs Äußerste gefährdet.“

Zunächst plante die Stadt, die bestehende Schule durch einen Anbau zu erweitern. Schließlich entschied man sich für eine grundsätzliche Lösung. Die alte Schule wurde abgebrochen und an gleicher Stelle großzügig neu gebaut. Eine im Eigentum der Stadt stehende Nachbarparzelle wurde dabei einbezogen. Der Beschluss wurde am 20. Mai 1954 gefasst.

Falkschule 1956 als Nachfolgebau eingeweiht

Im November des selben Jahres begannen die Bauarbeiten, im August 1955 konnte das Richtfest gefeiert werden. Die Einweihung erfolgte am Freitag, dem 17. Februar 1956. Den Schlüssel zur Schule übergab damals der Sohn des Erbauers der ersten Schule, Martin Rose (1903-1979), der zusammen mit Julius Lessmann für das Projekt als Architekt verantwortlich zeichnete. Für den Bau hatte die Stadt einen staatlichen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent erhalten, die Gesamtkosten beliefen sich auf 536.304,12 DM. Bei der Einweihung der neuen Schule konnte unter anderem eine Lehrküche bestaunt werden, die leihweise von der Westfälischen Ferngas-AG bereitgestellt worden war.

Seit dem Einweihungstag im Jahr 1956 trägt die Schule die Bezeichnung „Johannes-Daniel-Falk-Schule“. Damit wird an den gleichnamigen evangelischen Schriftsteller und Pädagogen erinnert, der 1768 in Danzig geboren worden war und 1826 in Weimar starb. Er gilt unter anderem als Begründer der Jugendsozialarbeit.

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