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Bürgermeister zieht Corona-Bilanz – 190 Firmen mit Desinfektionsmitteln ausgestattet

Stadt plant Online-Shop für den Handel

Warburg (WB). Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln hat am Dienstagabend im Rat eine erste Coronabilanz für die Hansestadt gezogen. Resümee am Ende seiner 30-minütigen Erklärung: „Gemeinsam werden wir diese Herausforderung bestehen und diese Herausforderung überstehen“.

Jürgen Vahle

Der Warburger Rat hat sich am Mittwoch erstmals nach zwölf Wochen wieder getroffen. Unter strengem Hygieneschutz und mit Alltagsmasken wurde im Pädagogischen Zentrum getagt, in dem normalerweise mehr als 500 Besucher Platz finden.. Foto: Ralf Benner

Zuvor hatte der Bürgermeister aber aufgelistet, welche gravierenden Folgen die Pandemie für die Wirtschaft und auch für die Arbeit in der Verwaltung hat.

420 in Quarantäne

Die Zahlen sind bekannt: Warburg hatte von allen Kommunen im Kreis Höxter mit 104 bestätigten Infektionen und sechs bestätigten Corona-Todesfällen die größte Last zu tragen. 13 Warburger sind immer noch akut infiziert. Nach Auftreten der ersten Verdachtsfälle im Stadtgebiet wurden bis heute 420 Menschen in Quarantäne geschickt. „Die Verfügungen wurden wegen der Eilebedürftigkeit in der Regel persönlich zugestellt – auch an Wochenenden und Feiertagen“, berichtete Michael Stickeln. Zudem sei es besonders anfangs aufgrund der steigenden Zahlen zu so vielen Rückfragen von Infizierten und Kontaktpersonen gekommen, dass Ende März eine eigene Bürger-Hotline „Corona“ für sie eingerichtet werden musste.

Hohe Testfrequenz

Warum gerade Warburg so hohe Zahlen hat, führte Stickeln nicht weiter aus. Es ist aber kein Geheimnis, dass dies auch mit den Fällen, die das Altenzen­trum St. Johannes hatte, und der daraufhin erheblich erhöhten Testfrequenz zusammenhängt, die Heimleitung und Stadt gefordert hatten. Corona-Hotspots soll es auch in größeren Warburger Firmen gegeben haben, was zur Folge hatte, dass Schichten teilweise zu Hause bleiben mussten, obwohl sie keine oder kaum Symptome hatten.

350 Firmen angeschrieben

Sehr ausführlich ging Michael Stickeln auf die Situation der Wirtschaft ein. Bis zum vergangenen Wochenende habe vor allem Wirtschaftsförderer Sören Spönlein 17 Newsletter mit Informationen zu Fördermitteln, Ansprechpartnern und Hilfsprogrammen an 350 Unternehmen im Stadtgebiet per Mail verschickt. Bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie sei die Einzelhandelsplattform „ReMaPla“ als Online-Plattform für den örtlichen Einzelhandel entwickelt worden. „Innerhalb kürzester Zeit haben sich dort 110 Unternehmen mit einem Branchenbucheintrag registriert“, berichtete der Bürgermeister weiter.

Gutschein-System

Derzeit werde an der Erstellung eines Gutschein-Systems gearbeitet und es sei beabsichtigt, diese Plattform auch zukünftig zu nutzen, um den beteiligten Unternehmen hierüber quasi die Einrichtung eines Online-Shops zu ermöglichen – „kostenlos und als Service der Stadt Warburg“, wie Michael Stickeln versichert.

10.500 Postwurfsendungen

Zudem habe es im April eine Postwurfsendung an 10.500 Haushalte in Warburg gegeben, mit der die Bürgerschaft aufgerufen worden sei, den lokalen Handel in dieser Krisensituation zu unterstützen.

Dennoch: Die Verunsicherung bei Industrie und Handel ist groß: „Im Zeitraum bis 15. Mai sind rund 350 E-Mails und etwa 500 Telefonate zu Einzelhandels-, Gastronomie- und unternehmensrelevanten Bereichen beantwortet worden“, berichtete Stickeln. Er selbst habe in einer Videobotschaft zu Ostern noch einmal dazu aufgerufen, die örtlichen und regionalen Einzelhändler, die Gastronomie mit Abhol- und Bringservice, das Handwerk und die Landwirtschaft im Bereich der Direktvermarktung zu unterstützen.

Heitmann-Spende

Die Firma Brauns-Heitmann habe der Stadt bisher 1920 Flaschen (á 250 Milliliter) Desinfektionsmittel für Gewerbetreibende kostenlos zur Verfügung gestellt. 190 Unternehmen hätten das Angebot schon angenommen. 300 Flaschen seien darüber hinaus an die Schulen verteilt worden.

In den Bildungseinrichtungen habe es auch ein Abgleich der Hygienepläne mit den Aufträgen der Dienstleister gegeben. Die monatlichen Mehrkosten durch gründlichere Reinigung und Hygiene belaufen sich geschätzt auf 18.000 bis 20.000 Euro netto.

Krisenstab

Innerhalb der Verwaltung, in der 31 Mitarbeiter dank der schnellen Reaktion der IT-Abteilung ins Homeoffice geschickt werden konnten, werde die Pandemie von einem Krisenstab geleitet, erklärte Michael Stickeln. Neben dem Bürgermeister gehören ihm der I. Beigeordnete Klaus Braun sowie die Fachbereichsleiter Klaus Weber, Rainer Ehle, Olaf Krane und Andreas Scholle sowie aus dem Ordnungsamt Wolfgang Voss und Viktoria Baacke an. 42 Mal habe sich dieses Gremium bereits getroffen. Alle Entscheidungen im Umgang mit der Corona-Pandemie beruhten größtenteils auf gemeinsamen Entscheidungen dieses Krisenstabs.

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