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Literatur- und Musikfest »Wege durch das Land« im Schloss Welda

Sich der Liebe wegen zum Affen machen

Warburg (WB/vsm). Das 19. Literatur- und Musikfest »Wege durch das Land« hat am Sonntag auch Station im Schloss Welda in Warburg-Welda gemacht. Dem Ort, an dem die Schriftstellerin Ferdinande von Brackel Mitte des 19. Jahrhunderts aufwuchs und ihre ersten Werke schrieb.

Maren Eggert las aus »Die Tochter des Kunstreiters« von Ferdinande von Brackel vor. Die Schriftstellerin von Brackel wuchs im Schloss Welda auf und schrieb dort ihre ersten Werke. Foto:

Schauspielerin Maren Eggert las aus dem wohl bekanntesten Roman, »Die Tochter des Kunstreiters«, der heimischen Autorin vor. »Mut und Widerstand« lautet in diesem Jahr das Motto des ostwestfälischen Literatur- und Musikfestes. Die Kunstschaffenden scheuen im aktuellen Programm keine Konsequenzen, fühlen sich verpflichtet, das Unrecht zu beseitigen oder darauf aufmerksam zu machen.

So auch die Wienerin Teresa Präauer, die in Welda aus ihrem Roman »Oh Schimmi« vorlas. Virtuos spielt sie mit der deutschen Sprache, steckt in einfache Szenen zugespitzte Wortspiele, wenn ihr Protagonist – oder doch Antagonist? – Jimmi, zu deutsch Schimmi, sich im Schimpansenkostüm der Liebe wegen zum Affen macht.

Eine Geschichte, die dem Publikum immer wieder ein entzücktes Schmunzeln entlockte. Albrecht Simons von Bockum Dolffs, der in das Programm einführte, zählt ihr Werk zu den Buchperlen des Jahres 2017.

Freiin verfasste mehr als 20 Werke

Seit zwei Jahren haben Albrecht Simons von Bockum Dolffs und Helene Grass die künstlerischen Leitung der »Wege durch das Land«. Simons von Bockum Dolffs hat den Aufenthalt in Schloss Welda zum Anlass genommen, sich mit Ferdinande von Brackel (1835-1905) zu beschäftigen.

Die Freiin wuchs in der Residenz ihrer Familie auf und verfasste zeitlebens über 20 Werke. Ihr bekanntester Roman ist »Die Tochter des Kunstreiters«, der in fünf Sprachen übersetzt wurde. »Das moralische Melodram funktionierte wie eine Soap Opera.

Meistens ging es um Geld oder Liebe, oder beides«, ersagte Simons von Bockum Dolffs, »doch im Vergleich zu ihren Kolleginnen schrieb sie auf einem sehr hohen sprachlichen Niveau«.

Catering in grüner Oase des Schlosses

Passagen aus diesem Werk trug Maren Eggerts vor. Die in Berlin lebende Schauspielerin ist Fernsehzuschauern bekannt durch ihre Rolle als Psychologin Dr. Frieda Jung im »Tatort Kiel«. Sie wurde im Jahr 2017 für ihre Rolle der Angela Schanelecs in »Der traumhafte Weg« mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet.

Dank des sommerlichen Wetters, das bis zum späten Nachmittag vorhielt, konnte das Catering der Gäste in der idyllischen grünen Oase des Schlossgartens stattfinden, statt wie vorgesehen im Kellergewölbe des Schlosses.

Wie es ist, »in einem kleinen Dorf am Ende der Welt« aufzuwachsen und sich nach der großen weiten Welt zu sehnen, weiß Bernadette La Hengst genau. Die Sängerin wurde in Bad Salzuflen geboren und ging mit 19 Jahren nach Hamburg. Dort gilt sie als eine der wichtigsten Akteurinnen der Hamburger Schule.

»Feministischer Muttertag« kommt gut an

Im Saal des Schlosses Welda gab sie mit ihrer Kollegin Claudia Wiedemer alles, gesanglich und an der Akustikgitarre. Sie sei sich nicht sicher gewesen, ob dieses starke Instrument die richtige Wahl zu einer Matinée sei, gab Bernadette La Hengst zu, doch ihre Sitzdisko zum »Feministischen Muttertag« kam beim Publikum, das auf seinen Stühlen mitswingte, sehr gut an.

Dabei zeigten die beiden Sängerinnen viel Gefühl und eine weite Bandbreite zwischen deutschsprachigen Songs wie »Integrier mich, Baby« und der englischsprachigen Ballade »Save the world with this melody«.

Das Programm des 19. Literatur- und Musikfestes wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kunststiftung NRW sowie durch die jährlichen Beiträge der acht Gesellschafter gefördert und durch zahlreiche Sponsoren und Spender unterstützt.

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