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Warburger Fabrik mit 60 Mitarbeitern und 800 Rübenbauern betroffen

Südzucker schließt fünf Werke

Warburg/Mannheim (WB). Der Kampf um die Zuckerfabrik in Warburg war am Ende vergebens. Der Aufsichtsrat der Südzucker AG hat die Schließung des Werks mit 60 Mitarbeitern und vier weiterer seiner insgesamt 29 Standorte in Europa beschlossen. Begründet wird der Schritt mit hohen Verlusten infolge stark gesunkener Zuckerpreise.

Oliver Horst

350 Menschen, darunter aus Warburg etwa 200 Beschäftigte, Bauern und Stadtvertreter, demonstrierten gestern vor der Südzucker-Zenttale für den Erhalt der Werke. Foto: Timo Gemmeke

Rund 350 Menschen, darunter aus Warburg 200 Beschäftigte, Rübenbauern und Stadtvertreter , hatten sich am Montagvormittag vor der Konzernzentrale in Mannheim für den Erhalt der Werke stark gemacht. Als zweiter Standort in Deutschland ist das südbrandenburgische Brottewitz mit 90 Beschäftigten betroffen.

Diese beiden der neun deutschen Werke sowie zwei von fünf Standorten in Frankreich mit 215 Mitarbeitern sollen nach der nächsten Ernte Anfang 2020 geschlossen werden. Das Werk im polnischen Strzyzów (70 Beschäftigte), eine von fünf Südzucker-Fabriken in Polen, soll schon in Kürze aufgegeben werden.

Preis auf historischem Tiefstand

Durch die Schließungen will die Südzucker AG als Weltmarktführer ihre Produktionskapazität um rund 700.000 Tonnen Zucker pro Jahr reduzieren und auf den europäischen Bedarf ausrichten. In der gerade beendeten Kampagne waren 4,7 Millionen Tonnen hergestellt worden, im erntestarken Vorjahr 5,7 Millionen. Bei der Auswahl der Werke seien die höchsten Produktionskosten je Tonne Zucker maßgeblich gewesen, sagte Pressesprecher Dominik Risser.

Der Preis für Weißzucker in der EU ist auf einen historischen Tiefstand von rund 330 Euro je Tonne gesunken. Beim Auslaufen der stabilisierenden EU-Zuckermarktordnung im September 2017 lag er bei 500 Euro.

Die Zuckersparte von Südzucker ist im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen gerutscht. Nach drei Quartalen lag der operative Verlust bei 83 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 150 Millionen. Der Vorstand legte deshalb einen Restrukturierungsplan auf und informierte Ende Januar über mögliche Werksschließungen.

Die Kosten sollen um bis zu 100 Millionen Euro jährlich sinken. Auch im Verwaltungsbereich soll gespart werden. Auch dort sei ein Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Die Kosten für die Restrukturierung beziffert Südzucker auf 180 bis 220 Millionen. Für betroffene Mitarbeiter in Deutschland soll ein Sozialplan ausgehandelt werden.

»Es ist nicht die Zeit für Emotionalität«

Auswirkungen hat der Schritt auch auf die Rübenbauern, davon rund 800 im Bereich der Warburger Fabrik. Südzucker will wegen der angestrebten Produktionskürzung auch an Standorten wie dem 60 Kilometer entfernten Werk Wabern nicht mehr Zuckerrüben annehmen. Auch die Mitbewerber wie Pfeifer & Langen mit Werk in Lage oder Nordzucker dürften angesichts der Marktlage kein gesteigertes Interesse haben. Den betroffenen Bauern bliebe dann nur die Umstellung des Anbaus etwa auf Weizen oder Mais.

Vor der Aufsichtsratssitzung hatte Franz-Josef Möllenberg als Arbeitnehmervertreter mehr Zeit für Alternativen angemahnt. Konzernchef Wolfgang Heer sagte, der Vorstand müsse auf die Verluste mit rationalen Entscheidungen reagieren. »Erste Pflicht« sei es, Südzucker wettbewerbsfähig zu machen. »Es ist nicht die Zeit für Emotionalität«, fügte er hinzu – unter Pfiffen der Demonstranten.

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