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Brigitte Scherl aus Scherfede begrüßt Interessierte in Werkstatt und Laden

Töpferei am Mönchhof zeigt sich offen

Warburg

Nach einem Jahr Pause konnte Kunsttöpferin Brigitte Scherl aus Scherfede am vergangenen Wochenende wieder ihre Türen öffnen. Zum 16. Mal wurde deutschlandweit zum „Tag der offenen Töpfereien“ eingeladen.

Verena Schäfers-Michels

Beim „Tag der offenen Töpfereien“ hat Brigitte Scherl ihre Kunstwerke präsentiert. Zu ihren neuesten Werken gehört die Schale mit chiliroter Glasur. Am liebsten kreiert die 66-Jährige in ihrer Töpferei eigene Glasuren und probiert neue Techniken aus. Foto: Verena Schäfers-Michels

Bewirtung und besondere Aktionen mussten in diesem Jahr ausfallen, doch ein Blick hinter die Kulissen und ein nettes Gespräch waren für alle Interessierten möglich.

2020 musste die Veranstaltung fast überall im Land kurzfristig abgesagt werden, kollidierte der Termin doch mit dem Beginn des ersten Lockdowns. „Es war alles vorbereitet“, erinnert die 66-Jährige sich.

Es folgten Monate, die nicht einfach waren. Die Handwerksmärkte, die Brigitte Scherl über das Jahr verteilt besucht, um ihre Waren anzubieten, fielen fast alle aus. Auch beim Weihnachtsmarkt in der Warburger Altstadt ist die Künstlerin sonst regelmäßig mit einem Stand vertreten. Zudem konnte sie keine Töpferkurse mehr anbieten: „Zwar finden diese nur Eins-zu-Eins statt, doch ohne Körperkontakt ist das Einweisen in die Töpferkunst unmöglich.“

Brigitte Scherl

Zu Beginn des ersten Lockdowns habe sie gedacht: „Jetzt hast du richtig viel Zeit.“ Doch allzu schnell hatte die 66-Jährige alle Arbeiten, die liegen geblieben waren, erledigt. Dann erlebte Brigitte Scherl etwas, das ihr völlig neu war: „Mir ist plötzlich nichts mehr eingefallen. Ich habe sogar wieder angefangen, Geschirr herzustellen.“ Diese routinierte Arbeit half ihr, ihren Rhythmus wiederzufinden und damit auch ihre Kreativität.

Für die bei 1250 Grad im Elektroofen hochgebrannten und dadurch frostfesten Objekte verarbeitet Scherl Westerwälder Steinzeugtone, vorzugsweise weißbrennend. Viele Glasuren entwickelt die Scherfederin selbst.

Vor einer Woche durfte Brigitte Scherl ihren Laden wieder für Kunden öffnen. Montags bis donnerstags ist der Laden zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet. Vier Personen dürfen gleichzeitig stöbern.

Am Eingang ist eine Desinfektionsstation aufgebaut. Glänzende Gefäßkeramiken fallen dem Eintretenden sofort ins Auge. Für ihre selbstkreierte blau-türkise Glasur hat die gebürtige Bremerin auf dem Töpfermarkt in Großenrode, einem der größten Deutschlands, den Publikumspreis und die beste Platzierung unter den Kollegen erhalten.

Ihr besonderer Stil prägt die Arbeiten. In den vergangenen Jahren hat die Kunsttöpferin sich immer wieder mit speziellen Begusstechniken und der Bearbeitung mit Metalloxiden beschäftigt. Auf diese Weise wird der Unikat-Charakter ihrer Werke unterstrichen.

Eine Kunstform, die nicht umsonst Weltkulturerbe ist. „Töpfern ist nicht einfaches Herumkneten. Es ist das schönste Handwerk der Welt“, weiß Brigitte Scherl, die diese Kunst von der Pike auf gelernt hat und ihr Wissen gerne weitergibt. 1984 wurde sie durch die Fachoberschule für Kunst und Design in Köln als Künstlerin anerkannt, was heute einem Meistertitel entspricht.

„Man braucht für das Töpfern Kraft und Feinmotorik. Diese Eigenschaft ist erst im Alter von etwa 15 Jahren ausgereift, dem Alter, wo man früher in die Lehre ging.“ Seit 2012 nimmt sie am NRW-Landesprogramm „Kultur und Schule“ teil, hat bis zu ihrer Schließung mit Schülern der Eisenhoitschule in Warburg gearbeitet.

Im Oktober ist Brigitte Scherl erstmals bei der Veranstaltung „KunstRaumKirche“ des Kreises Höxter vertreten, worauf sie sich schon sehr freut.

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