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Warburger Feuerwehr zieht bei einer Videokonferenz ihre Bilanz für das ereignisreiche Corona-Jahr

Schlimme Unfälle, brennendes Stroh und besonders viele Wespennester

Warburg

Das Coronajahr hat die Arbeit der Warburger Feuerwehr erheblich verändert. Eines ist aber gleich geblieben: Die 662 erwachsenen und jugendlichen Feuerwehrleute des Stadtgebietes sind auch 2020 an vielen Stellen dringend gebraucht worden. 227 Einsätze gab es im vergangenen Jahr – und damit trotz der Lockdowns nur zwölf weniger als noch 2019.

Jürgen Vahle

Am 15. Oktober stand eine weithin sichtbare Rauchsäule über der Altstadt. Ein Haus im dicht bebauten Fachwerkensemble hatte Feuer gefangen. Die Einsatzkräfte waren schnell vor Ort und konnten Schlimmeres verhindern. 62 Brandeinsätze gab es im vergangenen Jahr. Foto: Tanja Sauerland

Diese Bilanz hat am Freitag Feuerwehrleiter Jürgen Rabbe in einer recht ungewöhnlichen Jahreshauptversammlung gezogen: Die Einsatzkräfte konnten per Video daran teilnehmen. Und etwa 50 Mitglieder aus den Löschzügen und -gruppen taten das auch.

Der größte Teil der Einsätze entfiel 2020 auf den Bereich Technische Hilfeleistung. Insgesamt waren es 138. Dazu zählen vor allem die Verkehrsunfälle. Einen der schlimmsten erlebten die Feuerwehrleute Anfang Juni, als ein junger Mann aus Ossendorf auf der L828 bei einem Unfall ums Leben kam .

Fieberhaft hatten die Einsatzkräfte noch versucht, ihn aus dem Fahrerhaus zu befreien. Doch für den Familienvater kam jede Hilfe zu spät. „Diese Art der Einsätze gehört zu den schlimmsten, zu denen wir gerufen werden“, machte Jürgen Rabbe deutlich.

62 Mal rückten die Feuerwehrleute des Stadtgebietes zu Bränden aus. Am 15. Oktober wurde es besonders brenzlich, als in der dicht bebauten Altstadt ein Fachwerkhaus brannte und noch Bewohner im Haus sein sollten. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Warburgs neuer Bürgermeister Tobias Scherf hat von der Feuerwehrführung im Vorfeld der Versammlung eine eigene Einsatzjacke erhalten (von links): Reiner Vössing, Tobias Scherf, Jürgen Rabbe und Markus Müller. Foto: Feuerwehr Warburg

Besonders langwierig waren die Löscharbeiten an Ostern . Eine 50 Meter lange Strohdimme stand in Flammen. Es war der Höhepunkt einer Brandserie, die sich in Menne ereignet hatte.

Ein Feuer in einer Lagerhalle der Firma Hartinger Anfang Juli führte dazu, dass Teile der Ausrüstung speziell gereinigt oder gar entsorgt werden mussten. In der Halle waren krebserregende Asbestplatten verbaut, die Gefahr für die Feuerwehrleute groß.

Mehrfach unterwegs war die Feuerwehr im Juni in der Altstadt. Dort tauchte über Wochen Öl auf dem Siekbach und der Diemel auf. Die Ursache konnte lange nicht gefunden werden. Immer wieder mussten Ölsperren erneuert werden. Später wurde festgestellt, dass ein defekter Öltank am Bahnhof der Auslöser war. Durch einen alten Kanal hindurch lief das Öl immer wieder unter der halben Stadt hindurch Richtung Diemel.

Auch das Wetter forderte die Feuerwehr. Als am 14. August eine Gewitterfront über das Warburger Land hinwegzog, waren zahlreiche Einheiten unterwegs, um Keller leer zu pumpen und Gullydeckel wieder zu platzieren.

Im August stürmte und hagelte es in Warburg so stark, dass zahlreiche Einheiten wie der Löschzug West im Einsatz waren. Foto: Feuerwehr Warburg

Für das Jahr 2020 listet Jürgen Rabbe insgesamt 5666 Einsatzstunden mit 4033 Einsatzkräften bei 559 Alarmierungen auf. Darunter sind auch 23 Fehlalarme und 73 Einsätze der Löschgruppe Hohenwepel, die das Umsetzen oder Beseitigen von Wespennester zur Aufgabe hat. Im Jahr davor waren es für die Spezialisten aus Hohenwepel übrigens weniger als die Hälfte der Insekteneinsätze.

Dass es trotz der breiten Beschäftigung kein normales Jahr war, das machte Jürgen Rabbe in der Videokonferenz ebenfalls deutlich: Die Kinderfeuerwehr , ein Zukunftsprojekt mit deutlicher Strahlkraft auch in andere Kommunen, war zwar zum 1. Januar 2020 gegründet worden. Doch die 36 interessierten Kinder und 9 Betreuer konnten sich bisher zu keinem einzigen Dienst treffen.

Das 50-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr fiel auch ins Wasser, die Übungsdienste und Lehrgänge wurden deutlich zurückgefahren, teils ganz gestrichen. „Durch diese Maßnahmen und auch durch die Disziplin beim Einhalten der Schutzmaßnahmen konnten wir die Einsatzbereitschaft immer aufrecht erhalten“, lobte Feuerwehrchef Rabbe.

Realisiert werden konnte trotz der Pandemie das Zusammenführen der Einheiten Rimbeck und Scherfede zum Löschzug West, die Ausschreibung zweier Gerätewagen Logistik für die Standorte Warburg und West, die Ausschreibung eines Mannschaftstransportwagens für die Kinderfeuerwehr und die Beschaffung zweier generalüberholter Löschfahrzeuge für Bonenburg und Daseburg. Auch wurde spezielle Ausrüstung besorgt.

Viele Freitags-Einsätze

Die meisten Einsätze für die Feuerwehr gab es 2020 unter der Woche. Freitags (48 Einsätze) war das meiste los, gefolgt vom Mittwoch (36 Einsätze) und Montag (34 Einsätze). Zwei Drittel der Einsätze standen zwischen 6 und 18 Uhr an. Abends und nachts waren es ein Drittel. Nach 220 Einsätzen in 2016 und 223 Einsätzen in 2017 gab es im Jahr 2018 mit 316 Einsätze den höchsten Wert der vergangenen Jahre.

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