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„Ein Bild – und seine Geschichte“: Gustav Lehmen wirkte Jahrzehnte lang als Seelsorger im Warburger Land

Scherfede hat ihm viel zu verdanken

Warburg

Am 13. August 1954 starb in Scherfede Pfarrer Gustav Lehmen. Von 1918 bis 1952 hatte er dort als Seelsorger gewirkt. Noch am Morgen seines Todestages hatte er eine Heilige Messe in der Scherfeder Kirche gefeiert. Von ihm handelt die neue Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

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Pfarrer Gustav Lehmen war von 1918 bis 1952 in Scherfede tätig. Foto: Stadtarchiv Warburg

Wann die abgebildete Fotografie Gustav Lehmen entstanden ist, ist nicht genau feststellbar. Sie wurde von privater Seite zur Verfügung gestellt, das Jahr der Aufnahme ist unbekannt.

Geboren wurde Pius Justus Gustav Lehmen am 13. Juni 1871 in der Warburger Altstadt im Haus Am Markt 3. Seine Eltern waren der Arzt Dr. Joseph Lehmen und Mathilde Ludowici, die aus Beverungen stammte. Ab 1880 besuchte Gustav Lehmen das Warburger Gymnasium. Wo er Theologie studierte, ist (bislang) nicht bekannt. Ostern 1897 trat er in das Priesterseminar in Paderborn ein. Im April 1898 weihte ihn Bischof Dr. Hubertus Simar im Hohen Dom zum Priester.

34 Jahre Seelsorgedienst in Scherfede

Seine erste Aufgabe als Seelsorger führte ihn nach Altengeseke in der Nähe von Anröchte. Dort unterstützte er zwei Jahre lang den Ortsgeistlichen. Anschließend war er 18 Jahre lang als Pfarrvikar in Hattingen-Niederbonsfeld tätig. Mit dem 31. Oktober 1918 wurde er dann Pfarrer von Scherfede. In dieser Pfarrei sollte Gustav Lehmen für den Rest seines Lebens bleiben. Aus dem Amt schied er am 1. Oktober 1952, nach fast 34-jährigem Seelsorgedienst in Scherfede.

Im Ersten Weltkrieg waren zwei große Glocken aus der Scherfeder Kirche für Rüstungszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen worden. Pfarrer Lehmen bemühte sich erfolgreich um Ersatz: 1923 lieferte der Glockengießer Junker in Brilon vier neue Glocken im Gesamtgewicht von 2076 kg und einen eisernen Glockenstuhl.

Besonders dankbar war man ihm dafür, dass er 1930 für den Einbau einer Heizung in der Kirche sorgte. In zweijährigen Verhandlungen gelang es ihm, das zuständige Ministerium zur Übernahme von mehr als 50 Prozent der Kosten zu bewegen.

Künstlerische Ausstattung des Gotteshauses

Am Herzen lag ihm auch die künstlerische Ausstattung des Gotteshauses. Der Maler Bernd Terhorst (1893 – 1986) aus Emmerich schuf 1931 in spätexpressionistischer Formensprache einen Kreuzweg in den Seitenschiffen und zwei Wandgemälde. Zudem entwarf er auch die sechs Fenster im Kirchenlängsschiff, die von der Firma Peters (Paderborn) ausgeführt wurden. Der Kreuzweg wurde 1968 im Zuge einer Neuausmalung der Kirche abgedeckt, aber 2007 wieder freigelegt und restauriert.

Ebenfalls auf Entwürfe von Terhorst gehen die beiden Fenster in den Seitenschiffen zurück. 1932 schuf der Bildhauer Christian Sauerland aus Warburg die Evangelistenfiguren für die Kanzel, sie waren eine Stiftung der Witwe Mertens. Die Orgel erhielt ein elektrisches Gebläse und die im Krieg beschlagnahmten Prospektpfeifen wurden ersetzt. Auch der Fußboden wurde erneuert, Mettlacher Platten ersetzten die ausgetretenen Sandsteinplatten.

Zähes Ringen um finanzielle Mittel

Wilhelm Schwarze würdigt in seiner 1984 erschienenen Darstellung der Scherfeder Geschichte die Leistung Pfarrer Lehmens: „Man weiß nicht recht, was mehr zu bewundern ist, das stille, zähe Ringen um die finanziellen Mittel, oder die Planmäßigkeit, mit der unserer verstorbener Pfarrer unser Gotteshaus zu einer würdigen Stätte kirchlicher feiern und des Gebetes machte.“

Im Eigentum der Pfarrgemeinde stand ebenfalls das 1887 in Betrieb genommene Scherfeder Krankenhaus. 1931 wurde erneut eine deutliche Erweiterung, verbunden mit einem inneren Umbau, vorgenommen.

Als am 18. April 1948 das Goldene Priesterjubiläum von Pfarrer Lehmen gefeiert wurde, gedachte Bürgermeister Bernhard Jakob in seiner Festansprache auch der „schweren Zeit“, die der Jubilar in seiner Amtstätigkeit in Scherfede gehabt habe. Damit dürften insbesondere die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gemeint gewesen sein. Bei der Eroberung des Ortes durch amerikanische Truppen Ostern 1945 war auch die St.-Vincentius-Kirche schwer getroffen worden. Die Chronik berichtet: „Die Kirche wurde durch viele Granattreffer beschädigt, auch die gemalten Seitenfenster wurden zertrümmert, die Wiederherstellung der zwölf größeren Einschlagstellen und der Dachschäden war sehr kostspielig.“ 1942 waren die Bronzeglocken der Kirche beschlagnahmt worden, im Herbst 1947 konnte Pfarrer Lehmen vier neue Glocken weihen.

Ein Zeitungsartikel aus Anlass des 80. Geburtstags von Pfarrer Lehmen schließt mit den Worten: „Für all das Gute, das er im Interesse seiner Pfarrkinder getan hat, erwartet Pfarrer Lehmen sicherlich keine Anerkennung und Lob der Menschen. Möge ihm dafür Gottes Lohn in vollem Maße zuteil werden.“

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen

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