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Außergewöhnliche Krippe führt in Hardehausen durch den Advent

Sich selbst im Spiegel begegnen

Warburg-Hardehausen

Es gibt so viele Termine im Advent. Auch wenn in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie keine Weihnachtsmärkte oder ähnliche Zerstreuungen stattfinden können, sind viele Menschen im Stress, weil sie sich auf die Festtage vorbereiten, zum Beispiel in den Geschäften auf Geschenkejagd gehen.

Verena Schäfers-Michels

Im Turm der Kirche treffen Sozialpädagoge Marc Henke (links) und Diözesanjugendpfarrer Stephan Schröder auf die Figur des Lichtbringers. Foto: Verena Schäfers-Michels

Termine, die die Menschen nach Überzeugung des Jugendhauses Hardehausen von der Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Weihnachtsthema, der Geburt Christi, ablenken. Dem will die Einrichtung etwas entgegensetzen. Passend zum diesjährigen Motto des Jugendhauses, „Komm ins Licht“, ist in diesem Jahr im Kreuzweg des Hauses und in der Kirche eine ungewöhnliche Krippe aus Spiegelglas zu finden.

Die aus rund 20 Figuren bestehende Spiegelkrippe entstand vor ein paar Jahren in der Gemeinde St. Katharina in Unna. „Als ich davon hörte, war ich sehr interessiert“, erinnert sich Jugenddiözesanpfarrer Stephan Schröder. „Vor zwei Jahren habe ich angefragt, die Figuren zu leihen, sie waren bereits reserviert. Doch dieses Jahr hat es geklappt.“

Zum 1. Advent wurden dreizehn Figuren in der Kirche des Jugendhauses verteilt, weitere im Kreuzweg. Im Eingangsbereich am Taufbecken begegnet der Eintretende eigentlich zuerst Johannes dem Täufer. Eine 1,80 Meter hohe Figur aus Spiegelglas, die sich durch einen beigefarbenen Lendenschurz von den anderen Charakteren der Krippe unterscheidet. Zurzeit steht der Täufer jedoch am Altar, weil er am 2. Advent Thema der Liturgie war.

In dieser Weise könnten sich die Positionen der Figuren bis zum Heiligen Abend noch ändern und so weiter in das Zentrum der Kirche wandern. „Wir haben sie bewusst in der Kirche verteilt. Schließlich sind alle Protagonisten noch auf dem Weg“, erklärt Schröder. Die weitläufige Jugendhauskirche bietet sich dafür an. Den Mittelpunkt des Raumes bildet die frei stehende Himmelstreppe, die Haushandwerker Bernd Peters vor einigen Jahren gebaut hat. Auf den Stufen stehen die Adventskerzen untereinander, die beiden oberen brennen bereits, denn bis zum Heiligen Abend werde Jesus unten, in unserer Mitte, angekommen sein.

Der Sozialpädagoge Mark Henke formuliert es so: „Viele denken, das hat gar nichts mit mir zu tun, aber durch die Brille der Kinder hat man eine ganz andere Sicht auf Weihnachten. Staunen und Begeisterung sind es, die den Erwachsenen fehlen. Außerdem ist man Teil des Ganzen, steht mittendrin.“

Sich selbst in den Figuren zu spiegeln, bedeute, den Attributen im eigenem Leben gegenüber zu stehen und sich selbst zu erkennen. Das mag bei einem Kamel oder einem Esel schwerer fallen als bei einem Hirten oder einem der namenlosen Kinder, die einen Teil der Figuren bilden. Das sich im Zusammenspiel der Figuren Elemente aus dem Alten Testament mit denen von Legenden mischen, findet Jugendpfarrer Schröder richtig: „In der Bibel trägt ein Esel Maria und Jesus nach Ägypten, und ein Esel bringt Jesus am Palmsonntag nach Jerusalem, aber im Stall werden weder Ochs noch Esel erwähnt. Ebenso wenig wie drei Könige.“ Eine Einheit bilden Josef, dargestellt mit einer Säge, der Engel mit weißer Schärpe und Maria. Sie erhält vom Engel die frohe Botschaft, Josef begegnet ihm im Traum.

Jeder Mensch bringt unterschiedliche Erfahrungen in diese Begegnung mit hinein. Eine Begegnung, die so ganz anders ist als sie die traditionelle Krippe bringt. In dieser zeichnen sich in der Regel viel kleinere Figuren durch unterschiedliche Kunstfertigkeit aus. Sie sind schön anzusehen und erzählen ihre Geschichte von der Geburt Jesu, doch man selbst bleibe außen vor.

Betrachte man sich jedoch selbst im spiegelnden Josef, der in der Bibel eher ein Beobachter ist, sich nach der Begegnung mit dem Engel jedoch mutig der Herausforderung stellt, den Auserwählten großzuziehen, stelle man sich vielleicht selbst die Frage: „Welchen Plan hat Gott mit mir?“

Am vergangenen Wochenende hat bereits die erste Gruppe eine Führung zu den Spiegelglasfiguren erlebt. Auch die folgenden Termine sind ausgebucht. Bis zum 10. Januar wird die Spiegelglaskrippe in der Kirche des Jugendhauses Hardehausen aufgebaut sein und kann werktags bis 20 Uhr besucht werden.

Am 25., 26. und 27. Dezember besteht für alle die Möglichkeit, von 11 bis 18 Uhr die offene Kirche zu besuchen. Vom 28. Dezember bis zum 3. Januar ist das Jugendhaus aufgrund von Betriebsferien geschlossen.

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