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Hadera Tesfamariam besteht Gesellenprüfung

Vom Flüchtling zur Fachkraft

Warburg (WB). Er hat seine Chance genutzt: Hadera Tesfamariam ist nach seiner Flucht aus Eritrea in Warburg gelandet. Dort hat er sich mit Fleiß ein neues Leben aufgebaut. Vor allem beruflich läuft es bestens. Der 34-Jährige hat soeben die Handwerksprüfung bestanden.

Alice Koch

Stolz zeigt Hadera Tesfamariam (links) seinen Gesellenbrief. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildungszeit hat er seine Prüfung zum Anlagenmechaniker bestanden. Darüber freut sich auch Schmidt-Haustechnik-Geschäftsführer Berthold Atteln. Foto: Alice Koch

Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung bei der Firma Schmidt Haustechnik ist er jetzt Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „In einem fremden Land mit einer fremden Sprache so eine Prüfung zu bestehen, das ist eine super Leistung“, zeigt sich Geschäftsführer Berthold Atteln stolz über den Erfolg seines Schützlings.

2014 nach Deutschland gekommen

Hadera Tesfamariam kam im Jahr 2014 nach Deutschland und landete zunächst in der Flüchtlingsunterkunft in Dössel. Im November 2015 begann er im Rahmen der Kompetenzfeststellung ein Praktikum bei der Firma Schmidt Haustechnik und lernte Deutsch bei der Volkshochschule. Für Hadera Tesfamariam war es vor allem anfangs schwer, als er die Sprache noch nicht beherrschte. „Es ist nicht leicht, aber mithilfe meiner Kollegen habe ich jeden Tag dazugelernt“, sagt er in fast einwandfreiem Deutsch.

Durch Unterstützung der Agentur für Arbeit begann er im August 2016 seine Einstiegsqualifizierung. Ein einjähriges Langzeitpraktikum bei der Firma Schmidt Haustechnik, bei dem er auch die Berufsschule besucht hat. „Wir hatten zunächst Angst, dass es Probleme mit der Sprache gibt“, erinnert sich Berthold Atteln.

Ausbildung zum Techniker

Aber seine Skepsis war unbegründet. Sowohl die schulischen Leistungen als auch die Leitungen im Ausbildungsbetrieb waren so gut, dass dieses Jahr als erstes Ausbildungsjahr anerkannt wurde. Im August 2017 unterschrieb Hadera Tesfamariam seinen Ausbildungsvertrag zum Anlagenmechaniker. Dank Berthold Atteln fand er eine kleine Wohnung in Warburg, Kollegen spendeten Einrichtungsgegenstände, Geschirr und viele weitere Dinge, die er zum Leben brauchte.

Der Gesellenbrief in der Tasche hat Hadera Tesfamariam schon die erste Tür geöffnet. Die Firma Schmidt Haustechnik hat ihm eine Festanstellung angeboten. Doch der frisch gebackene Anlagenmechaniker hat andere Pläne. „Ich möchte noch mal einen Sprachkurs machen, damit mein Deutsch noch besser wird. Und ab September gehe ich in Kassel zur Schule, um meinen Techniker zu machen“, erklärt Hadera Tesfamariam.

„Gute Laune brauchen wir immer.“

Ehrgeizige Pläne, die Berthold Atteln verstehen kann. „Wir hätten Hadera Tesfamariam sehr gerne im Betrieb behalten, vor allem weil er so fleißig, zuverlässig und umsichtig ist. Aber ich kann auch seine Ziele verstehen“, sagt der Geschäftsführer und betont: „Falls es irgendwelche Probleme, egal in welchen Fach in der Schule, gibt – unsere Tür steht jederzeit offen.“

Hadera Tesfamariam geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Vor allem aber freut er sich auf seine Zeit im benachbarten Hessen, denn seine Frau wohnt in Wolfhagen. Gemeinsam möchte das Paar in Kassel wohnen, bis Hadera Tesfamariam seine Weiterbildung zum Techniker abgeschlossen hat. Und wer weiß, vielleicht ist ja auch eine Rückkehr nach Warburg geplant. Berthold Atteln würde es freuen: „Gute Leute brauchen wir im Betrieb immer.“

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