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Friseur-Innung ärgert sich über schwarze Schafe der Branche

„Salons stehen unter Druck“

Warburg (WB). Carsten Lödige, Obermeister der Friseur-Innung Höxter-Warburg, hat verärgert auf einen Artikel im Westfalen-Blatt reagiert. Unter der Überschrift „Der Barbier, der nicht aufgibt“ wurde über Saivan Ali Ismail berichtet.

Der Obermeister der Friseur-Innung Höxter-Warburg beklagt unfairen Wettbewerb in der Branche. Foto: Markus Scholz/dpa

Der 47-jährige aus dem Irak geflüchtete Familienvater hatte an der Hauptstraße nach einjähriger Schulzeit einen Friseursalon wiedereröffnet. In dem Artikel wurde behauptet, er habe in dieser Zeit einen Meistertitel erworben. Das bezeichnet Carsten Lödige aus Steinheim als „sachlich falsch“.

Ausnahmebewilligung und kein Meistertitel

Saivan Ali Ismail habe eine Ausnahmebewilligung gemäß §8 HwO mit Beschränkung erworben. Dies sei rechtlich absolut in Ordnung. Es sei aber eine Ausnahmebewilligung und eben kein Meistertitel, der doch einiges mehr an zeitlichem und auch finanziellem Einsatz der Absolventen fordere.

Unternehmensführung ohne Meistertitel erhitzt die Gemüter

Die „unpräzise Berichterstattung“ habe zu einer heftigen Reaktion viele Kollegen geführt, berichtet der Obermeister weiter, denn das Thema Unternehmensführung ohne Meisterbrief sei ein viel diskutiertes und rühre „von den Erfahrungen her, die unsere Branche mit den vielen Betrieben gemacht hat, die mit einer solchen Ausnahmebewilligung eröffnet werden und dann mit Dumpingpreisen die etablierten Salons unter Druck setzen“, berichtet der Steinheimer.

Politisch gewollt gebe die Handwerkskammer hier Betrieben und Betreibern eine Legitimation, die ihre Dienstleistungen dann „zu Preisen anbieten, die mit ein wenig gesundem Menschenverstand betrachtet eine auskömmliche Existenz nicht ermöglichen“, kritisiert er weiter.

Kritik an Billig-Haarschnitten

Bei Preisen von zum Teil zwölf Euro und weniger für einen Haarschnitt könne dabei schon rein rechnerisch kein ausreichendes Einkommen erwirtschaftet werden. „Selbst wenn diese ‚Kollegen‘ bis zu drei Haarschnitte in einer Stunde erarbeiten sollten, erreichen sie damit – bei Annahme einer für Friseursalons überdurchschnittlichen Auslastung von 80 Prozent – nur einen Brutto-Stunden-Umsatz von knapp 29 Euro oder hier genau 24,19 Euro netto“, rechnet Lödige vor. Die Wirklichkeit werde noch deutlich darunter liegen. Laut allen seriösen Betriebsvergleichen benötigten Friseure, die ihren Angestellten Tariflöhne zahlten und ordnungsgemäß ihre Steuern und Abgaben entrichteten heute in ländlichen Lagen wie dem Kreis Höxter einen Stundenverrechnungssatz von 50 Euro brutto beziehungsweise 42 Euro netto die Stunde.

„Hier erklärt sich die Dünnhäutigkeit vieler Kollegen, die ihren Mitarbeitern, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, gerne höhere Löhne zahlen würden, aber aufgrund solch unfairen Wettbewerbs die hierfür notwendigen Preisanpassungen scheuen“, sagt Lödige.

Die Folge sei landläufig schon deutlich zu sehen: „Immer mehr Friseure finden keine Nachfolger mehr – von motivierten Mitarbeitern ganz zu schweigen. Dabei können angestellte Friseure auch heute schon durchaus respektable zumindest handwerksübliche Gehälter erhalten; in Betrieben, die eine wirtschaftliche Preiskalkulation pflegen und die über eine Kundschaft verfügen, die bereit ist, die Preise dann auch zu bezahlen“, analysiert der Obermeister.

Carsten Lödige

All zu oft würden doch die geringen Gehälter im Friseurhandwerk beklagt, ohne dabei den Zusammenhang zu sehen, dass nur ausgezahlt werden könne, was zuvor vom Kunden eingenommen worden sei. „Wer gutes Handwerk, faire Löhne, Steuer- und Abgabenehrlichkeit erwartet, muss also auch bereit sein, handwerksübliche Stundenlöhne zu zahlen“, appelliert Lödige an die Kunden.

„Bei Dumpingpreisen liegt im Umkehrschluss die Vermutung nah, dass entweder Steuern und Abgaben ‚nicht so ernst genommen‘ werden, die Mitarbeiter (oft aber auch die Chefs von sich selbst) ausgebeutet werden, an der Produktqualität gespart wird oder ähnliches. In den meisten Fällen wird es aber wohl eine Mischung sein“, ist der Obermeister sicher.

Dies alles beziehe sich natürlich ausdrücklich nicht auf die Saloneröffnung von Saivan Ali Ismail an der Warburger Hauptstraße. Ihm wünschte der Obermeister „alles Gute und auskömmliche Einnahmen“. Die Fehlinterpretation des Meisterbegriffs in dem Artikel vom Samstag sei hier lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

„Im Friseurhandwerk arbeiten schon seit langer Zeit zahlreiche Menschen unterschiedlichster Nationalitäten und Migrationshintergründe; ohne diese kreativen Menschen bliebe vermutlich heute schon mancher Kopf unfrisiert. Alle ehrlich arbeitenden Kollegen sind in unserem bekannt weltoffenen Handwerk immer willkommen“, sagt der Obermeister.

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