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Bislang zehn Fälle bekannt: Jagdpächter finden seit Wochen Kadaver – Ordnungsamt Warburg lässt Ferkel abholen

Tote Schweine in der Natur entsorgt

Warburg (WB)

Unbekannte entsorgen bei Warburg tote Schweine in der Natur. Seit dem Jahreswechsel wurden zehn Fälle bekannt. Gefunden wurden die verwesenden Kadaver bisher in der Nähe der Stadtteile Menne und Dössel.

Daniel Lüns

Dieses Schwein wurde an der Bördestraße bei Menne in einen Wassergraben geworfen. Dort verrottete es vor sich hin. Das Warburger Ordnungsamt ließ dieses und auch die anderen Tiere fachgerecht entsorgen. Foto: Jörg Wegge

Auf die Tiere aufmerksam wurden die Jagdpächter aus Menne, Jörg Wegge, und Dössel, Eugen und Patrick Behne und Matthias Sprute. Demnach war der letzte Fund am Mittwoch. Jemand hatte drei Tiere an der Straße von Dössel nach Warburg abgelegt. Am Freitag, 12. Februar, wiederum wurde in der hüfthohen Vegetation einer Landwirtschaftsfläche in Dössel ein Ferkel gefunden, schildert Eugen Behne.

„Mir ist das aufgefallen, da ich im hohen Schnee Fährten entdeckt habe“, sagt er. Offenbar stammten diese von Raubtieren. Denn als er den Spuren folgte, „habe ich ein bereits halb aufgefressenes Ferkel gefunden“. Zuvor waren um Menne Kadaver gefunden worden – zum ersten Mal am 6. Januar.

Funde im Umkreis von 400 Metern

Gefunden wurden junge Schweine, erklärt Wegge. Die jüngsten seien wenige Tage alt, die ältesten brachten 20 Kilo auf die Waage. Die Funde seien im Abstand von etwa zwei Wochen und im Umkreis von 400 Metern gemacht worden. Weitere Fundstellen seien Am Bahndamm und in der Nörder Straße. Ein Tier sei in einen Wassergraben am Bahnübergang an der Bördestraße geworfen worden.

Allen Tieren seien die Ohrmarken entfernt worden. Ohne die sei die Herkunft der Schweine schwer herauszufinden. In jedem Fall gehe von so entsorgten Tieren auch eine Gefahr aus. „Man weiß ja nicht, woran die Schweine eingegangen sind. Im Falle einer Infektion ist eine Übertragung auf Wildtiere möglich“, erklärt Wegge.

Vor allem mit Blick auf die herannahende Afrikanische Schweinepest, von der die Region bislang verschont blieb, sehen die Fachleute die Funde kritisch. „Außerdem holt die Tierverwertungsanstalt die Kadaver preisgünstig ab. Ich entsorge ein Tier auf diese Weise doch nur, wenn bei mir auf dem Hof etwas nicht stimmt und ich was zu verbergen habe“, vermutet Behne.

Veterinäramt hat Ermittlungen eingeleitet

Das Veterinäramt des Kreises Höxter hat Ermittlungen eingeleitet, um die Herkunft der Schweine zu klären. Zudem hat das Amt drei Tiere zur Untersuchung an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe (CVUA-OWL) in Detmold gesendet. Das Ergebnis der Untersuchung liegt noch nicht vor.

Dass Tiere illegal entsorgt werden, ist nicht neu, erklärt Dr. Jens Tschachtschal, Leiter des Veterinäramtes: „In der Vergangenheit ist es vereinzelt zu Meldungen über illegal entsorgte tote Haustiere gekommen.“ In den aktuellen Fällen habe das Ordnungsamt Warburg die Tiere entsorgen lassen.

„Halter von landwirtschaftlichen Nutztieren sind rechtlich verpflichtet, verendete Tiere in einer zugelassenen Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgen zu lassen“, sagt Tschachtschal. Im Kreis Höxter sei die Firma Secanim mit Standort in Lünen damit beauftragt.

Verendete Tiere seien dort unverzüglich anzumelden. Sie würden dann abgeholt. Das entsorgen eines 80-Kilo-Schweins etwa koste 9,31 Euro, sagt Tschachtschal. Die Entsorgung in der Natur dürfte deutlich teurer werden: „Kann der Verursacher ermittelt werden, wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.“

Auch am Bahndamm in Menne (Foto) gab es zwei Fundstellen. Zudem wurden tote Tiere bei Dössel entsorgt. Foto:

Antonius Tillmann findet deutliche Worte

Antonius Tillmann findet zu den Fällen deutliche Worte. „So etwas geht gar nicht. Das erschüttert mich“, sagt der Vorsitzende des Bezirksverbandes Ostwestfalen-Lippe des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). Warum jemand seine Tiere so entsorgt, kann Tillmann nicht nachvollziehen.

„Die Zusammenarbeit mit der Tierkörperbeseitigungsanstalt läuft 100-prozentig. Dort kann ich die Tiere sogar per App melden“, sagt Tillmann. „Zudem muss ich das auch alles in meiner Buchführung ausweisen. Da fällt ja auf, wenn plötzlich Tiere fehlen. Auch aus Umweltschutzgründen ist das Ganze eine Sauerei.“

Zum Leben gehöre das Sterben dazu. Das sei auch in der Landwirtschaft ganz normal. „Wenn ich meine Tiere vernünftig halte, mir aber dennoch eines eingeht, dann reißt mir keiner den Kopf ab“, sagt Tillmann. „Mir ist es wichtig, dass man denjenigen nun findet und dann ein deutliches Zeichen setzt. So etwas diskreditiert eine ganze Branche.“

Hinweise nehmen Polizei oder Ordnungsamt, Telefon 05641/921209, entgegen.

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